Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

schicken, Vb.

1schicken /Vb./
1. etw. an einen anderen Ort, zu jmdm. bringen oder befördern lassen, senden: jmdm., an jmdn. Geld, einen Bericht, Brief, Gruß, eine Ansichtskarte, Nachricht, ein Lebenszeichen, Manuskript, Paket, Telegramm s.; etw. an eine Adresse s.; einen Brief nach Hause s.; umg. etw. geschickt kriegen; sie schickten dem Kranken Früchte und Wein; sie hatten ihr durch die, per Post, durch einen Boten ein schönes Geschenk geschickt; s. Sie mir doch ein paar Zeilen aus dem Urlaub!; (jmdm.) eine Vorladung s.; das Kaufhaus hat uns die Waren ins Haus geschickt; sie hat ihre Gedichte an eine Zeitung geschickt; /bildl./ jmdm. einen fragenden, vorwurfsvollen Blick s.; Elektrotechn. Strom durch Wasser, eine Leitung s.
2. jmdn. mit einer bestimmten Absicht veranlassen, sich an einen anderen, bestimmten Ort, zu jmdm. zu begeben: jmdn., seinen Sohn, einen Boten, eine Abordnung, den Gerichtsvollzieher zu jmdm. s.; haben Sie jmdn. zum Schicken?; meistens schickte ihn seine Mutter; sie schickten einen Maurer, der die Schäden rasch beseitigte; da haben sie mich doch bestimmt wieder falsch geschickt Fallada Wolf 2,211; die Kinder einkaufen, Pilze suchen, schlafen, ins Bett, auf den Spielplatz, aus dem Zimmer, nach Hause s.; übers Wochenende schickten sie ihre Kinder zu den Großeltern, aufs Land; jmdn. auf, zur Erholung, Kur s.; eine Kundin in die Kabine s.; jmdn. auf die Suche, den Weg s.; jmdn. auf Reisen s.; salopp jmdm. jmdn. auf den Hals s.; jmdn. nach jmdm., um jmdn., etw. s. jmdn. beauftragen, jmdn., etw. zu holen: nach einem, um einen Arzt, um Auskunft s.; Es war fast sieben Uhr, als er bat, nach seinem Wagen zu schicken Th. Mann 7,240 (Königl. Hoheit) ; /bildl./ Und ein Faustschlag schickt ihn zu Boden Fallada Jeder stirbt 367; /übertr./ umg. jmdn. in den April s. (jmdn. zum besten halten) salopp jmdn. zum Teufel s. (jmdn. wegjagen, verwünschen)

WDG, 4. Band, 1974

schicken, Vb.

2schicken, sich /Vb./
1. sich fügen
a) geh. sich in etw. s. sich ohne weiteren Widerstand in etw. ergeben: sich in alles, in die Dinge, in das Leben, sein Los, in eine schwierige, unangenehme Lage, in das Unvermeidliche s.; er verstand es, sich in ihre Eigenheiten zu s.; mein Vater kann sich nun mal als Mann und Gastwirt nicht gut in ein Leben ohne Frau schicken Keun Mitternacht 11
b) veraltend sich besonderen Umständen oder Menschen so anpassen, daß keine Schwierigkeiten eintreten: er weiß sich zu s.; sie würde sich schon schicken, wenn sich's lohnte, sich ducken, wenn's not tat Viebig Tägl. Brot 73 etw. schickt sich etw. ergibt sich, stellt sich in der rechten, passenden Weise und Zeit ein, regelt sich von selbst: nichts wollte sich fügen und s.; für eine Aussprache wollte sich keine Gelegenheit mehr s.; erst muß sie mal gesund sein, dann wird sich alles weitere schon s.; Da er reisen könne, wann er wolle, und eintreffen, wie es sich grade schicke (wie es sich füge, wie es der Zufall herbeiführe) A. Zweig Einsetzung 435
2. etw. schickt sich etw. ist schicklich, gehört sich, ziemt sich: er ist ein gebildeter Mensch, er weiß, was sich schickt; es schickt sich nicht, jeden gleich zu duzen; Man soll aber einen [Hut] aufsetzen, damit man ihn abnehmen kann, bei Gelegenheiten, wo es sich schickt Th. Mann 2,78 (Zauberb./

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Zitationshilfe
„schicken“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schicken>, abgerufen am 28.10.2020.

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