Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

schlecht, Adj.

schlecht /Adj./
1. von mangelhafter Qualität, minderwertig, Ggs. gut
a) ein s. Kaffee, Wein, Weg, Boden; eine s. Ware; das ist ein s. Stoff, eine s. (verbrauchte) Luft das Fleisch ist s. geworden (verdorben) das Essen schmeckt s.; die Saat steht s.; er hat sich /Dat./ beim Einkauf nicht das Schlechteste ausgesucht
b) nicht richtig, nicht korrekt, tadelnswert: eine s. Aussprache, Haltung; ein s. Deutsch; eine s. Figur haben; der Garten war in s. (ungepflegtem) Zustand s. sprechen, singen; der Anzug paßt, sitzt s.; die Tiere sind s. gepflegt; ein s. gelüftetes Zimmer; etw., jmdn. s. (nicht genau) kennen umg. jmd., etw. macht eine s. Figur (macht einen unvorteilhaften Eindruck) /übertr./ da kennst du mich aber s. (da irrst du dich aber in mir)
c) nicht gesund, nicht funktionstüchtig: ein s. Aussehen, Magen, Herz; s. Augen, Zähne; sein Befinden ist s.; ein s. Gehör, Gedächtnis haben; s. aussehen, schlafen, hören, sehen; mir ist, wird s. (übel) /übertr./ umg. da kann einem ja s. werden (da wird man ja verärgert)
d) nicht der Erwartung, Leistung entsprechend, geringwertig: eine s. Arbeit, Idee, Zensur; ein s. Buch, Film, Ergebnis; eine s. Antwort geben; das Werk gelang s.; s. arbeiten; eine Aufgabe s. erledigen, umg. machen⌝; eine Prüfung s. bestehen; in einem Examen s. abschneiden; eine Leistung s. finden, bewerten; etw. für s. halten; s. beschlagen, beraten sein; er versteht sich s. auf sein Handwerk; er eignet sich s. für diesen Beruf; das ist (gar) nicht s. (ganz gut) das war gar kein s. (ein recht guter) Gedanke untüchtig, unfähig: ein s. Arbeiter, Verwalter, Schüler; H ist der Schlechteste in der Klasse; umg. er ist ein s. Verlierer (er verliert ungern) /übertr./ salopp scherzh. etw. ist nicht von s. Eltern etw. läßt nichts zu wünschen übrig: das Wetter sei nicht von schlechten Eltern Leip Bergung 59
2. von beschränkter Quantität, nicht viel, knapp: ein s. Gehalt, Auskommen; eine s. Belieferung; einen s. Appetit haben; er kommt mit seinem Geld s. aus; die Verkäuferin hat s. gewogen; das Theater war s. (wenig) besucht die Arbeit wurde s. (unzureichend) bezahlt; er war s. informiert; das Pferd ist s. genährt; ihre Güte wurde s. belohnt; salopp s. bei Kasse sein (wenig Geld haben) umg. s. gerechnet niedrig eingeschätzt: die Ausgaben belaufen sich, s. gerechnet, auf 500 Mark; wenig ertragreich, wenig einbringend: eine s. Ernte; s. Geschäfte machen; dieses Jahr war ein s. Jahr; der kleine Laden ging s. (hatte wenig Umsatz)
3. mit nachteiligen Folgen, ungünstig
a) eine s. Gelegenheit, Sicht; s. Aussichten, Verhältnisse, Zeiten; das ist ein s. Omen, Zeichen; er hat heute einen s. Tag (heute gelingt ihm nichts) einen s. Eindruck von jmdm. haben; s. Erfahrungen mit jmdm., etw. machen; jmdm. einen s. Rat geben; bei s. Wetter bleiben wir zu Hause; das Unternehmen ging s. aus; das Bild war s. zu sehen; ich komme morgen, heute geht es s.; es trifft sich s., daß ihr gerade verreist; die Lage hat sich zum Schlechten gewendet; einen s. Start haben (etw. unter ungünstigen Verhältnissen beginnen) das wirft ein s. Licht auf ihn (beeinträchtigt sein Ansehen) Unsere Verabredung scheint unter einem schlechten Stern zu stehen (scheint nicht gut auszugehen) Weiskopf 1,132 (Abschied v. Frieden) ; unvorteilhaft, unpassend: einen s. Tausch machen; diese Tapeten verraten einen s. Geschmack; das Kostüm kleidet sie, steht ihr s.; s. angezogen, gekleidet sein; umg. mit diesem Apparat sind wir s. gefahren (haben wir nachteilige Erfahrungen gemacht) bei der Verteilung sind sie s. weggekommen (wurden sie benachteiligt) unangebracht: das war ein s. Scherz, Trost; jmdm. einen s. Dienst erweisen;
b) unerfreulich, unangenehm: eine s. Nachricht, Stimmung, Kritik; einen s. Geschmack im Munde haben; das nimmt ein s. Ende; schlechter Laune (mißvergnügt) sein etw. riecht, schmeckt s.; nicht s. (gut) leben das wird ihnen s. bekommen; er war s. gelaunt, aufgelegt; es ist s., daß er noch im Krankenhaus liegt; ihm geht es s. (er ist in Not) umg. er ist s. dran; dort haben sie es s.; mit ihm ist es s. bestellt; um ihn steht es s.; umg. bei jmdm. s. angeschrieben sein; sich zum Schlechten verändern
4. übelgesinnt, feindselig: ein s. Freund, Nachbar; in s. Händen sein; daß er mit seiner Frau Simone in schlechtem Einvernehmen stand Andres Hochzeit 340; auf jmdn. s. zu sprechen sein; salopp bei jmdm. s. ankommen (von jmdm. schroff abgewiesen werden) es s. mit jmdm. meinen; mit jmdm. s. stehen; jmdn. s. behandeln; s. miteinander auskommen
5. moralisch nicht einwandfrei, nicht wertvoll, böse, Ggs. gut: ein s. Mensch, abwertend Kerl⌝; ein s. Charakter, Vorbild, Umgang; eine s. Gesinnung, Tat; die Täter hatten ein s. Gewissen (wußten, daß sie Böses getan hatten) jmdm. ein s. Beispiel geben; s. (unschickliche) Reden führen einer s. Sache dienen; auf s. Gedanken kommen; in s. Gesellschaft geraten; in einem s. Ruf stehen; etw. in s. Absicht tun; durch sein liederliches Leben ist er s. geworden; das war s. von dir; s. an jmdm. handeln; sich s. aufführen, betragen; nichts Schlechtes tun, wollen; sie halten zusammen im Guten und im Schlechten
6. /Adv./ schwer, mit Mühe, kaum: etw. s. begreifen; er kann Zahlen s. behalten; da können wir s. mitreden; die Ware verkauft sich s. (findet schwer Absatz) er ist s. zu Fuß (das Gehen fällt ihm schwer, bereitet ihm Schwierigkeiten) ich kann ihn doch s. darum bitten (es ist mir peinlich, ihn zu bitten) er kann s. nein sagen (er lehnt eine Bitte ungern ab) das ist s. möglich (kann nicht möglich sein) ; das läßt sich s. vermeiden; er kann sich mit seinem Schicksal s. abfinden; umg. nicht s. sehr, in hohem Grade: er staunte nicht s.; Und über diesen Gedanken war er nicht schlecht erschrocken! Kästner Lottchen 89
7. umg. recht und s., s. und recht s. recht
8. veralt. schlicht, einfach: daß der Herr des Himmels sich / Durch eine schlechte Magd verkünden werde Schiller Jungfr. v. Orleans IV 11

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