Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

schleifen

1schleifen, schleifte, hat geschleift/ ist geschleift
I. sich ziehend, schleppend über eine Fläche dahinbewegen(hat:) die Kette schleift am Boden; das Rad schleift am Schutzblech; die Zügel s. auf der Erde; er läßt die Füße s.; Die Polen faßten ihn unter, und Pröll schleifte zwischen ihnen mit steifen Beinen Apitz Nackt unter Wölfen 468; sie kam mit schleifenden Schritten /bildl./ die Zügel s. lassen (nicht mehr so streng auf Ordnung, Disziplin achten) etw., jmd. schleift über etw. (hat/ ist): die lange Schleppe hat, ist über den Boden geschleift; er schleifte mit dem lahmen Fuß über den Weg; die Netze s. über den Meeresgrund; etw., jmdn. s. (hat:) einen Koffer, den Korb s.; einen Sack hinter sich her s.; schwere Kisten über den Hof s.; Wälder waren nicht zu holzen, wenn es keine Pferde zum Schleifen gab Sternheim Chronik 196; das Kind schleifte die Puppe an den Haaren, Beinen mit sich; er wurde von der Bahn zu Tode geschleift; /bildl./ geh. Er sah das Edelste, Schönste seiner Seele entwürdigt, durch den Staub geschleift (erniedrigt) Brod Tycho Brahe 169; salopp scherzh. jmdn. durch alle Museen s. (jmdn. halb widerstrebend in alle Museen führen) seine Gäste von Lokal zu Lokal s.; salopp abwertend die Widerstandskämpfer wurden vor Gericht geschleift (brutal hingebracht) Seine Emma wurde durch zwei Konzentrationslager geschleift O. M. Graf Unruhe 437
II. ein (befestigtes) Bauwerk niederreißen, dem Erdboden gleichmachen(hat:) eine Festung, Schanze s.; einen Wall, ein Haus s.; [eine Burg] deren übrige Mauern und Türme geschleift sind Jahnn Niederschrift 1,721

WDG, 5. Band, 1976

schleifen

2schleifen, schliff, hat geschliffen
/vgl. geschliffen /
1. etw. durch gleitendes Reiben auf einem Werkzeug schärfen: e. Messer, Schere s.; die Axt mit dem Schleifstein s.; der Bauer schliff seine Sense; das Beil ist scharf geschliffen; etw. glätten: eine Platte mit Sandpapier, Schmirgel s.; Techn. metallische und nichtmetallische Werkstücke mit der Schleifmaschine, einem Schleifwerkzeug glättend formen, so daß eine hochwertige und genaue Oberfläche erzielt wird: Stahl, Holz, Glas, Edelsteine s.; eine Welle glatt, rund, passend s.; kunstvoll geschliffene Spiegel, Linsen /übertr./ Er schulte sich an Goethes Stil, schliff den seinen bis in die letzte Silbe (arbeitete ihn bis ins letzte formvollendet durch) Steinberg Tag 211
2. Soldatenspr. jmdn. in einer imperial. Armee mit äußerster, schonungsloser Härte und Schikane ausbilden, drillen: Rekruten scharf, gemein s.; salopp Dann kannst du ihn schleifen, daß ihm das Wasser im Hintern kocht (dann kannst du ihn ganz unmenschlich drillen) Remarque Im Westen 84; er ist damals sehr geschliffen worden;

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Zitationshilfe
„schleifen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schleifen>, abgerufen am 08.08.2020.

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