Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

schleppen, Vb.

schleppen /Vb./
1. etw. schleppt etw. bewegt sich schwerfällig schleifend über eine Fläche dahin: das lange Kleid, der lange Säbel schleppt am Boden; der Anker schleppt über den Grund; /oft im Part. Präs./ schleppend schwerfällig, schlurfend: ein schleppender Gang; mit schleppenden Schritten gehen; /übertr./ langsam und stockend: eine schleppende Rede, Stimme; dann erhob sich ein schleppender Gesang Cramer Konzessionen 280; eine schleppende Unterhaltung führen; eine schleppende Abfertigung; die schleppende Erledigung von Aufträgen; das Tempo wurde schleppend; schleppend sprechen; die Entwicklung des Seitenbordmotors … geht zu schleppend voran Tageszeitung 1963
2. etw., jmdn., sich mit aller Kraft, mühsam fortbewegen, fortziehen: der Dampfer schleppt die Lastkähne; die Fischdampfer s. die Netze; der Traktor schleppt einen Wagen; [Doppeldecker] schleppen Segelflugzeuge auf Höhe Sibylle 1965; einen Frachter in den Hafen s.; er schleppt ein Bein (zieht es nach) Passanten schleppten den Taumelnden in ein Haus; /bildl./ salopp scherzh. jmdn. durch die ganze Stadt s. (jmdn. halb widerstrebend durch die ganze Stadt führen) jmdn. mit ins Kino, zu einem Vergnügen s.; salopp abwertend die streikenden Arbeiter wurden vor den Richter, zum Verhör geschleppt (brutal hingebracht) sich s.: sich langsam, schwerfällig, ein paar Schritte s.; sich am Stock, auf Krücken s.; er konnte sich kaum noch s.; sich an den Tisch, zum Bett s.; /bildl./ umg. der Zug schleppt sich über die Anhöhe; ich schleppe mich bloß noch (ich lebe nur noch kümmerlich dahin) Klepper Schatten 209; /übertr./ der Prozeß schleppt sich schon ins dritte Jahr (zieht sich schon über zwei Jahre hin)
3. etw. Schweres mühsam tragen: einen Sack, d. Koffer, Korb s.; Steine, Ziegel s.; was bringt ihr da geschleppt?; etw. mit aller Anstrengung s.; etw. auf dem Rücken, unter dem Arm s.; Welch eine Last Wasser schleppt sie bergauf! Federer Regina Lob 285; Kisten auf den Boden, Kohlen in den Keller, Pakete nach Hause s.; er hat alles mit sich geschleppt; jmdn. s.: sie schleppte das Schwesterchen auf dem Arm; einen Kranken aus dem Bett s.; umg. sich mit einer Last s. sich mit einer Last abmühen: sich mit dem Gepäck, mit dem schweren Rucksack s.; sie s. sich mit den schweren Möbeln noch zu Tode; /übertr./ einen Kummer mit sich s. (mit Kummer belastet sein) er schleppt sich mit einem alten Leiden (quält sich damit ab)
4. Landw. den Boden im Frühjahr mit der Schleppe bearbeiten: den Acker, ein Feld s.;
5. salopp ein Kleidungsstück lange tragen, oft anziehen und abnutzen: diesen Mantel habe ich geschleppt;

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Zitationshilfe
„schleppen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schleppen>, abgerufen am 22.09.2020.

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