Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

schlucken, Vb.

schlucken /Vb./
1. einen Bissen, etw. Flüssiges, bes. Medikamente, durch zusammenziehende Bewegung der Zungen- und Halsmuskeln und die einsetzende Peristaltik der Speiseröhre vom Mund in den Magen gelangen lassen: einen (Nahrungs)bissen s.; Medikamente s.; Tabletten unzerkaut s.; der Patient mußte vor der Untersuchung die Magensonde s.; er hat beim Schwimmen viel Wasser geschluckt; er konnte vor Schmerzen nicht s., hatte Beschwerden beim Schlucken; Joachim schluckte tapfer an seinem Brei, der etwas verbrannt roch Wiechert Einfaches Leben 202; /bildl./ umg. sie mußten beim Kohlestapeln viel Staub s. (einatmen) an etw. zu s. haben mit etw. schwer fertig werden: an den Folgen dieser Maßnahme wird er noch lange zu s. haben; bei so viel Frechheit mußte sie erst (ein paarmal, etwas) s., bevor sie antworten konnte (es verschlug ihr zunächst die Sprache) er machte ihr Vorwürfe, sie schluckte nur (beherrschte sich und schwieg) etw. Unangenehmes widerwillig, aber ohne Widerrede, wehrlos hinnehmen: eine Beleidigung, hämische Anspielung s. müssen; sie hat manchen Tadel, Vorwurf, manche Grobheit von ihm geschluckt; wie hat sie diese Nachricht geschluckt?; er mußte die bittere Pille, den harten Brocken s.;
2. /übertr./ umg.
a) etw. schluckt etw., jmdn. etw. nimmt etw., jmdn. in sich auf: die U-Bahn schluckt täglich ungeheure Menschenmassen; er war spurlos verschwunden, als ob die Erde ihn geschluckt hätte; die Gestalt war wie von der Nacht, vom Nebel geschluckt; etw. saugt etw. auf, absorbiert etw.: der trockene Erdboden schluckt viel Regenwasser; dunkle Farben, Möbel s. Licht; der Teppich schluckt Schall; Der brandende Arbeitslärm wird von schalldichten Wänden geschluckt Wallraff Wir brauchen Dich 33
b) etw. schluckt etw., jmdn. etw. verbraucht, verschlingt etw., jmdn.: die Anschaffungen haben das ganze Geld geschluckt; die Dampfkraftwerke s. viel Wasser; die Katastrophen hätten all unsere Kräfte geschluckt Jakobs Beschreibung 181
c) abwertend jmd. schluckt etw. jmd. eignet sich etw. gewaltsam an, ergreift gewaltsam von etw. Besitz: Weil die Engländer Frankreich bis zur Loire besetzten. Weil sie das Land ganz schlucken wollen Brecht Jeanne d'Arc 2 ein Konzern schluckt kleinere Betriebe ein Konzern schaltet im Konkurrenzkampf kleinere Betriebe aus und übernimmt sie: die Wirtschaftskrise … bei der die großen Monopole die kleinen Unternehmer schlucken Bredel Fünfzig Tage 133 jmd. schluckt etw. jmd. nimmt etw. habgierig an sich: die Erben schluckten horrende Summen; wenn Jakob kam und Geld verlangte, dann gab sie … Was hatte der Jakob schon alles geschluckt! Viebig Die vor d. Toren 39; die Aktionäre schluckten hohe Dividenden;

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Zitationshilfe
„schlucken“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schlucken>, abgerufen am 22.09.2020.

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