Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

schon, Adv.

schon /Adv./
I. bereits
1. /zeitl./
a) /gibt an, daß ein Vorgang, Zustand zu einem früheren Zeitpunkt, schneller als erwartet eintritt, eingetreten ist; drückt oft Überraschung, Erstaunen, Unwillen des Sprechers darüber aus/ früher, schneller als erwartet: da kommt er ja s.!; warum gehst du s. weg?; ich kann die Schuhe s. morgen wieder abholen; du kannst s. jetzt damit anfangen; er wollte morgen zurückkommen, ist aber s. heute nacht, gestern, am Sonntag gekommen; der Vortrag sollte bis zwölf Uhr dauern, war aber s. um elf Uhr zu Ende; du bist s. müde, willst s. schlafen?; wir müssen gehen! Jetzt s.?; es ist s. spät, zehn Uhr, finster, wird s. hell; die Natur ist s. recht herbstlich; du bist s. fünfzig Jahre alt?; er ist erst vierzehn Jahre alt, aber s. 1,75 m groß; er hat s. graues Haar; du bist s. der Dritte, der danach fragt; er ist s. wieder erkältet; s. wieder ist, haben wir Winter;
b) /gibt in Verbindung mit einer Zeitangabe oder einer zeitlich zurückliegenden Ortsangabe an, seit wann ein Vorgang, Zustand anhält, oder wie oft er sich wiederholt hat/ der ausländische Student studiert s. seit einem Jahr in der DDR; er arbeitet s. jahrelang daran; s. bei unserer ersten Begegnung, seit einiger Zeit, lange, damals habe ich das gesehen; ich warte s. länger als eine halbe Stunde auf die Bahn; das habe ich s. längst gewußt; s. als Kind hat er an dieser Krankheit gelitten; darüber kannst du s. bei M nachlesen; er hat sich s. in jungen Jahren, in Berlin damit beschäftigt; dafür hat er sich s. immer, oft, etliche Male, mehrmals eingesetzt; dort haben wir s. einmal den Urlaub verlebt;
c) /gibt an, daß ein Vorgang, Zustand zum Zeitpunkt der Rede nicht erst beginnt, sondern angefangen hat/ kommst du nun bald? Ich komme (ja) s. (bin auf dem Weg) er ist s. ungeduldig, weil er dort erwartet wird; salopp er ist s. leicht angekratzt
d) /unterstreicht, daß ein Vorgang, Zustand vor dem Zeitpunkt der Rede abgeschlossen war/ er hat s. gegessen, ist s. beim Arzt gewesen; sie hat das s. angedeutet; ich hatte s. davon gehört; ich sagte dir s., daß …; s. glaubte er, alles überstanden zu haben, als plötzlich …; ich besitze, habe das Buch s.; ist dir das s. aufgefallen?; wir kennen uns s.; ich wollte dich s. fragen, ob du mitkommst; sie wollte s. aufgeben, da gelang ihr plötzlich der Versuch; wie oft hast du diesen Film s. gesehen?;
e) /in Wunschsätzen; unterstreicht den Wunsch, einen in der Zukunft liegenden Vorgang, Zustand vorzuverlegen/ wenn er s. fort wäre!; wenn die Prüfung s. vorbei wäre!; hätte ich (doch) s. einen Plattenspieler!
f) /stellt etw. vergleichsweise in Beziehung zu etw. Ähnlichem, das vorangegangen ist/ früher (einmal): ich habe s. besseres Bier getrunken er hat s. bessere Tage gesehen (es ging ihm einmal besser als jetzt) ; sie hat s. ganz anderes vollbracht, umg. ganz andere Sachen gemacht
2. /drückt aus, daß nichts mehr hinzuzukommen braucht, damit etw. eintritt, stattfindet; häufig am Satzanfang/ s. der Gedanke daran ist mir schrecklich; s. der Name sagt alles; s. dieser herrliche Blick hat den Aufstieg gelohnt; s. ihre Stimme macht mich nervös; s. das war nicht recht, umg. war dumm von dir⌝; diese Bescheinigung genügt s.; ihr Anruf war ihm s. eine Freude; es ist mir s. ein Trost, daß wenigstens du gekommen bist; wenn ich die Prüfung überhaupt bestehe, bin ich s. zufrieden; umg. sie war s. froh, daß die Sache einigermaßen geklappt hatte; ohnehin: es ist so s. schlimm, traurig genug; diesen Auftrag konnte er nicht annehmen, er war s. überlastet; so kannst du es s. gar nicht (erst recht nicht) machen
II. /partikelhaft, ohne eigentliche Bedeutung; intensiviert und belebt den Satz; unbetont/
1. /drückt die Zuversicht, Überzeugung, Versicherung aus, daß ein Vorgang, Zustand eintreten wird; dient oft als beruhigender, beschwichtigender Zuspruch/ er kommt s., wenn er wieder Geld braucht; das schaffst du s.; ich finde sie s. (noch); er kommt s. noch zur Vernunft; wir finden s. Mittel und Wege dazu; die beiden werden sich s. einig; sie wird s. damit fertig werden; so dumm ist sie s. nicht; so schlimm wird es s. nicht; scherzh. es wird s. schief gehen; du erfährst es s. (noch) früh genug, rechtzeitig; ich rufe dich s., wenn er kommt; fahre nur vorsichtig! Ich fahre s. vorsichtig; das Essen reicht s. für alle; ich werde es dir s. zeigen!
2. umg. /in Imperativsätzen; drückt Ungeduld aus/ doch, endlich: geh s. und frage nicht so viel!; los, mach s.!; nun höre s. auf damit!; erzähl s., was los war!; salopp derb Nun halt schon die Klappe Zuckmayer Teufels General II; rede s. endlich! /wirkt ermutigend, vermittelnd/ komm s. her und nimm es!; sag s. Guten Tag; sag s., wie du heißt
3. /dient der Verstärkung/
a) umg. /in rhetorischen Fragesätzen, in Ausrufesätzen; verstärkt die Frage, den Ausruf; drückt oft Geringschätzung aus/ was sollte da s. passieren?; wem nützt das s.?; wo wird er s. sein?; wer braucht mich s.?; was hast du s. zu bieten?; wer bist du s.?; was hast du s. dabei gemacht!; Einen Wehrlosen aufzuziehen, das war schon was Rechtes Spoerl Feuerzangenbowle 107; … was wolltet ihr nur mit einem Telegrafenmast auf eurem Zimmer? Na, was schon! Die Bude heizen natürlich H. Kant Aula 262
b) umg. /in Fragesätzen; verstärkt die Frage; drückt Ungeduld aus/ gleich: wie heißt er s.?; wo wohnt er s.?;
c) /in Aussagesätzen; bekräftigt eine Aussage, gegen die ein Einwand erhoben worden ist, ein Zweifel bestanden hat/ das ist s. so; das mußt, kannst du mir s. glauben; glaub nur, das hat s. seinen Grund; das weiß, kann ich s. selbst
d) /in Bedingungssätzen; verstärkt die Bedingung/ wenn ich s. (einmal) hier bin, will ich es mir auch ansehen; wenn ich es s. mache, dann mache ich es richtig; umg. wenn s., denn s.!; ich glaube, er hat doch etwas gemerkt! Na, (und) wenn s. (das macht nichts)
4. /bezeichnet eine Einschränkung/
a) /schränkt eine zustimmende Antwort ein; meist betont/ Gefällt es dir hier? Ja, s.; macht dir diese Arbeit Spaß, hast du Lust dazu? Ja, s.; ob sie denn mitkommen wird? Ich denke, hoffe s.
b) /schränkt ein Zugeständnis, eine Übereinstimmung ein; drückt aus, daß beim Sprecher noch immer Zweifel an der Richtigkeit, Wahrheit einer Tatsache bestehen/ das kann s. so gewesen sein; es ist s. möglich, daß es so ist; ich glaube dir das s.; du kannst, wirst s. recht haben
c) /weist auf eine nachfolgende Einschränkung hin/ das ist s. wahr, stimmt s., aber …; das Essen war s. gut, aber es hätte reichlicher sein können; das s., jedoch …; das mag s. sein, nur denke ich …;
d) umg. /weist darauf hin, daß etw. nur in einem befriedigenden Grad erreicht ist, noch keine Vollständigkeit erlangt hat; drückt oft Beruhigung, Beschwichtigung aus/ s. gut, s. recht so; so ist es s. besser; jetzt geht es s.
e) /drückt eine noch immer nicht ganz vorbehaltlose Bestätigung einer vorher bezweifelten Feststellung aus/ es ist s. herrlich hier; bei so viel Glück kann man s. lachen; es ist s. gut, daß es schließlich doch noch so gekommen ist; Solche Lebenskraft war schon beneidenswert A. Zweig De Vriendt 194; sie ist s. die Beste; umg. scherzh. du bist s. ein Racker

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Zitationshilfe
„schon“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schon>, abgerufen am 01.10.2020.

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