Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

selbst, Pron.

1selbst /indekl.Pron.; stets betont; bezieht sich auf eine vorhergenannte oder bereits bekannte Person oder Sache und weist mit Nachdruck auf sie; bei Bezug auf das Subj. des Satzes steht es unmittelbar hinter ihm, oder es folgt auf das finite Verb oder ein Obj./
ich s. habe die Tür geöffnet; das müßt ihr s. tun, wissen; der Lehrer s. ist zu spät gekommen; der Professor lachte s. mit; der Kapitän wurde s. seekrank; ihr werdet s. sehen, wie groß er ist; ich habe den Kuchen s. gebacken; er fuhr den Wagen s.; wir waschen unsere Wäsche s.; sein Leben, Schicksal s. bestimmen; du wirst es s. erfahren; diese Frage kannst du (dir) s. beantworten; sich s. bemitleiden, helfen; ich werde mich s. am besten kennen; erkenne dich s.!; er kann sich stundenlang mit sich s. beschäftigen; da bist du ganz auf dich s. angewiesen; (obwohl) s. ein scharfer Kritiker, vertrug er keine Kritik an sich s.; er denkt immer zuerst an sich s.; /sprichw./ der brave Mann denkt an sich s. zuletzt; s. ist der Mann (ein tüchtiger Mensch bedarf nicht fremder Hilfe) er ist nicht mehr er s. (hat sich sehr verändert) mir ist s. nicht wohl bei der Sache; sich s. belügen, betrügen; vor Aufregung kannte er sich s. nicht mehr (war er außer sich, verlor er die Beherrschung) vor Erregung, Wut, Zorn war er seiner s. nicht (mehr) mächtig, war er nicht mehr Herr seiner s., Herr über sich s. (hatte er die Selbstbeherrschung verloren, hatte er sich nicht mehr in der Gewalt) das solltest du um deiner s. willen (in deinem eigenen Interesse) tun, lassen; er ist sich /Dat./ s. genug (kommt ohne andere aus) erst zu Hause kam ich wieder zu mir s. (konnte ich wieder einen klaren Gedanken fassen, kam ich wieder zur Ruhe und Besinnung) mit sich s. uneins sein (nicht wissen, was man tun, denken soll) über sich s. hinauswachsen (seine eigenen Leistungen übertreffen) umg. scherzh. wenn ich diese Aufgabe gelöst habe, mache ich vor mir s. einen Diener, stehe ich vor mir s. stramm (finde ich mich bewundernswert, fühle ich mich in meinem Selbstgefühl sehr gesteigert) ohne fremde Hilfe: das kann ich s. tun; unser Kind kann schon s. laufen; aus sich s., von s. aus eigenem Antrieb, ohne Anstoß von außen: das muß sich aus sich s. entwickeln; das hat er von s. getan; er muß von s. kommen, wir werden ihn nicht rufen; diese Folgerungen ergeben sich von s.; das versteht sich von s. (ist selbstverständlich) das geht wie von s. (geht mühelos, glatt, leicht) /bei Bezug auf ein anderes Satzglied als das Subj. muß es unmittelbar auf dieses Satzglied folgen/ sie überließen ihre Kinder sich s.; der Dichter legte alle wesentliche Aussage in die Worte seines Helden s.; sein Glaube an sich s. war unerschütterlich; das ist jedem s. überlassen; das tut mir s. leid, ist mir s. peinlich; er wollte den Direktor s. sprechen; wir lachten über den Onkel s., nicht über seine Witze; du weißt, was dir bevorsteht, jetzt hängt alles nur noch von dir s. ab; jmdn. um seiner s. willen lieben (jmdn. so lieben, wie er ist) das habe ich um der Sache s. willen (ohne einen Zweck damit zu verfolgen) getan der Lehrer hatte ihn auf sich s. (auf seine eigenen Kräfte und Möglichkeiten) verwiesen jmd. ist die Ruhe, Pünktlichkeit s. (in Person, ist sehr ruhig, pünktlich) das ist ein Widerspruch mit, in sich s. (das enthält einen inneren Widerspruch)

WDG, 5. Band, 1976

selbst, Adv.

2selbst /Adv./
sogar: s. der Kapitän wurde seekrank; s. das Einfachste wußte er nicht; s. wenn das Wetter noch so schön wäre, ich müßte aufbrechen; sie widerstand s. den größten Versuchungen; umg. scherzh. verhüll. ich gehe dorthin, wo s. der Kaiser zu Fuß hingeht (gehe auf die Toilette)

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Zitationshilfe
„selbst“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/selbst>, abgerufen am 30.09.2020.

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