Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

streifen

streifen, streifte, hat gestreift/ ist gestreift
1. jmdn., etw. mit einer (schnellen) Bewegung leicht, flüchtig berühren(hat:) sie streifte ihn, seinen Arm im Vorübergehen, hat ihn an der Schulter gestreift; der Fußgänger wurde von einem vorbeifahrenden Auto gestreift; d. Kugel, Schuß hat ihn nur leicht (am Oberarm) gestreift; mit dem Kleid, Ärmel die Wand s.; seine Lippen streiften nur flüchtig ihre Wange; über etw. s. über die Oberfläche von etw. streichen: er streifte zärtlich mit der Hand über ihr Haar; geh. ein Windhauch streifte sie, ihre Stirn; Seufzend in geheimer Klage / Streift der Wind das letzte Grün Storm 8,232; /bildl./ jmdn., etw. mit einem kurzen, prüfenden Blick, mit den Augen s.; ein verstohlener Blick streifte mich; geh. der Tod hatte auch sie gestreift Seghers Transit 140; /übertr./ ein Thema, das Problem s. (nur oberflächlich, nicht ausführlich behandeln) diese wichtige Frage wurde in seinem Vortrag nur gestreift (nur nebenbei erwähnt) etw. streift an etw. etw. grenzt an etw., kommt einer Sache fast gleich: etw. streift ans Lächerliche, Phantastische; seine Ordnungsliebe streift schon an Pedanterie;
2. etw. (lose Sitzendes) von etw. entfernen, indem man (mit der Hand) an etw. entlang-, über etw. hinfährt(hat:) Beeren, Blätter von den Stielen, Perlen von der Schnur s.; sie streift mit dem Ärmel den Reif vom Geländer; er hat die Asche von der Zigarre gestreift; Als Olafur sich niederhockte … streifte ihm der Kotflügel die Mütze vom Kopf Hausm. Abschied 180
3. jmdm., sich etw. so aus- oder anziehen, daß es dabei den betreffenden Körperteil der Länge nach berührt(hat)
a) etw. von etw. abstreifen: die Handschuhe von der Hand, den nassen Badeanzug vom Körper, die Schuhe von den Füßen s. sie hat (sich /Dat./) das Kleid von den Schultern, die Kappe vom Kopf gestreift; einen Ring vom Finger s. (abziehen) Jägerspr. einen Hasen, Fuchs s. (ihm das Fell abziehen, ihn abbalgen)
b) etw. auf, über etw. ziehen, überstreifen: das Hemd über den Kopf, den Handschuh über die Hand s. er hat ihr, sich /Dat./ den Ring auf den Finger gestreift
c) etw. in die Höhe s. etw. nach oben schieben, hochkrempeln: sie hat sich /Dat./, dem Kind die Ärmel in die Höhe gestreift
4. sich ohne ein bestimmtes Ziel durch ein Gebiet vorwärtsbewegen(ist)
a) eine Gegend kreuz und quer durchwandern, -fahren: durch d. Wälder, Straßen, Stadt, durch das ganze Land s.; er ist schon durch die halbe Welt gestreift; der Kater streift nachts über die Dächer;
b) (militärische) Streifzüge unternehmen, auf Streife gehen, sein: Soldaten, Reiterscharen streiften durchs Land, in der Gegend, über die Grenzen; die Kaiserlichen … streiften bis Neiße Droysen York v. Wartenburg 1,21; streifende Soldaten;

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