Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

und, Konj.

und /Konj.; verbindet meist syntaktisch gleichartige Glieder/
I. /verbindet einzelne Wörter zu einem Satzglied/
1. /in Aufzählungen/ du u. ich; Bruder u. Schwester; Mutter u. Kind; Vater u. Sohn; Herr u. Frau Müller; mein Kollege u. dessen Frau; Goethe u. Schiller; Dänemark u. Schweden; /bei mehrgliedrigen Aufzählungen steht und meist vor dem letzten Glied/ Männer, Frauen u. Kinder; Edelweiß, Alpenveilchen u. Rhododendron; /fügt den umfassenden Gattungsbegriff an das Vorhergesagte an/ Äpfel, Birnen u. anderes Obst; unsere Kinder u. viele andere; u. andere(s) /Abk.: u. a./; u. viel anderes; u. anderes mehr /Abk.: u. a. m./; u. ähnliches /Abk.: u. ä./; u. dergleichen, desgleichen (mehr) /Abk.: u. dgl., desgl. (m.)/; Freundschaft, Hilfe u. so weiter /Abk.: usw./; u. so fort /Abk.: usf./ /in den Namen privater Firmen; Abk.: &/ Meyer u. Sohn; Schulze u. Nachfolger; Müller u. Co.;
2. /bezeichnet als verbindendes Wort zwischen denselben Wörtern eine Verstärkung, Steigerung, Intensivierung/ wir sahen vor uns nur Wasser u. Wasser (überall Wasser, nichts als Wasser) wohin ich auch blickte, mich umgaben nur Menschen u. Menschen; der Bau wurde hoch u. höher (immer höher) die Maschine lief schneller u. schneller (immer schneller) er war mehr u. mehr gealtert; steiler und steiler wurde der Weg; die Gefahr rückte näher u. näher; /drückt bei wiederholtem Verb eine kontinuierliche, lange fortdauernde, ununterbrochene Handlung aus/ er blickte nicht auf, sondern las u. las; er überlegte u. überlegte, aber das Wort fiel ihm nicht ein; er redete u. redete u. redete; es regnete u. regnete; er will u. will es nicht begreifen; /in Wortpaaren, in festen Verbindungen/ diese Worte gingen mir durch u. durch (berührten mich zutiefst) das Mädchen wurde über u. über (sehr) rot vor Verlegenheit er hat beim Suchen alles um u. um (das Unterste zuoberst) gewendet wir haben unsere Wohnung nach u. nach (allmählich) eingerichtet umg. sie hat das alles für nichts u. wieder nichts (für umsonst) getan
3. /in Wortpaaren/
a) /zwei Merkmale bei ein und derselben Person, Sache vereinigend/ zugleich: sein Herr u. Meister; der Philosoph und Theologe Schleiermacher W. Rudolph Rügen 55; unser Gruppenältester u. aktivster Sportler; ein u. derselbe; Herren- u. Damenschneider; Lehr- u. Ausbildungsstätte;
b) /Gegensätzliches umfassend; in festen Wendungen/ der Motor läuft Tag u. Nacht (dauernd) Tag u. Nacht arbeiten; jung u. alt (jedermann) von Freund u. Feind geachtet; groß u. klein war auf den Beinen; hier u. da, hier u. dort, da u. dort blühten Blumen; ab u. zu; kreuz u. quer fahren; umg. zusammen durch dick u. dünn gehen
c) /als verbindendes Wort zwischen zwei Kard.-zahlen/ sie gingen zwei u. zwei (je zwei Personen nebeneinander) je drei u. drei (in Gruppen zu je drei Personen) sie betraten das Zimmer immer zehn u. zehn; /in Wiederholungen, die auf etwas bestimmtes Vorhergesagtes verweisen, was in diesem Zusammenhang nicht nochmals genauer bezeichnet zu werden braucht/ er sagte, es sei so u. so gewesen; es wurde erzählt, der u. der, die u. die habe an der Feier teilgenommen
d) /in festen Wendungen/ etw. geht jmdm. durch Mark u. Bein; etw. in- u. auswendig (gründlich) kennen salopp jmdn. nach Strich u. Faden betrügen; kurz u. gut (mit einem Wort) /in alliterierenden Wortpaaren/ Haus u. Hof; Land u. Leute; umg. bei Wind u. Wetter; bei Nacht u. Nebel (heimlich) fliehen über Stock u. Stein laufen; mit Kind u. Kegel verreisen; das Schiff ging mit Mann u. Maus unter; ganz u. gar (vollständig) das ist mein Vater, wie er leibt u. lebt; /durch den Reim gebunden/ umg. Stein u. Bein schwören; mit Sack u. Pack (mit aller Habe) salopp mit Ach u. Krach, mit Hangen u. Bangen; umg. recht u. schlecht; seit eh u. je (seit jeher)
4. /drückt die (enge) Beziehung einer Person zu einer Sache, zu jmdm. aus/ die Studenten u. die Wissenschaft; Bach u. seine Zeit; Luther u. der Bauernkrieg; Marx u. die Hegelianer; die wissenschaftlich-technische Revolution u. wir
5. umg. /drückt aus, daß eine Zahl mit einer anderen addiert werden soll/ zugezählt zu, addiert mit, plus: 3 u. 3 ist 6;
II. /verbindet Sätze, Gliedsätze, Satzteile als Satzglieder/
1. /bezeichnet eine Anknüpfung an Vorhergesagtes/
a) die Sonne strahlt, u. die Kastanien blühen; In der Luft torkelten die welken … Buchenblätter, und Möwen tobten schreiend um die Seebrücke W. Rudolph Rügen 30; Aber er hat kein Geld, und woher kriegt er auf die Schnelle was? Fallada Jeder stirbt 24; /als Anschluß an die direkte Rede/ Langsam und hartnäckig antwortet Quangel: … Da sitzt gleich einer von denen! Und er zeigt mit dem großen, starren Zeigefinger ganz unverhohlen auf den Tischler Dollfuß Fallada Jeder stirbt 55; veralt. Kaufm. /mit Inversion/ wir danken Ihnen dafür u. schicken wir es Ihnen umgehend zurück; Wissensch. hinreichende u. / oder notwendige Bedingungen
b) /als Satzanfang an eine vorhergenannte Situation anknüpfend/ u. so kam es, daß …; u. was soll ich jetzt tun?; /einleitend in Gedichten, Liedern/ Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, / Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben Hofmannsth. Gedichte 17; Und sagte kein einziges Wort Böll /Buchtitel/; /leitet kommentierend eine Erläuterung des vorhergehenden Satzes ein/ er hatte die Arbeit abgeschlossen. Und das war keine Kleinigkeit; Sie war zudem eifersüchtig, das sprach aus jedem ihrer Worte. Und Eifersucht ist Liebe, das weiß jeder Remarque Schwarzer Obeslisk 93; zwei Aufgaben sind zu erledigen, u. zwar sind sie in kurzer Zeit zu bewältigen; Staub soll er fressen, und mit Lust Goethe Faust I 334; /leitet eine Bestätigung des vorhergehenden Satzes ein/ ich fühle mich krank, u. ich bin es auch; man glaubte, er habe Schuld, u. das bestätigte sich auch; wir hielten ihn für einen Trinker, u. das war auch so
c) /leitet Gliedsätze ein/
α) /leitet einen konzessiven Gliedsatz ein/ man muß es versuchen, u. wäre es noch so schwierig; Du mußt! du mußt! und kostet' es mein Leben! Goethe Faust I 481; er will es durchsetzen, u. wenn alle dagegen sind; ich gehe jetzt, u. wenn es noch so regnet; Das wußten wir damals noch nicht. Und selbst wenn wir es gewußt hätten! Seghers 4,7 (Siebtes Kreuz) ; wir setzten alle Kraft ein, u. wenn wir auch wußten, daß es erfolglos war, taten wir es doch; umg. /elliptisch; als begütigende, einräumende Antwort auf eine Entscheidungsfrage/ u. wenn schon!, u. wenn auch! selbst wenn es der Fall wäre, schadet es nichts, tut es doch nichts!: hat er etwas versehen? nein, u. wenn schon!
β) /leitet einen konditionalen Gliedsatz ein/ mich reizt deine schöne Gestalt, / Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt Goethe Erlkönig; Und fragst du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr Chamisso Riesenspielzeug
d) /leitet einen Objektsatz ein, der als ein durch und angefügter Aussage- oder Befehlssatz eine Infinitivkonstruktion mit zu oder einen mit daß eingeleiteten Gliedsatz ersetzen kann/
α) /statt eines Infinitivs mit zu / er ist imstande u. betrügt seine Kollegen (er ist imstande, seine Kollegen zu betrügen) untersteh dich, wag es u. widersprich mir!; tu mir den Gefallen u. schreibe bald; er kam auf die kluge Idee u. meinte …; /nach Fügungen mit hinweisendem so + Adj. oder Adv. / sei so freundlich, so gut u. gib mir das Buch (bitte gib mir das Buch)! gespreizt ich bin so frei u. nehme mir etwas; sie waren so unverschämt u. nahmen alles mit; warum bist du auch so dumm u. erzählst alles; er wird nicht so dreist sein u. lügen; ich hätte nicht so viel Geistesgegenwart gehabt u. alles sofort geprüft
β) /statt eines mit daß eingeleiteten Gliedsatzes / es fehlte nicht viel, u. das Kind wäre aus dem Fenster gefallen (es fehlte nicht viel daran, daß das Kind aus dem Fenster gefallen wäre)
2. /mit zeitl. Nebensinn/
a) /bei Gleichzeitigkeit der Vorgänge/ der Vater liest, u. die Kinder spielen; ich hörte Musik, u. meine Freundin blätterte in einem Buch; sie sind vergnügt u. tanzen u. singen; er saß da u. sagte kein Wort;
b) /bei unmittelbarer Aufeinanderfolge der Vorgänge/ das Mittelalter ging zu Ende, u. die Neuzeit brach an; morgen reist meine Schwester ab, u. mein Bruder kommt; der Motor hörte auf zu brummen, u. das Schiff glitt dem Landesteg entgegen; es gellte ein Pfiff, u. der Zug setzte sich in Bewegung; wir stiegen ein u. fuhren zum Bahnhof; ich kam, u. schon ertönte Musik; /mit folgender temporaler Konjunktion/ ich wartete eine Weile, u. als er nicht kam, bin ich gegangen; er war längere Zeit krank gewesen, u. als ich ihn sah, erschrak ich
3. /mit konsekutivem Nebensinn; als Folge des vorhergehenden Hauptsatzes/ es ging ihm besser, u. er konnte wieder arbeiten; es regnete stark, u. die Wege waren unpassierbar; /sprichw./ man merkt die Absicht, u. man wird verstimmt; die Behörden legten dagegen Einspruch ein, und aus dem Projekt wurde nichts W. Rudolph Rügen 53; /mit verstärkendem so, das die Folge betont / sie war nicht zu Hause, u. so konnten wir unser Anliegen nicht vorbringen; /elliptisch/ ein Hagel, u. die Ernte ist vernichtet; noch drei Schnäpse, u. er plaudert alle Geheimnisse aus; /Befehlssatz + und + Hauptsatz im Präs. oder Futur; sprichw./ lerne, dich mit wenigem zu begnügen, u. du wirst glücklich sein; sage mir, mit wem du umgehst, u. ich will dir sagen, wer du bist
4. /mit adversativem Nebensinn als Gegensatz/
a) /zum vorhergehenden Satz/ ihr vergnügt euch, u. ich muß arbeiten; alle verlassen das Zimmer, u. ich soll bleiben?; er versuchte es oft, u. es mißlang immer wieder; er bot ihr die Gelegenheit, offen zu reden, u. sie schwieg; er hat die besten Möglichkeiten zu arbeiten, u. er nützt sie nicht; Es war mir ganz unfaßlich, daß er so dasitzen und frühstücken konnte, und sein Klient wurde zum Tode verurteilt Rinser Mitte 238; er weiß die Wahrheit u. sagt sie nicht; umg. scherzh. woher nehmen u. nicht stehlen (das besitze ich leider nicht) /mit verstärkendem Adv./ du bist still, u. sonst bist du so lustig; man kann es kaum glauben, u. doch ist es so
b) umg. /elliptisch; als unvereinbar erscheinender Gegensatz zweier Satzglieder/ du u. stören (du störst keinesfalls)! spött. du u. früh aufstehen!; er u. das Rauchen abgewöhnen!; er u. ein guter Tänzer!
5. umg. /leitet eine elliptische Entgegnung ein/
a) /fordert den Gesprächspartner auf, Näheres zu sagen/ Die Männer schwammen durch den Fluß. Und die Frauen? (was taten die Frauen?) ; viele Menschen versammelten sich. Und? (was taten sie dann, was geschah dann?)
b) umg. spött. /bezeichnet eine herausfordernde Haltung des Gesprächspartners/ (na) u.? was ist dabei?, das ist nichts Besonderes: Er ist den ganzen Tag spazierengegangen. Na u.? Ist das etwa verboten?; Arzt: Was erlauben Sie sich? Ich bin Arzt! Lastwagenfahrer: Na und? Hat es noch nie einen Arzt gegeben, der zum Mörder wurde S. Lenz Zeit 63
6. salopp /in einer elliptischen positiven Antwort auf eine Entscheidungsfrage/ u. ob!, u. wie! selbstverständlich!, ja, sehr!, aber natürlich!: Hat dir das Stück gefallen? Und wie!; Kennen Sie das Buch? Und ob!; Hat sie es geschafft? Und ob!
7. umg. /dient zur besonderen Hervorhebung eines folgenden Satzteils/ außerdem, dazu: die U-Bahn war überfüllt, u. dann die Luft!; ich konnte nicht kommen, weil ich müde war, u. dann hatte ich auch keine Zeit; Wo bleibt denn da die Dankbarkeit? Und überhaupt – hast du alles vergessen? I. Seidel Tor 299; er liebte diese Stadt, u. vor allem begeisterten ihn die historischen Bauwerke /fügt an einen vorhergehenden Hauptsatz ein nachgestelltes Satzglied als Nachtrag hinzu/ ihre Augen gefallen mir sehr u. ihr charmantes Lächeln; seine Gewissenhaftigkeit schätze ich u. seine Ehrlichkeit; ich möchte dich wieder gesund sehen u. glücklich; mit Liebe denke ich an dich u. mit großer Sehnsucht; /auch elliptisch/ u. Beeilung, bitte!; Schultern hatte das Mädchen, Schultern! Und Beine! Weiskopf 4,16 (Lissy)

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Zitationshilfe
„und“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/und>, abgerufen am 02.12.2020.

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