Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

wagen, Vb.

wagen /Vb.,
vgl. gewagt / etw. mutig, die Gefahr nicht scheuend, tun, etw. riskieren
a) einen Angriff w.; wir müssen es w.; er wagte es, ihm zu widersprechen; sie hatten nicht gewagt zu stören; er wagte kein Wort zu sagen; e. Bitte, Versuch w.; er wagte den kühnen Sprung; umg. scherzh. dann wagten auch die Alten mal wieder ein Tänzchen Bredel Väter 402 eine gewagte (kühne) Behauptung sich irgendwohin w. sich mutig, die Gefahr nicht scheuend, irgendwohin begeben: sich auf die Straße, aus dem Hause w.; /bildl./ sich auf ein unbekanntes Gebiet w.; er wagte sich an die schwierige Aufgabe; umg. sich in die Höhle des Löwen w. (beherzt, unerschrocken eine gefürchtete Person aufsuchen) /sprichw./ erst wägen, dann w. (erst überlegen, dann handeln)
b) etw. selbst auf die Gefahr des Verlustes hin daransetzen, um den Ausgang eines Unternehmens für sich zu entscheiden: er hat dabei viel, alles gewagt; einen hohen Einsatz w.; der Retter hat sein Leben für das Kind gewagt; es ist sehr gewagt (leichtsinnig), so schnell zu fahren eine gewagte Operation; ein gewagtes Spiel spielen; /bildl./ seinen Hals, Kopf w. (sein Leben aufs Spiel setzen) /sprichw./ wer wagt, gewinnt; frisch gewagt ist halb gewonnen (wer kühn wagt, hat schon fast sein Ziel erreicht)

WDG, 6. Band, 1977

wägen

wägen, wog/ wägte, hat gewogen
1. /wog, wägte/ geh. etw. sorgsam hinsichtlich seiner Bedeutung, seines Wertes vergleichend prüfen, etw. abwägen: jmds. Verdienste w.; Und wie er die Worte wägte Welk Hoher Befehl 294; das Für und Wider w.; mit kalter Hitze wurde Grund und Gegengrund gewogen Feuchtw. Narrenweisheit 360 man soll die Stimmen w. und nicht zählen (man soll sie nach ihrem Wert messen) /sprichw./ erst w., dann wagen (erst überlegen, dann handeln)
2. /wog/ österr. /im übrigen Sprachgebiet fachspr./ das Gewicht von etw. mit der Waage bestimmen, etw. wiegen: Substanzen, die er [der Radiochemiker] nicht sehen und nicht wägen … kann Wissensch. u. Fortschr. 1956
3. geh. veraltend das Gewicht (und die Güte) von etw. dadurch, daß man es in die Hand nimmt, schätzen: einen Brief, Edelstein in der Hand w.; er mußte offenbar gewohnt sein … die Münzen zwischen den Fingern zu wägen St. Zweig Novellen 2,306

WDG, 6. Band, 1977

Wagen, der

Wagen, der; -s, -/ süddt. österr. auch Wägen /Verkl.: Wägelchen, Wäglein/
1. auf Rädern laufendes, zum Transport von Personen und Lasten verwendetes Fahrzeug: ein neuer, großer, ausgedienter W.; der W. läuft, rollt, steht
a) das durch Menschenhand bewegt wird: Holz, Kohlen mit einem W. (Handwagen) holen einen W. (Kinderwagen) schieben der Kellner brachte die Speisen auf einem kleinen W. (Servierwagen)
b) das von Tieren, bes. Pferden, gezogen wird und mit einer Deichsel versehen ist, Kasten-, Leiterwagen: ein zwei-, vierrädriger, zweispänniger, klappriger W.; die Deichsel des Wagens; der W. rasselt über das Pflaster; zwei Pferde zogen den W.; auf den W. steigen; oben auf dem W. sitzen; mit den leichten Wägen über die Heide fahrend Stifter 2,54
c) das mit Motorkraft betrieben und durch ein Steuerrad gelenkt wird, Kraftwagen: ein schnittiger, rassiger, fabrikneuer, schwerer, gebrauchter W.; d. Motor, Karosserie des Wagens; der W. ist gut gefedert; umg. sein W. schafft 150 Kilometer in der Stunde; dieser W. liegt gut auf der Straße (hat eine gute Straßenlage) der W. springt an, geht in die Kurve, wendet, stoppt; einen W. steuern, bremsen, tanken, parken, in der Garage einstellen; Sie kommen angerast mit ihren schnellen, heulenden Wagen Aufbau 1957
d) das überdacht ist, von einer Lokomotive, einem Triebwagen gezogen wird und auf Schienen läuft: ein Zug mit zehn W. (Eisenbahnwagen) die Abteile der W.; ein vierachsiger, doppelstöckiger W. der Deutschen Reichsbahn; einen W. anhängen, abkuppeln, rangieren; auf den fahrenden W. aufspringen; ein W. (Straßenbahnwagen) der Linie 5 der vordere, letzte W.; die Zahlboxen der W.;
e) /übertr./ umg. jmd. ist das fünfte Rad am W. (ist überflüssig) salopp Dann möchte ich den sehen, der uns hier an den Wagen fahren will (der uns etw. Schlechtes nachweisen, der uns schaden will) Welk Morgennebel 645; wir werden sehen, wie der W. läuft (wie sich die Sache entwickelt)
2. fachspr. der W. der Schreibmaschine (hin und her bewegbarer Teil der Schreibmaschine, der das Papier führt)
3. Astron. /Sternbild/ der Große, Kleine W.

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Wortfügung
Zitationshilfe
„Wagen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Wagen>.

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