Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

wälzen, Vb.

wälzen /Vb./
1. etw. Großes, Schweres, jmdn. um seine eigene Achse drehend irgendwohin bewegen: einen Stein zur Seite, Fässer in den Keller w.; er wälzte den Mann, Verletzten auf den Bauch, Rücken /übertr./ jmd. wälzt sich /Dat./ seinen Kummer vom Herzen (erzählt jmdm. von seinem Kummer) damit ist mir eine Last vom Herzen gewälzt; auf jmdn. alle Schuld, Verantwortung, Arbeit w. (schieben, abwälzen) sich irgendwohin w. sich schwerfällig (irgendwohin) bewegen: Zu Hause wälzte ich mich mit den Kleidern ins Bett Becher 4,332 (Abschied) ; die Menge wälzte sich durch die Straßen, ins Freie; eine Schneelawine wälzt sich ins Tal; Die Tür zum Offizierszimmer war aufgesprungen. Qualm wälzte sich in den Saal Strittmatter Wundertäter 445; auf den Berggipfeln wälzte sich der Nebel; Haushoch wälzten sich die Wellen und warfen das Schiff wie eine Nußschale umher Roda Roda Cicerone 344
2. etw. in etw. w. etw. drehend in etw. hin- und herbewegen, umwenden und seine Oberfläche dadurch mit einer Schicht versehen: die Bratwurst in Mehl, die Koteletts, Heringsfilets, Klößchen in geriebener Semmel, Paniermehl w.;
3. sich w. sich liegend ruckartig hin- und herbewegen, wenden: die beiden Kämpfenden wälzten sich am Boden; das angeschossene Tier wälzte sich an der Erde; die Kinder wälzten sich vor Vergnügen, Übermut im Gras, Schnee; der Verletzte wälzte sich vor Schmerz; jmd. wälzt sich unruhig, stöhnend, von schweren Träumen geplagt, auf seinem Lager; [sie fand den Schlaf nicht] Sie wälzte sich im Bett Zahn Die da kommen 64; /bildl./ umg. übertrieben ich könnte mich w. vor Lachen, Vergnügen
4. umg. Bücher w. in (dicken) Büchern nachschlagen, einige zusammenhängende Stellen in Büchern lesen, studieren: beim Ausarbeiten des Vortrags, der Vorlesung, für das Verfassen des Artikels mußte er viele Bücher, Nachschlagewerke w.; Bald nach Neujahr wälzte man Reiseführer und Kursbücher Winterstein Leben 2,297 Probleme, Pläne w. sich mit Problemen, Plänen gründlich auseinandersetzen, um Klarheit darüber zu erlangen: einen Gedanken w.; [ich] wälzte in meinem Kopf die Frage, was ich antworten sollte, wenn man einen Ausweis von mir forderte Durieux Tür 281

WDG, 6. Band, 1977

walzen, Vb.

1walzen /Vb./
1. Metall rotierende, pressende Walzen durchlaufen lassen und so in die gewünschte Form bringen: Eisen, Stahl w.; der Betrieb hat sich die Aufgabe gestellt, 400 Blöcke Stahl zusätzlich zu w.; dünn gewalztes Aluminium;
2. mit der Walze den Boden, Untergrund bearbeiten, glätten: d. Acker, Feld w.; den Boden für die Saat w.; eine Straße w.; ein gewalzter Kiesplatz;

WDG, 6. Band, 1977

walzen

2walzen, walzte, ist gewalzt
1. umg. veraltend wandern: der berühmte Vagabund, der eben durch Mössel walzte Penzoldt Powenzbande 89; schlendern: die Familien walzen über die Alleen Weisenb. Mädchen 32; Aber auf dem nächsten Bahnsteig walzt es [das Reisevolk] um so dichter F. Hartlaub Von unten gesehen 144
2. umg. Walzer tanzen /meist in der Wendung/ durch einen Raum w. Walzer tanzend einen Raum durchqueren: die beiden sind allein durch den Saal gewalzt;

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Wortfügung
Zitationshilfe
„walzen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/walzen>.

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