Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

walten

walten, waltete, hat gewaltet
1. geh. veraltend Herrschaft ausüben, Macht haben: Der Name des Barons Wisnietzky … rief ihm lebendig das politische Walten Se. Erlaucht vor Augen Musil Mann 829; Der felsige Boden war dennoch angebaut, so weit Frankreich waltete H. Mann Zeitalter 269; /bildl./ geh. hier w. (herrschen) andere Gesetze /oft im subst. Inf./ das Walten der Natur; Stummergeben mußten wir uns der Gewalt der Elemente überlassen, ohnmächtig, in ihr Walten einzugreifen Roda Roda Cicerone 266; geh. veraltend nach eigenem Belieben im Hause, Haushalt auf positive Weise tätig sein: Das Zimmer erschien mir wie eine Art Heiligtum, darin … die Großmutter waltete Becher 4,143 (Abschied) ; sie wird auch in den darunter gelegenen Gesellschaftsräumen walten als Dame des Hauses Th. Mann 7,624 (Lotte) ; geh. oft scherzh. seines Amtes w. seine (dienstliche) Pflicht tun, seine Aufgaben erledigen: walte deines Amtes und deck den Tisch!; Der Arzt und der Kaplan walten [im Krankenzimmer] ihres Amtes Werfel Bernadette 607; /verstärkend meist in der festen Verbindung/ schalten und w. mit voller Verfügungsgewalt tätig sein, über etw. gebieten: in der Küche, im Garten, in seiner eigenen Wohnung schalten und w. (dürfen), wie es einem gefällt; nach eigenem Willen, nach Herzenslust schalten und w.; jmdn. schalten und w. lassen, wie es ihm beliebt;
2. geh. etw. waltet etw. ist deutlich wahrnehmbar, ist das bestimmende Charakteristikum: hier waltet Stille, Schweigen, Heiterkeit; in ihm waltete eine stille Hoffnung, Sehnsucht; Friede waltet überall; hier hat offenbar Vernunft gewaltet; Fortan sollte Schonung walten, Versöhnung, Brüderlichkeit H. Mann 12,29 etw. w. lassen so handeln, daß etw. deutlich wahrnehmbar wird, sich auswirken kann: in der Erziehung Liebe w. lassen; auf allen Gebieten Gerechtigkeit w. lassen; Milde, Gnade w. lassen (nachsichtig sein) Vorsicht w. lassen (vorsichtig sein) Rücksicht w. lassen (rücksichtsvoll sein)

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Zitationshilfe
„walten“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/walten>, abgerufen am 07.08.2020.

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