Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

wieder, Adv.

wieder /Adv./
1. /drückt aus, daß etw. (nach einem gewissen Zeitraum) erneut geschieht, ein früherer Zustand, Tatbestand von neuem besteht/
a) er ist w. da; ich bin gleich w. hier; da bin ich w.; ich hoffe, bis dahin w. gesund zu sein; werde bald w. gesund!; wann kommst du w. ( umg. mal⌝) nach B?; abermals, noch einmal, ein zweites Mal: ein so teures Geschenk sollst du mir nicht w. schenken; so jung kommen wir nicht w. zusammen; er klopfte, und da niemand zu hören schien, klopfte er w.; der Antrag wurde auf der 2. Sitzung w. abgelehnt; das darfst du nie w. tun; einmal und nie w. (habe ich dir beigestanden)
b) /drückt Erstaunen, Mißfallen aus/ auch dieses Mal (wie schon öfter): w. ist eine Woche vergangen; fang doch nicht w. damit an!; umg. abwertend wie du w. aussiehst!; was hat denn das Kind da w. angestellt?; salopp wie du w. geschmiert hast!; w. hatte er Glück, daß er nicht ertappt worden ist; /dient in Verbindung mit vorangestelltem und zwischen denselben Wörtern zur Verstärkung/ diese zarten Pflanzen muß man pflegen und w. pflegen; er braucht Geld und w. Geld; nein und w. nein!; w. und w., immer w. immer noch einmal: er überlegte w. und w., was er tun sollte; w. und w. las er die Mitteilung und konnte sie nicht fassen; w. und (immer) w. rief er an; etw. immer w. üben, ausprobieren, versuchen; was man immer w. hört, behält man endlich; w. einmal: sieht man dich w. einmal?; damit hast du w. einmal das Richtige getroffen; schon w.: er hatte gestern schon w. einen Anfall; /drückt oft den Unwillen des Sprechers aus/ seid ihr schon w. da?; umg. was gibt's schon w.?; was willst du denn schon w.?; da kommt er ja schon w.; um, für, wegen nichts und w. nichts um, für, wegen gar nichts: um nichts und w. nichts streiten, sich sorgen, ein Kind bestrafen; er hat das für nichts und w. nichts (umsonst) getan; wegen nichts und w. nichts hat das Kind geweint; hin und w. manchmal, zuweilen: hin und w. treffen wir uns, kommt er uns besuchen; hin und w. muß das erneuert werden;
c) /drückt eine durch Wiederholung einer ähnlichen Handlung, eines ähnlichen Tatbestandes bedingte Übereinstimmung aus/ auch, ebenfalls: sie hatte vier Kinder, die alle w. vier Kinder hatten; man versuchte eine neue Therapie, die w. ohne Erfolg blieb; /drückt eine Reaktion auf eine vorausgehende gleiche Handlung aus/ das Mädchen gefiel ihm, und er wollte ihr w. gefallen; sie lachte ihn an, und er hat sie w. angelacht; er hat ihr geschrieben, und sie hat ihm w. geantwortet; er half ihr, und sie war ihm w. gefällig
d) /drückt eine Rückkehr aus/ zurück: nun ging er w. in das Haus, aus dem er eben gekommen war; er legte das Buch w. an die richtige Stelle; der Taucher kommt w. an die Oberfläche; ich möchte w. in die Stadt, in der ich so viele Jahre gelebt habe;
2. /kann ausdrücken, daß nicht durch eine erneute, sondern durch eine erstmalige Handlung eine Veränderung zu einem früher bestehenden, nicht besonders ausgesprochenen Zustand herbeigeführt wird/ hebe den Ball w. auf!; gehst du schon w. weg, du bist doch eben erst gekommen?; es wird schon w. werden; er wollte das alles bei ihm w. gutmachen; er wurde w. in Gnaden aufgenommen; Bruno mußte erst einen Augenblick warten, bis das Herzklopfen wieder nachließ Schnurre Rechnung 11
3. /leitet von einer Handlung, einem Tatbestand zu einer anderen Handlung, einem anderen Tatbestand weiter/ er hatte das Problem schon als gelöst betrachtet, doch unter diesem neuen Aspekt war es w. sehr interessant, darüber zu schreiben; man muß alle Fakten zur Beurteilung dieses Falles kennen, aber es ist w. schwierig, sie zu erfahren; er hatte in seiner Arbeit etw. Wichtiges herausgefunden, und das gab w. der ganzen Forschung auf diesem Gebiet einen neuen Aspekt;
4. /im Übergang zur Konj.; setzt verschiedene (übereinstimmende) Handlungen, Tatbestände miteinander in Beziehung/ er half ihr, und sie w. (ihrerseits) half ihm er wieder (seinerseits) weiß, daß ich in geistigen Dingen keine Relativität zulasse Kraus Sprache 45; /drückt einen Gegensatz, Unterschied aus/ dagegen, im Gegensatz dazu: einmal laut, dann w. flüsternd; wie die tapfer gewesen war, ja frech, und dann wieder voll von unverständlicher Angst Feuchtw. Simone 163; anders betrachtet, andererseits: ich möchte daran teilnehmen und möchte es auch w. nicht; das Fahrrad gehört mir und gehört mir auch w. nicht; man kann das Problem als gelöst ansehen und auch w. nicht;

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„wieder“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/wieder>, abgerufen am 18.09.2021.

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