Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wedeln

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung we-deln
Wortbildung  mit ›wedeln‹ als Erstglied: Wedelkurs · Wedelkursus  ·  mit ›wedeln‹ als Letztglied: abwedeln · anwedeln · auswedeln · herumwedeln · schweifwedeln · umwedeln
 ·  formal verwandt mit: schwanzwedelnd
eWDG

Bedeutungen

1.
mit etw. wedelnetw. Leichtes rasch hin- und herbewegen, wobei Luft in Schwingung versetzt wird
Beispiele:
der Hund wedelte mit dem Schwanz
der Hund sprang wedelnd an ihm hoch
sie stand, mit dem Brief wedelnd, in der Tür
sie wedelte mit einem Blatt Papier, um den Rauch zu vertreiben
Sie schrien: »Vivat« und »Lebe hoch« und wedelten mit ihren Tüchern und Hüten [ MoloEin Deutscher61]
Es ist heiß, und die Leute … wedeln mit den Taschentüchern [ SchallückWenn man aufhören könnte5]
etw. (mit etw.) von etw. wedeln
Beispiel:
er wedelte (mit der Serviette) die Krümel vom Tisch (= entfernte durch rasches Hin- und Herbewegen der Serviette die Krümel vom Tisch)
etw. wedeltetw. Leichtes bewegt sich rasch hin und her, wobei Luft in Schwingung versetzt wird
Beispiele:
die Wäsche wedelte auf der Leine
Endlich sah ich, daß sein Ringelschwanz zu wedeln begann [ BuckowitzÜberraschungen25]
auf den Firsten … wedelten braune Kräuter, Stengel [ A. ZweigGrischa300]
2.
Skisport bei der Abfahrt die Schier rasch aufeinanderfolgend parallel von einer Seite zur anderen schwingen
3.
abwertend sich unterwürfig, kriecherisch, liebedienerisch verhalten
Beispiel:
Wer heut' mit Arbeit rechnen will … der muß schon gut wedeln können [ MarchwitzaHeimkehr288]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wedel · wedeln
Wedel m. ‘Quaste, Büschel, Schwanz’, ahd. wadal (um 800), wedil (10. Jh.) ‘Fächer, Wedel, Mondwechsel’, mhd. wadel, wedel ‘Büschelartiges zum Hinundherbewegen, Pinsel, (Feder-, Laub-, Haar-, Reisig)büschel, buschiges Schwanzende, Mondwechsel, -phase’ (germ. *waþila-) sowie ahd. wadal ‘schweifend, unstet, arm’ (8. Jh.), mhd. wadel ‘schweifend, unstet’, aengl. waþol ‘Mond’ (eigentlich ‘herumstreifend’) und ahd. wāla (aus *wēþla-) ‘Fächer, Blasebalg, das Wehen’ (um 1000), mhd. wāle ‘Fächer’ sind mit dem Suffix ie. -tlo-, germ. -þla- zu der unter wehen (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’ gebildet. Verwandt sind außerdem anord. vēli (aus germ. *waþila-) ‘Vogelschwanz’, lit. vė́tra ‘Sturm(wind), Unwetter’, vė́tyti ‘worfeln, etw. schwingen’, aslaw. větrъ, russ. véter (ветер) ‘Wind’ und das unter wallen2 (s. d.) behandelte Verb. Für Wedel ist von einer Bedeutung ‘Wehendes, sich hin und her Bewegendes’ auszugehen. Als Bezeichnung für das ‘buschige Schwanzende’ steht mhd. wadel, wedel zunächst unterscheidend neben mhd. zagel ‘Schwanz’ (s. Zagel); im 15. Jh. wird dieser Unterschied aufgegeben, Wedel, Wadel verdrängt das ältere Zagel und wird im 16. Jh. in südd. Sprache vorherrschend. Vom 17. Jh. an gilt in der Literatursprache allgemein vom Omd. ausgehendes Schwanz (s. d.). Nur obd. Mundarten und die Jägersprache bewahren Wedel ‘Schwanz’. wedeln Vb. ‘(den Schwanz) hin und her bewegen’, mhd. wadelen, wedelen ‘schweifen, schwanken, flattern, fließen’, ahd. wadalōn ‘umherschweifen’ (9. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
wackeln (mit) · wedeln
Assoziationen
Synonymgruppe
baumeln · hin- und herpendeln · hin- und herschwingen · hin- und herwedeln · pendeln · schwingen · wedeln

Typische Verbindungen zu ›wedeln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wedeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›wedeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wedelte mit den leeren Ärmelenden wie ein chinesischer Schauspieler, klassischer Stil. [Morgner, Irmtraud: Rumba auf einen Herbst, Hamburg u. a.: Luchterhand 1992 [1965], S. 20]
Ich wedele mit meinem Ausdruck, das habe ich schließlich alles schon mal gesagt. [Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11]
Heute kannst du dir einen Wolf wedeln, sie schauen gar nicht mehr hin. [Die Zeit, 24.02.2003 (online)]
Man wedelt mit der Hand vorm Ohr, um anzudeuten, daß es keinen Sinn hat, mehr zu sprechen. [Die Zeit, 02.05.1957, Nr. 18]
Wenn er dann irgendwo saß, wedelte er oft mit einem Tuch. [Süddeutsche Zeitung, 12.10.2002]
Zitationshilfe
„wedeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wedeln>.

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