Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wehen

Grammatik Verb · weht, wehte, hat/ist geweht
Aussprache 
Worttrennung we-hen
Wortbildung  mit ›wehen‹ als Letztglied: anwehen · aufwehen · durchwehen · fortwehen · hereinwehen · herüberwehen · hineinwehen · hinüberwehen · umwehen · verwehen · wegwehen · zusammenwehen · zuwehen · überwehen
 ·  mit ›wehen‹ als Grundform: Wehe2

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨der Wind weht⟩ die Luft ist in starker Bewegung
    1. [umgangssprachlich, bildlich] ...
  2. 2. ⟨der Wind weht etw. irgendwohin⟩ der Wind befördert etw. irgendwohin, bewegt etw. in eine bestimmte Richtung
    1. von der Luft, dem Wind irgendwohin getragen werden
    2. [gehoben, bildlich] ...
  3. 3. sich im Winde bewegen, flattern
eWDG

Bedeutungen

1.
der Wind wehtdie Luft ist in starker Bewegung
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Wind weht rau, kalt, eisig
ein leichter Ostwind wehte
an der Küste weht immer ein frischer Wind
es weht ein scharfer Wind
das Wehen des Windes
es wehte eine steife Brise, ein laues Lüftchen
kein Lüftchen wehte
draußen weht es heute lebhaft, tüchtig (= ist es heute sehr windig)
der Wind weht landeinwärts, aus Nordosten
es weht kühl von den Bergen, vom Meer her
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
sich [Dativ] frischen Wind um die Nase wehen lassen (= sich in der Welt, im Leben umsehen, Erfahrungen sammeln)
hier weht ein neuer, frischer Wind (= hier ist neuer Schwung, ein frischer, neuer Geist zu spüren)
er weiß genau, woher der Wind weht (= er weiß genau, wie die Lage zu beurteilen ist)
daher weht also der Wind! (= so ist das also!)
2.
der Wind weht etw. irgendwohinder Wind befördert etw. irgendwohin, bewegt etw. in eine bestimmte Richtung
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Wind weht den Schnee von den Dächern, hat alles Laub auf einen Haufen geweht, das letzte Blatt vom Baum geweht
ein Luftzug wehte die losen Blätter vom Schreibtisch, auf den Fußboden
von der Luft, dem Wind irgendwohin getragen werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
Einzelne sehr große Schneeflocken wehten auf die Schienen [ NossackNovember62]
gehoben, bildlich
Beispiele:
Rosenduft wehte vom Garten ins Zimmer
ein Ruf wehte über das Wasser zu uns
3.
sich im Winde bewegen, flattern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Fahnen wehten (im Wind)
ihr Haar wehte im Wind
ein Tuch wehen lassen
mit wehendem Schleier, mit wehenden Rockschößen, Röcken davoneilen
aus den Fenstern wehten weiße Vorhänge [ G. KellerGr. Heinrich4,182]
mochten auch ihre Gestalt und ihr wehendes Spitzentüchlein ihn bisher treulich begleitet haben [ BrochPasenow123]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wehen · Wehe2
wehen Vb. ‘(von der Luft) in Bewegung sein, von Luft, vom Wind bewegt werden’, ahd. wāen, wāhen (8. Jh.), mhd. wæjen, wægen, wæn, weien ‘windig sein, wehen machen’, mnd. weien, weigen, mnl. waeyen, nl. waaien, afries. wāia. Neben diesen zur schwachen Flexion übergegangenen Verben zeigen noch starke (reduplizierende) Formen aengl. wāwan und got. waiwan (germ. *wējan). Verwandt ist aind. vā́ti ‘weht, bläst’, griech. aḗnai (ἀῆναι) ‘blasen, wehen’ (vom Wind), aslaw. vějati, russ. véjat’ (веять) ‘wehen, fächeln, Getreide worfeln’. Zugrunde liegt (wie auch für wallen2, Wedel, Wetter und Wind, s. d.) die Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’. Formen mit zwischen Wurzelsilbe und Endung eingeschobenem h sind seit dem 8. Jh. belegt; Umlaut tritt in mhd. Zeit (zuerst im Md. und Bair.-Öst.) auf, doch im Nhd. geht ǟ nach nordd. und (teilweise) md. Aussprache in ē über (wehen durch Luther verbreitet). – Wehe2 f. ‘vom Wind zusammengewehter Schnee’ (18. Jh.), meist im Kompositum Schneewehe (19. Jh.), Schneewehung (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
flattern · wehen
Synonymgruppe
blasen (kräftiger Wind) · fahren · jagen · pfeifen · treiben  ●  (irgendwohin/irgendwoher) wehen (starker Wind)  Hauptform · fegen  fig.

Typische Verbindungen zu ›wehen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wehen‹.

Verwendungsbeispiele für ›wehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und da wehte der Wind mal wieder aus anderer Richtung. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 – 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 420]
Und der Wind weht ihnen nadelfeinen Regen auf die Mäntel. [Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 250]
Der Minister läßt sich den neuen Wind gerne um die Nase wehen, er pustet sogar mit. [Die Zeit, 19.01.1996, Nr. 4]
Es weht der Wind mit Stärke zehn, es tobt das wilde Meer. [konkret, 1988]
Er schob ihr mit einem wehen Lächeln ein Blatt zu. [Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 94]
Zitationshilfe
„wehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wehen>.

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