wehren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungweh-ren (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wehren‹ als Letztglied: ↗abwehren  ·  mit ›wehren‹ als Grundform: ↗bewehren · ↗erwehren · ↗verwehren
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich wehreneinem Angriff begegnen, sich verteidigen
Beispiele:
sich verzweifelt, tapfer, mit aller Macht, heftig, mit aller Kraft wehren
umgangssprachlich sich aus Leibeskräften wehren
umgangssprachlich er wehrte sich mit Händen und Füßen (= er wehrte sich mit aller Kraft)
er konnte sich nicht wehren
er wehrte sich, so gut er konnte
umgangssprachlich sich seiner Haut wehren
bildlich
Beispiele:
sich energisch gegen einen Verdacht, eine Anschuldigung wehren
Die gute Mutter hatte sich gegen die Armut nun so lange zu wehren ... gewußt [G. KellerVerlor. Lachen6,540]
sich sträuben
Beispiel:
er wehrte sich, der Anordnung Folge zu leisten
2.
gehoben jmdm. etw. wehrenjmdm. etw. verwehren, jmdn. an etw. hindern
Beispiele:
ich kann, will es dir nicht wehren
Ein leichtes Geländer umschloß das Kunstwerk und wehrte den Anwesenden das nahe Hinzutreten [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,412]
3.
gehoben einer Sache wehrenetw. bekämpfen, an der Ausbreitung hindern
Beispiele:
dem Unglück, Übel wehren
der Gefahr mit allen Mitteln wehren
ein anderer Untergang seines Hauses stand ihm vor der Seele, dem er nicht zu wehren wußte [Storm5,141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wehren · abwehren · Abwehr · verwehren
wehren Vb. ‘verteidigen, schützen, hindern’, ahd. wer(i)en, werren (8. Jh.), mhd. weren, wern, werigen ‘schützen, verteidigen, (ver)hindern’, asächs. werian ‘hindern, schützen, bewaffnen’, mnd. mnl. wēren ‘abwehren, verhindern, verteidigen, wegnehmen’, nl. weren, afries. waria, weria, aengl. werian, anord. verja, schwed. värja, got. warjan (germ. *warjan). Außergerm. sind vergleichbar aind. vṛṇṓti (auch ūrṇṓti und kausativ vāráyati) ‘verhüllt, bedeckt, umschließt, hemmt, hindert, hält ab’, griech. érysthai (ἔρυσθαι, aus *ϝέρυσθαι) ‘abwehren, retten, schützen’, lat. operīre ‘verschließen, bedecken’, aperīre ‘öffnen, aufdecken’ (aus *-u̯er), lit. vérti ‘öffnen, aufreihen, schnüren, durchstechen’, aslaw. vъvrěti ‘hineinstecken, einschieben’, aruss. zavreti ‘verschließen’, russ. (landschaftlich) verát’ (верать) ‘stecken, hineinlegen, verstecken, verbergen’, air. ferenn ‘Gürtel’. Auszugehen ist von einer Wurzel ie. *u̯er- ‘verschließen, bedecken, schützen, retten, abwehren’. abwehren Vb. ‘(einen Angriff, Angreifer) abschlagen, zurückweisen’ (bereits mnd. afwēren, 14. Jh.), ‘Einhalt tun, von sich weisen, ausschlagen, ablehnen’ (16. Jh.); Abwehr f. ‘Widerstand, Verteidigung’ (16. Jh.), ‘zur Verteidigung eingesetzte, Widerstand leistende Truppe’, im Sport ‘Verteidigung, Gesamtheit der Verteidigungsspieler’ (1. Hälfte 20. Jh.). verwehren Vb. ‘nicht gestatten, ablehnen’, ahd. firwer(i)en, firwerren (8. Jh.), mhd. verwern ‘abwehren, verhindern, ablehnen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · ↗(sich) erwehren · (sich) seiner Haut zu wehren wissen · ↗(sich) sträuben · ↗(sich) verteidigen · ↗(sich) widersetzen · (sich) zur Wehr setzen · Trotz bieten · Widerstand leisten · die Stirn bieten · ↗widerstehen  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · (sich) wehren  Hauptform · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) erbittert wehren · (sich) körperlich zur Wehr setzen · (sich) nach Leibeskräften widersetzen · (sich) vehement wehren  ●  (sich) mit Händen und Füßen wehren  auch figurativ · (sich) mit Zähnen und Klauen verteidigen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) sperren (gegen) · (sich) sträuben (gegen) · (sich) wehren (gegen) · ↗(sich) widersetzen · nicht mitmachen · nicht mitspielen · nicht mitziehen · nicht willfährig sein  ●  ↗(sich) querlegen  fig. · Nein sagen  ugs. · aus der Reihe tanzen  ugs., fig. · einen Korb geben  ugs., fig. · nein sagen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • (klaglos) über sich ergehen lassen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfang Anschuldigung Anwohner Argument Behauptung Betroffene Festnahme Fuß Haut Kritik Mittel Unterstellung Verdacht Vereinnahmung Vorwurf ab abwehren dagegen energisch entschieden erbittert erfolgreich gerichtlich heftig ihr schreien tapfer vehement verzweifelt Übernahme

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wehren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein umstrittenes neues Gesetz macht es noch schwieriger, sich zu wehren.
Die Zeit, 09.07.2012 (online)
Gegen ein so philosophisch aufgeladenes Wort würde er sich wahrscheinlich wehren.
Die Welt, 10.12.2005
Die Männer wanden mir die Granate aus den Händen, ich wehrte mich nicht.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 276
Sie, die für keinen Kampf geschaffen war, begann sich zu wehren.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 86
Dagegen wehrte ich mich energisch, und er fiel mit seinem Plane ab.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8046
Zitationshilfe
„wehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wehren>, abgerufen am 16.12.2018.

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