weichen

Grammatik Verb · weicht, weichte, hat/ist geweicht
Aussprache 
Worttrennung wei-chen
Wortbildung  mit ›weichen‹ als Letztglied: abweichen1 · aufweichen · durchweichen · einweichen · erweichen · zerweichen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. weich machen
  2. 2. weich werden
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. weich machen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Es war […] ein ägyptischer Papyrusstrick, wunderbar geweicht, geklopft und geschmeidigt [ Th. MannJoseph3,590]
Die Mädchen weichen die Wäsche (= weichen sie ein) [ G. Hauptm.Einsame MenschenIII]
2.
weich werden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
die Semmeln müssen (in der Milch, im Wasser) noch etw. weichen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weich · weichen1 · Weiche1 · erweichen · weichlich · Weichtier
weich Adj. ‘nicht hart, nachgebend, biegsam, kraftlos, zart’, ahd. weih (8. Jh.), mhd. weich, asächs. mnd. wēk, mnl. weec, nl. week, aengl. wāc (engl. weak aus dem Anord.), anord. veikr, schwed. vek (germ. *waika-) ist wie das unter weichen2 (s. d.) behandelte Verb an ie. *u̯eig- ‘biegen, winden, sich wenden, weichen’ anzuschließen. Als Ausgangsbedeutung ist ‘biegsam, nachgebend’ anzusetzen. weichen1 Vb. ‘weich machen oder werden’, ahd. weihhen ‘weich machen’ (um 800, giweihhen, 8. Jh.), weihhēn (10. Jh.), weihhōn (um 1100) ‘weich werden’, mhd. weichen ‘weich machen oder werden’. Weiche1 f. ‘Zustand des Weichseins, Weichheit’, ahd. weihhī (8. Jh.), mhd. weiche. In konkretem Gebrauch auch ‘weiche Stelle des Körpers’ (15. Jh.), in medizinischen Texten des 16. Jhs. ‘Flanke, knochenlose, weiche Körperstelle zwischen der untersten Rippe und dem Hüftknochen’ (oft pluralisch, seit Ende 16. Jh.), auch gelegentlich ‘Taille’ (16. Jh.). erweichen Vb. ‘weich machen, werden’, ahd. irweihhēn (9. Jh.), mhd. erweichen. weichlich Adj. ‘in ungehöriger, unerwünschter Art weich’ (15. Jh. in diesem Sinne zuerst mnd. wēklīk, dann md., 16. Jh.), ‘ohne innere Widerstandskraft, kraft- und energielos, verzärtelt’ (Mitte 17. Jh.), ‘willensschwach’ (19. Jh.); zunächst als Adverb zum Adjektiv weich gebildet, vgl. mhd. weichlīche ‘auf weiche, milde Weise, verweichlicht’. Weichtier n. skelettloses Tier mit weicher Körperdecke, oft mit äußerer Kalkschale, besonders Schnecken, Muscheln, Tintenfische (1. Hälfte 19. Jh.), Übersetzung von zoolog.-lat. Mollusca Plur. (Cuvier 1812, im weiteren Sinne, auch Würmer umfassend, bereits Linné 1758), nach lat. molluscus ‘recht weich’ (vgl. mollusca nux ‘Nuß mit weicher, dünner Schale’), Weiterbildung zu lat. mollis ‘weich’.

Typische Verbindungen zu ›weichen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›weichen‹.

Verwendungsbeispiele für ›weichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann wird der "blinde" G. mit der Zeit dem G. aus Überzeugung weichen. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 109]
Als er sich setzte, wich wie gewöhnlich mit einem Zischen Luft aus dem Sitz. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 355]
Dabei weichen aber die Überblendungen abrupten Sprüngen, auch der Sound fällt weg. [C't, 1998, Nr. 25]
Nur ein einziger Baum müsse der päpstlichen Vertretung weichen, und selbst den werde man sorgsam verpflanzen. [Die Zeit, 12.09.1997, Nr. 38]
Das samtene Dunkel der Nacht wich dem hektischen Flackern des Blaulichtes. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 262]
Zitationshilfe
„weichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/weichen#1>.

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weichen

Grammatik Verb · weicht, wich, ist gewichen
Aussprache 
Worttrennung wei-chen
Wortbildung  mit ›weichen‹ als Letztglied: abweichen2 · ausweichen · zurückweichen
 ·  mit ›weichen‹ als Grundform: entweichen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. sich (von etw., jmdm.) entfernen, weggehen
    1. [bildlich] ...
  2. 2. ⟨etw. weicht von jmdm., aus einer Sache⟩ etw. verlässt jmdn., etw. allmählich
  3. 3. ⟨jmdm., einer Sache, vor jmdm., einer Sache weichen⟩ vor jmdm., etw. zurückweichen, sich zurückziehen
    1. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
sich (von etw., jmdm.) entfernen, weggehen
Grammatik: meist verneint
Beispiele:
sie wichen nicht von seiner Seite
jmdm. nicht von den Fersen weichen
sie ist die ganze Nacht nicht von dem Kranken, vom Bett des Kranken gewichen
sie wichen nicht von der Stelle, bis sie alles erfahren hatten
keinen Schritt vom Wege weichen
sie war ein Stück zur Seite gewichen (= war ausgewichen)
bildlich
Beispiele:
er wich und wankte nicht
ich werde nicht wanken und nicht weichen, bis du mir alles gesagt hast
Ja, die liebsten Freunde seh’ ich / Achselzuckend von mir weichen [ Mörike1,101]
Nachdem dann die Gewinner […] bemerkten, daß das Glück von ihnen zu weichen begann [ M. WalserEhen328]
2.
etw. weicht von jmdm., aus einer Sacheetw. verlässt jmdn., etw. allmählich
Beispiele:
endlich war die Angst, Beklemmung von ihm gewichen
die Spannung war von ihm, aus ihrem Gesicht gewichen
alles Blut war aus ihrem Gesicht gewichen (= sie war blass geworden)
gehobenalles Blut war aus ihren Wangen gewichen (= sie war blass geworden)
endlich war der Nebel, die Nacht, der Winter gewichen (= endlich war der Nebel, die Nacht, der Winter vergangen)
3.
jmdm., einer Sache, vor jmdm., einer Sache weichenvor jmdm., etw. zurückweichen, sich zurückziehen
Beispiele:
vor dem Feinde weichen
der Gegner begann zu weichen
wir mussten der Übermacht weichen
der Gewalt weichen
Wir sind […] dicht hinter den weichenden Gegnern [ RemarqueIm Westen119]
übertragen
Beispiele:
die alten Häuser mussten modernen Neubauten weichen
doch ich hoffe, / Der Herzog wird in keinem Stücke weichen (= nachgeben) [ SchillerPiccolominiI 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weichen2 · abweichen · ausweichen · entweichen
weichen2 Vb. ‘Platz machen, nachgeben, sich zurückziehen’. Das stark flektierende Verb ahd. wīhhan (um 800), mhd. wīchen ‘eine Richtung nehmen, ausweichen, sich zurückziehen, aus dem Wege gehen, Platz machen’, asächs. wīkan, mnd. mnl. wīken, nl. wijken, afries. wīka, aengl. wīcan, anord. vīkja, vīkva, ȳkva ‘weichen, wenden, bewegen, gehen’, schwed. vika ‘nachgeben, weichen’ (germ. *wīkan) führt mit seinen außergerm. Verwandten aind. vijátē ‘wogt, hebt sich empor (von der Woge), bewegt sich schnell, weicht, flieht’, griech. é͞ikein (εἴκειν) ‘weichen, zurückgehen, nachstehen’, lit. vìglas, vigrùs ‘munter, geschickt, wendig’ auf ie. *u̯eig- bzw. (für das Griech.) *u̯eik- ‘biegen, winden, sich wenden, weichen’ (s. auch Wechsel, weich und Woche), Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’ (s. Weide1). abweichen Vb. ‘von etw. (vom Weg, von der Richtung, einem Standpunkt, Grundsatz) abgehen, sich unterscheiden’, mhd. abewīchen ‘sich davonmachen’. ausweichen Vb. ‘aus dem Weg, beiseite gehen, einen Bogen machen’ (15. Jh.). entweichen Vb. ‘ausströmen, sich davonmachen’, ahd. intwīhhan ‘zurückweichen, nachgeben’ (um 800), mhd. entwīchen, auch ‘kraftlos werden, nachstehen, abtreten’.

Typische Verbindungen zu ›weichen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›weichen‹.

Verwendungsbeispiele für ›weichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann wird der "blinde" G. mit der Zeit dem G. aus Überzeugung weichen. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 109]
Als er sich setzte, wich wie gewöhnlich mit einem Zischen Luft aus dem Sitz. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 355]
Dabei weichen aber die Überblendungen abrupten Sprüngen, auch der Sound fällt weg. [C't, 1998, Nr. 25]
Nur ein einziger Baum müsse der päpstlichen Vertretung weichen, und selbst den werde man sorgsam verpflanzen. [Die Zeit, 12.09.1997, Nr. 38]
Das samtene Dunkel der Nacht wich dem hektischen Flackern des Blaulichtes. [Hohlbein, Wolfgang: Das Druidentor, Stuttgart: Weitbrecht 1993, S. 262]
Zitationshilfe
„weichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/weichen#2>.

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