Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

weilen

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈvaɪ̯lən]
Worttrennung wei-len
Mehrwortausdrücke  nicht mehr unter uns weilen
eWDG

Bedeutung

gehoben sich an einem bestimmten Ort aufhalten, an einem bestimmten Ort sein
Beispiele:
im vorigen Monat weilte eine sowjetische Regierungsdelegation in der DDR
zu, auf Besuch bei jmdm. weilen
ein hoher Gast weilte in ihrer Mitte
verhüllender weilt (schon lange) nicht mehr unter uns, unter den Lebenden, auf Erden (= er ist tot)
bildlich
Beispiel:
seine Gedanken weilten bei ihr, bei seinen Lieben, in der Ferne
veraltet länger als nötig verweilen, zögern
Beispiel:
Darum harrt er, weilt mit Vorsatz, / Will dir Zeit, mein Söhnlein, geben [ Grillp.TraumIII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weile · weilen · verweilen
Weile f. ‘kurzer oder unbestimmter Zeitraum’, ahd. (h)wīla (8. Jh.), mhd. wīl(e) ‘Zeit(raum), Zeitpunkt, Stunde’, asächs. hwīl(a) ‘Zeit(raum)’, mnd. mnl. wīle, aengl. hwīl, engl. while, got. ƕeila ‘Weile, Zeit, Stunde’, anord. hvīla ‘Ruhestätte, Bett’, schwed. vila ‘Ruhe’ (germ. *hwīlō) sind Bildungen mit l-Suffix wie verwandtes lat. tranquillus (aus *-k‐ͧilnos) ‘ruhig, still’, aind. (fraglich) ciráḥ ‘lang(während)’ zur Wurzel ie. *u̯ei̯(ə)-, *ku̯ii̯ē- ‘behaglich ruhen’, wozu sich auch lat. quiēs ‘Ruhe, Schlaf, Friede’, aslaw. pokojь, russ. pokój (покой) ‘Ruhe’ stellen. Die heute geltende Bedeutung entwickelt sich aus ‘Ruhe, Rast, Pause’. Sprichwörtlich gut Ding muß Weile (‘Zeit, keine Hast, keine Überstürzung’) haben (16. Jh.), gůt ding můß haben weile (15. Jh.); eile mit Weile (‘mit Eile, aber überlegt, nicht überstürzt’, 16. Jh.). – weilen Vb. ‘sich aufhalten, (an einem Ort) sein’, ahd. (h)wīlōn (um 800), mhd. wīlen. verweilen Vb. ‘sich (lange) aufhalten, bleiben’, auch ‘säumen’, mhd. verwīlen ‘(ver)säumen, zubringen, sich aufhalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufhalten · Zeit verbringen · bleiben · herumstehen · verbleiben · verweilen  ●  Wurzeln schlagen  ugs., ironisch, fig. · weilen  geh.
Unterbegriffe
  • (sich) nicht vom Fleck rühren · (sich) nicht von der Stelle bewegen · (sich) nicht wegbewegen · da bleiben, wo man ist · wie angewurzelt dastehen
Assoziationen
Synonymgruppe
harren · sich nicht (von der Stelle) rühren · stehen bleiben · verharren · verweilen · vor Ort bleiben · warten · weilen
Synonymgruppe
(Zeit) verbringen · (irgendwo) sein · (irgendwo) stecken · (sich) aufhalten · (sich) befinden · anzutreffen sein · zu finden sein  ●  weilen (oft scherzh.)  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›weilen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›weilen‹.

Verwendungsbeispiele für ›weilen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wohl mit Recht mögt Ihr gerührt bei diesem Bilde weilen. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 336]
Sie selbst aber hätten höchstens dienstlich an solchen Stellen weilen dürfen. [o. A.: Anprachen zur Einweihung des Hauses Kurmark, 14.06.1935]
Kapelle eine Zeitlang (1679) in Prag weilte, fiel wahrscheinlich seine Frau zum Opfer. [Kaul, Oskar u. Riedel, Friedrich Wilhelm: Kerll. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 42928]
Seine Frau weilte mit ihren vier Kindern bei ihrer Mutter. [Brief von Frau E. D. vom 06.06.1944. In: Ortwin Buchbender u. Reinhold Sterz (Hgg.), Das andere Gesicht des Krieges, München: Beck, 1982, S. 135]
Das junge Mädchen weilte in der Nacht am liebsten in den berüchtigten Vierteln. [Lichtenstein, Alfred: Die Jungfrau. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919], S. 34289]
Zitationshilfe
„weilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/weilen>.

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