Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

werten

Grammatik Verb · wertet, wertete, hat gewertet
Aussprache  [veːɐ̯tn̩]
Worttrennung wer-ten
Wortbildung  mit ›werten‹ als Erstglied: Wertung  ·  mit ›werten‹ als Letztglied: abwerten · aufwerten · auswerten · umwerten · Überwertung · überwerten
eWDG

Bedeutung

eine Sache wertenden ideellen Wert einer Sache bestimmen, einer Sache prüfend, abwägend einen bestimmten Wert beimessen, eine Sache ihrem ideellen Wert nach beurteilen
Beispiele:
die Abhandlung ist ein Versuch, das Gesamtwerk des Dichters zu werten
das Verhalten einer Person in einer kritischen Situation werten
eine Tat positiv, hoch, gering, kritisch, moralisch werten
etw. höher werten als etw. anderes
Sportdie Punktrichter haben sehr unterschiedlich gewertet (= Punkte gegeben)
Sporteinen Sprung, eine Kür zu hoch, niedrig werten (= für einen Sprung, eine Kür zu viel, wenig Punkte geben)
Sie werten anders, als Ihre Eltern werten [ G. Hauptm.Einsame MenschenIV]
etw., jmdn. als etw., jmdn. wertenetw., jmdn. als etw., jmdn. ansehen, betrachten, für etw., jmdn. halten
Beispiele:
etw. als gute, schlechte, besondere Leistung werten
etw. als Lob, Misserfolg, Ausdruck des Mitgefühls werten
er wurde als ein Mann gewertet, der mehr erlebt hatte als die meisten anderen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wert · Wert · werten · abwerten · bewerten · entwerten · verwerten · Werturteil · gleichwertig
wert Adj. ‘Geltung, Bedeutung habend, angesehen, geschätzt, kostbar, lieb, teuer’, ahd. werd (9. Jh.), mhd. mnd. wert, asächs. werð, mnl. waert, weert, wert, nl. waard, aengl. worþ, weorþ, wurþ, engl. worth, anord. verðr, schwed. värd, got. waírþs (germ. *werþa-) gehört offensichtlich zu der unter werden (s. d.) dargestellten Dentalerweiterung ie. *u̯ert- ‘drehen, wenden’. Möglich ist unmittelbarer Anschluß an die unter -wärts (s. d.) genannten Formen sowie an lat. versus ‘gegen’, air. frith- ‘gegen’, indem wert im Sinne von ‘wohin, gegen etw. gewendet, zugewandt’ verstanden wird mit Weiterentwicklung zu ‘einen Gegenwert habend’. Vgl. die ähnliche Bedeutungsentwicklung bei lat. pretium ‘Preis, Wert’. Es ist verwandt mit aind. práti ‘zu, zu … hin, gegen, wieder, auf’, griech. protí (προτί) ‘überdies, dazu, von … her, bei, an, zu … hin, gegenüber’, aslaw. protivъ, russ. prótiv (против) ‘gegen’, so daß eine Ausgangsbedeutung ‘als Äquivalent gegenüberstehend’ ansetzbar ist. wert wird bis ins 12. Jh. nur prädikativ, danach auch attributiv gebraucht. In neuerer Zeit ist es häufig Grundwort zusammengesetzter Adjektive, vgl. ehren-, hoch-, liebwert und lesens-, sehens-, wissenswert. Wert m. ‘Preis, Geltung, Wertschätzung’, ahd. werd n. (8. Jh.), mhd. wert n. m. ‘Kaufpreis, Wert(sache), Ware, Standesehre, Geltung, Ansehen, Würdigkeit, Herrlichkeit’, Substantivierung des Adjektivs. Neutrales Genus gilt vereinzelt bis ins 16. Jh.; maskuliner Gebrauch (seit dem Mhd.) entwickelt sich wohl in Anlehnung an Kauf und Preis. werten Vb. ‘den Wert festsetzen, einschätzen’, ahd. werdōn (8. Jh.), mhd. werden ‘(wert)schätzen, für wert halten, würdigen, verherrlichen’, auch vereinzelt ‘kaufen, den Wert vergüten’. abwerten Vb. ‘im Wert herabsetzen’ (18. Jh., geläufig 20. Jh.), ‘abschätzen’ (19. Jh.). bewerten Vb. ‘den Wert festlegen, benoten, einschätzen’ (2. Hälfte 19. Jh.). entwerten Vb. ‘ungültig machen’ besonders von Geld und Geldwert (1. Hälfte 19. Jh.); vgl. ahd. intwerdōn ‘starke Abneigung empfinden, verschmähen’ (10. Jh.), mhd. (vereinzelt) entwerten ‘entgelten’. verwerten Vb. ‘(einen Wert) nützlich verwenden’ (19. Jh.). Werturteil n. ‘abgegebenes Urteil über den Wert einer Sache’ (2. Hälfte 19. Jh.). gleichwertig Adj. ‘von gleichem Wert’ (15./16. Jh., dann wieder Mitte 19. Jh.). Vgl. auch Bildungen wie minderwertig, vollwertig (19. Jh.).

Thesaurus

Typische Verbindungen zu ›werten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›werten‹.

Verwendungsbeispiele für ›werten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den Pädagogen anerkennt er mehrmals am Tage und wertet ihn mehrfach ab. [Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 75]
Die Äquivalentnormen orientieren sich an den Mittel werten von Gruppen. [Lienert, Gustav A.: Testaufbau und Testanalyse, Weinheim: Beltz 1961, S. 309]
Daß die Frauen es schafften, wertet Direktor Wolf höher als die ganze kostspielige technische Anlage. [Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 219]
Zwar als Held sah ich mich immer noch nicht gewertet. [Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 896]
Als erschreckend werten die Forscher auch neue Daten aus französischen Zoos. [Die Zeit, 08.04.1999, Nr. 15]
Zitationshilfe
„werten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/werten>.

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