wetzen

GrammatikVerb · wetzte, hat/ist gewetzt
Aussprache
Worttrennungwet-zen
Wortbildung mit ›wetzen‹ als Erstglied: ↗Wetzstein  ·  mit ›wetzen‹ als Letztglied: ↗abwetzen · ↗anwetzen · ↗auswetzen · ↗durchwetzen · ↗loswetzen
 ·  mit ›wetzen‹ als Grundform: ↗entwetzen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. durch gleitendes Reiben auf einem Stein oder mit einem Stein schärfen, schleifen
Beispiele:
eine Sense, Sichel wetzen
ein Messer (an einem Leder) wetzen
er wetzte die Axt am, mit dem Wetzstein
etw. an, auf etw. anderem bei dauernder Berührung hin- und herbewegen, reiben
Beispiele:
der Vogel wetzte den Schnabel (am Ast, Gitter)
er wetzte seine Schuhsohlen am Fußabtreter
er wetzte den Hinterkopf an der Wand [SeghersMann102]
bildlich
Beispiel:
Seine Blicke wetzten sich an den meinen [SeghersTransit5,64]
umgangssprachlich seine Zunge (an einer Sache, jmdm.) wetzenüber etw., jmdn. Übles reden
Beispiele:
sie wetzte ihre Zunge daran
Gelegentlich wetzten sich lose Zungen an ihren lehrerinnenhaften Eigenheiten [RehfischHexen575]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
salopp eilig, hastig laufen, rennen
Beispiele:
er wetzte um die Ecke, ist über die Straße gewetzt, wetzt durch die Gegend
er wetzt (= geht) dauernd ins Kino
der kann aber wetzen!
wir sind vielleicht gewetzt! (= haben uns sehr beeilt!)
Die Etagenkellner wetzen über die Läufer [F. HartlaubVon unten gesehen36]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wetzen Vb. ‘schärfen’, ahd. (h)wezzen (8. Jh.), mhd. wetzen ‘schärfen, schleifen’, übertragen ‘anfeuern, reizen’, mnd. mnl. nl. wetten, aengl. hwettan, engl. to whet, anord. hvetja, schwed. (mundartlich) hvättja. Das jan-Verb ist wohl als Faktitivum zu dem in ahd. (h)was ‘scharf, heftig’ (8. Jh.), asächs. hwat ‘scharf, kühn’, aengl. hwæt ‘schnell, mutig’, anord. hvatr ‘rasch, feurig’ belegten Adjektiv aufzufassen. Dieses stellt sich als altes ie. to-Partizip (germ. *hwata-) mit den ablautenden Verben ahd. (h)wāʒan ‘jmdn. angehen, verstoßen, (Vögel) vertreiben, (ver)scheuchen’ (9. Jh.), asächs. forhwātan ‘verfluchen’, anord. hvāta ‘stoßen, stechen’ und anord. hœta ‘drohen’, schwed. höta, got. ƕōtjan ‘drohen’ sowie außergerm. wahrscheinlich mit lat. triquetrus (aus *tri-ku̯adros) ‘dreieckig’, vielleicht auch aind. cṓdati (aus *kewed-?) ‘treibt an, feuert an’ zur Wurzel ie. *ku̯ē̌d-, *ku̯ō̌d- ‘stacheln (Stachel, Spitze), bohren, wetzen, schärfen, antreiben, anreizen’. Vgl. die Zunge wetzen ‘scharfe Reden führen’, bereits ahd. sīe iro zunga wazton (Notker).

Thesaurus

Synonymgruppe
schleifen · wetzen
Synonymgruppe
eilen · ↗galoppieren · ↗hasten · ↗hechten · ↗hetzen · ↗huschen · ↗pfeifen · ↗rasen · schnell laufen · ↗schnellen · ↗sprinten · ↗stieben  ●  ↗fegen  fig. · ↗laufen  Hauptform · ↗rennen  Hauptform · ↗schießen  fig. · Gummi geben  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗dahinpreschen  ugs. · die Beine in die Hand nehmen  ugs., fig. · ↗düsen  ugs. · ↗fetzen  ugs. · fitschen  ugs., ruhrdt. · ↗fliegen  geh., fig., literarisch · ↗flitzen  ugs. · ↗jagen  ugs. · ↗pesen  ugs. · ↗preschen  ugs. · ↗sausen  ugs. · ↗spurten  ugs. · ↗stürmen  ugs. · wetzen  ugs. · ↗zischen  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (sich) fortbewegen · von A nach B kommen
Unterbegriffe
Assoziationen
  • in schneller Gangart · schnellen Schrittes  ●  mit kurzen, schnellen Schritten  militärisch · eilenden Schrittes  geh. · hurtigen Schenkels  ugs., ironisch · im Sauseschritt  ugs. · im Schweinsgalopp  ugs.
  • langsam laufen · ↗schnüren (z.B. Füchse) · ↗traben

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dolch Feder Gegner Klinge Kralle Kritiker Kulisse Küche Messer Metzger Pfote Scharte Schnabel Sense Skalpell Säbel Zahn Zunge abwetzen auf auswetzen davon her herum heut hin hinterher los schon vorbei

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wetzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wetzt auf das Eis, doch es trägt die 25 Kilo Hund nicht.
Bild, 19.03.2003
Seit 35 Jahren wetzt er schon seinen Witz an den laufenden Ereignissen in Politik und Zeitgeschehen.
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2000
Er wetzt hin und her, und darüber fluchen die anderen.
Bodenreuth, Friedrich [d.i. Jaksch, Friedrich]: Alle Wasser Böhmens fließen nach Deutschland, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1938 [1937], S. 150
So dachte der Hai, wetzte die Zähne und fuhr schneidig aus seinem Versteck.
Niebelschütz, Wolf von: Der blaue Kammerherr, Stuttgart u. a.: Dt. Bücherbund [1991] [1949], S. 642
Zwei Männer hatten die Lenden gegürtet, die Säbel gewetzt, das Pulver bis auf ihre alten Tage trockengehalten.
Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 459
Zitationshilfe
„wetzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wetzen>, abgerufen am 15.10.2019.

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