Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wichsen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wich-sen
Wortbildung  mit ›wichsen‹ als Erstglied: Wichsbürste · Wichser · Wichsvorlage
 ·  mit ›wichsen‹ als Letztglied: abwichsen · auswichsen · durchwichsen · verwichsen
 ·  mit ›wichsen‹ als Binnenglied: Eisenwichser · Flachwichser  ·  mit ›wichsen‹ als Grundform: gewichst
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich etw. mit Wachs, einem wachsartigen Mittel einreiben, dass es glänzt
a)
und sauber ist
Beispiele:
Schuhe, Stiefel, Leder glänzend wichsen
die Treppe, den Fußboden wichsen
Die hohen Bogenfenster spiegelten sich im gewichsten Parkett [ Kellerm.Der 9. November92]
sein Treppenhaus […] das er seit Jahren zu putzen und wichsen nicht müde geworden war [ GrassBlechtrommel194]
b)
veraltet und steif ist
Beispiele:
den Bart wichsen
der Schnauzbart war schwarz, frisch gewichst
Sie trugen gewichste Schnurrbärtchen und den sogenannten Poposcheitel [ G. Hauptm.4,216]
2.
salopp jmdm. eine wichsen (= jmdm. eine Ohrfeige geben)
Beispiele:
als der mir dumm kam, habe ich ihm gleich eine gewichst
wenn du damit nicht aufhörst, kriegst du eine gewichst
jmdn. wichsen (= jmdn. schlagen, prügeln)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wichsen · Wichse · Wichs
wichsen Vb. ‘mit Wachs bestreichen’ (15. Jh.), ‘polieren, blank putzen’ (17. Jh.), ‘prügeln’ (18. Jh.), Lautvariante des von Wachs (s. d.) abgeleiteten Verbs wächsen, bei der Umlaut-e in i übergegangen ist. wächsen, in einzelnen Mundarten bewahrt, wird in der Literatursprache von wichsen verdrängt. Dazu gewichst Part.adj. ‘schlau, gerissen’, verwichsen Vb. ‘verprügeln’ (beide 19. Jh.). Wichse f. ‘Schmierfett, Putzmittel, Prügel’ (18. Jh.), Rückbildung aus dem Verb. In der Studentensprache Wichs m. ‘Festtracht, Gala der Verbindungsstudenten’ (18. Jh.), danach auch umgangssprachlich ‘Festgewand, Putz, Staat’, sich in Wichs werfen ‘sich fein machen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich selbst) befriedigen · masturbieren · onanieren  ●  (es sich selbst) besorgen  ugs. · (es sich selbst) machen  ugs. · (es sich/jemandem) mit der Hand machen  ugs. · (sich einen) keulen  ugs. · (sich einen) rubbeln  ugs. · (sich einen) runterholen  ugs. · (sich einen) von der Palme wedeln  ugs. · wichsen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›wichsen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wichsen‹.

Verwendungsbeispiele für ›wichsen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da kommt ihr nicht mehr raus, ihr könnt dann nur noch länger wichsen. [Die Zeit, 15.09.2007 (online)]
Das ist wie das erste Mal wichsen, behauptet der Roman. [Die Zeit, 25.01.2006, Nr. 04]
Ian wichst aufs Grab, scheißt sich ein und frißt, weil hungrig, das ausgebuddelte Kind. [Süddeutsche Zeitung, 02.10.1996]
Bei beiden Unternehmen wichst die Fremdkapitallast in unvertretbare Größen hinein. [Die Zeit, 20.08.1965, Nr. 34]
Die sterben dann fröhlich wichsend und rühren keine Banane an. [Müller, Heiner: Ich wünsche mir Brecht in der Peep-Show. In: “Zur Lage der Nation“, Berlin: Rotbuch-Verl. 1990 [1988], S. 60]
Zitationshilfe
„wichsen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wichsen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
wibbeln
wibbelig
wetzen
wettstreiten
wettsingen
wichteln
wichtig
wichtigtuend
wichtigtuerisch
wickeln