wickeln
GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwi-ckeln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wickeln‹ als Erstglied: ↗Wickelgamasche · ↗Wickelkind · ↗Wickelrock · ↗Wickelschürze · ↗Wickeltisch · ↗Wickeltuch
 ·  mit ›wickeln‹ als Letztglied: ↗abwickeln · ↗aufwickeln · ↗auseinanderwickeln · ↗auswickeln · ↗einwickeln · ↗herauswickeln · ↗herumwickeln · ↗herunterwickeln · ↗hineinwickeln · ↗umwickeln · ↗vollwickeln · ↗zusammenwickeln
 ·  Ableitung von ›wickeln‹: ↗bewickeln
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. Langes, Elastisches mehrmals um etw., um sich selbst herumlegen
a)
etw. auf, um, zu etw. wickelnetw. aufwickeln
Beispiele:
Draht, einen Faden, ein Band auf, um eine Rolle wickeln
Wolle auf ein, zu einem Knäuel wickeln
etw. wickeln
Beispiel:
jmdm. die Haare wickeln (= eindrehen)
jmdn. um den Finger wickeln salopp, bildlich jmdn. sehr leicht lenken, beeinflussen, bei jmdm. sehr viel erreichen
Beispiel:
na, den kann man doch um den (kleinen) Finger wickeln!
b)
etw. von etw. wickelnetw. abwickeln
Beispiel:
Garn von einer Rolle, Wolle von einem Knäuel wickeln
c)
etw. um etw., jmdn. wickelnetw. mehrmals fest um etw., jmdn. legen
Beispiele:
eine Binde um das kranke Bein wickeln
die Schlange hatte ihren Leib um einen Ast gewickelt
sich um etw. wickeln
Beispiele:
Schlingpflanzen hatten sich um ihre Füße gewickelt
ein krankes Bein wickeln (= eine Binde mehrmals fest um das kranke Bein legen)
2.
etw., jmdn., sich in etw. wickelnetw., jmdn., sich in etw. einwickeln, eine Umhüllung um etw., jmdn., sich legen
Beispiele:
die Schnitten in Butterbrotpapier wickeln
die Geldstücke waren in ein Tuch gewickelt
sich (fest) in eine Decke wickeln
ein Kind in Windeln wickeln
In seinen Mantel gewickelt, schlief er [MoloEin Deutscher151]
ein Baby wickelneinem Kind Windeln anlegen
Beispiele:
sie wickelte ihr Baby auf dem Wickeltisch am Ofen
Beim Wickeln drehte es sich [das Kind] schnell auf den Bauch [R. WernerBenario309]
3.
etw., jmdn. aus etw. wickelnetw., jmdn. aus seiner Umhüllung nehmen, auswickeln
Beispiele:
das Geschenk (umständlich) aus dem Papier wickeln
das Baby aus den Tüchern, Windeln wickeln
sich aus etw. wickeln
Beispiel:
sich aus den Decken wickeln
4.
etw. um etw., jmdn. wickelnetw. als Umhüllung, Schutz um etw., jmdn. legen
Beispiele:
Papier um das Paket, Buch wickeln
eine Decke um das Kind wickeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wickeln · Wickel · Wieche · abwickeln · einwickeln · verwickeln
wickeln Vb. ‘etw. windend zusammenrollen, um etw. herumwinden, einhüllen’, mhd. wickeln ‘windeln’; in fester Wendung jmdn. um den kleinen Finger wickeln ‘gefügig, willig machen’ (16. Jh.), schief gewickelt (‘falsch angelegt’, dann auch ‘im Irrtum’) sein (19. Jh.). Das Verb ist abgeleitet von dem Substantiv Wickel m. f. ‘abzuspinnendes, um den Rocken gewundenes Faserbündel’, allgemein ‘Gewickeltes, was gewickelt wird und was zum Wickeln dient’ (15. Jh.), besonders ‘Rolle, auf die etw. gewickelt wird’ (vgl. Haar-, Lockenwickel, -wickler), ‘feuchter Umschlag um Körperteile’ (17. Jh.), ahd. wickilī(n) (10. Jh.), wickel (Hs. 12. Jh.), mhd. wickel n. ‘Faserbündel um den Rocken’ (Übersetzungswort für lat. pēnsum, eigentlich ‘die einer Spinnerin zur täglichen Verarbeitung zugewogene Wollmenge’, s. ↗Pensum). Dieses stellt sich wie Wieche m. f. ‘Faserbündel, Docht, Lunte, Scharpie’, ahd. wioh, wiohha (11. Jh.), mhd. wieche m. f. ‘aus Garn gedrehter Docht, gedrehte Scharpie, Lunte’, mnd. wēke, mnl. wieke, nl. wiek, aengl. wēoce (mit dem Stammsilbenvokal germ. eu) und gleichbed. mhd. (md.) wicke, engl. wick (mit dem Stammsilbenvokal germ. i) sowie außergerm. aind. vāgurā́ ‘Schlinge, Fallstrick’, lat. vēlum ‘Segel, Hülle, Tuch’, air. figim ‘webe’ zu der unter ↗Wachs (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯eg- ‘weben, knüpfen, Gewebe, Gespinst’. Das maskuline Genus von Wickel entwickelt sich (17. Jh.) in Anlehnung an maskuline Gerätebezeichnungen auf el- (vgl. Flegel, Griffel, Schlüssel). In fester Wendung beim, am Wickel haben, kriegen, nehmen ‘am Kragen, Schopf fassen’ (19. Jh.), wohl zu Wickel in der Bedeutung ‘um den (Männer)zopf gewundenes Band’ (Wickelband). abwickeln Vb. ‘(von einer Rolle, Spule) abwinden, abrollen’ (16. Jh.), ‘(geschäftliche Dinge) erledigen, zum Abschluß bringen’ (2. Hälfte 18. Jh.). einwickeln Vb. ‘in Papier u. ä. verpacken’, übertragen ‘jmdn. betören’ (16. Jh.). verwickeln Vb. ‘umwinden’, übertragen ‘in unlösbare Verbindung bringen, umstricken’ (15. Jh.); dazu verwickelt Part.adj. ‘kompliziert’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufwickeln · ↗spulen · wickeln
Synonymgruppe
einhüllen · ↗einwickeln · ↗hüllen · ↗umhüllen · ↗verbinden · wickeln
Oberbegriffe
Synonymgruppe
wickeln · ↗windeln
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Decke Finger Folie Geschenkpapier Hals Handgelenk Handtuch Hüften Klebeband Laken Nabelschnur Plastikfolie Schal Schnur Seidenpapier Spulen Taschentuch Tuch Windeln Wolldecke Zeitungspapier ab abwickelt aufwickelt auswickelt einwickelt gefüttert herumwickelte zusammenwickelte

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wickeln‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Alle vier Stunden Babys trockenlegen, dann eins nach dem anderen vorsichtig auf das Sofa legen, in eine Decke wickeln.
Bild, 27.02.2006
Das Kind hatte nackt, in eine Decke gewickelt, in einem Container gelegen.
Die Welt, 16.09.1999
Um das zu vermeiden, mußt du sie eben öfter mal wickeln.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 155
Zwei von ihnen waren gleichmütig liegen geblieben, in ihre Mäntel gewickelt.
Frenssen, Gustav: Peter Moors Fahrt nach Südwest, Berlin: Grote 1920 [1906], S. 124
Sie schoben ihm Kissen in den Rücken und wickelten Decken um seine Füße.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 77
Zitationshilfe
„wickeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wickeln>, abgerufen am 23.02.2018.

Weitere Informationen …