widerstehen

GrammatikVerb · widersteht, widerstand, hat widerstanden
Aussprache
Worttrennungwi-der-ste-hen
Wortzerlegungwider-stehen
Wortbildung mit ›widerstehen‹ als Grundform: ↗Widerstand
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm., einer Sache widerstehender Versuchung, die von jmdm., einer Sache ausgeübt wird, nicht erliegen, jmdm., einer Sache gegenüber standhaft bleiben
Beispiele:
er konnte dem hübschen Mädchen, ihren schönen Augen nicht widerstehen
jmds. Bitten, Liebenswürdigkeit, Überredungskünsten, Verführungsversuchen, Schlichen (nicht) widerstehen (können)
der Verlockung, Versuchung, etw. zu tun, widerstehen
wenn das so nett gesagt wird, wer könnte da widerstehen?
Er brachte seine Bitte demütig und mit so viel einschmeichelndem Ernst vor ... daß ich lächeln mußte und nicht widerstehen konnte [JahnnNiederschrift2,325]
2.
gegen etw. widerstandsfähig sein, der Einwirkung einer Kraft standhalten
Beispiele:
dieses Material widersteht allen Beanspruchungen, Belastungen, Erschütterungen
die Rohre widerstanden dem hohen Druck
die Expeditionsmitglieder mussten dem rauen Klima, der Kälte widerstehen
3.
etw. widersteht jmdm.etw. ist jmdm. zuwider
a)
etw. erregt bei jmdm. durch einen bestimmten Geschmack oder Geruch Ekel, Widerwillen
Beispiel:
das fette Fleisch, diese Arznei, das (zu süße) Essen widersteht ihm
b)
etw. ist jmdm. äußerst unangenehm, entspricht nicht jmds. Absicht, Vorstellung
Beispiele:
es widersteht ihm, den Zuhörern eine lange Einführung zu geben
Es widersteht mir, Sie vor Gericht zu stellen [RennKrieg90]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) trotzen · (etwas) nicht auf sich sitzen lassen · (sich) (etwas) nicht gefallen lassen · ↗(sich) erwehren · (sich) seiner Haut zu wehren wissen · ↗(sich) sträuben · ↗(sich) verteidigen · ↗(sich) widersetzen · (sich) zur Wehr setzen · Trotz bieten · Widerstand leisten · die Stirn bieten · widerstehen  ●  (sich) auf die Hinterbeine stellen  fig. · (sich) nichts gefallen lassen  Hauptform · ↗(sich) wehren  Hauptform · wider den Stachel löcken  geh., veraltend
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (sich) erbittert wehren · (sich) körperlich zur Wehr setzen · (sich) nach Leibeskräften widersetzen · (sich) vehement wehren  ●  (sich) mit Händen und Füßen wehren  auch figurativ · (sich) mit Zähnen und Klauen verteidigen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
erwehren · ↗opponieren · ↗widersetzen · widerstehen
Synonymgruppe
(einer Versuchung) nicht erliegen · nicht nachgeben · ↗standhalten · widerstehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aggression Anfechtung Ansinnen Ansturm Avance Begehrlichkeit Charme Dauer Drang Druck Drängen Einflüsterung Lockruf Lockung Pression Reiz Sog Verführung Verlangen Verlockung Versuch Versuchung Werben Zeitgeist hartnäckig kaum lange standhaft tapfer widerstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›widerstehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es hat sogar seine Augen, wie kann er da widerstehen?
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 38
Und sie wußte: wenn sie erst einmal kamen, würde sie ihnen nicht widerstehen können.
Der Tagesspiegel, 18.09.1998
Am Ende nützt es allen nichts, länger als 90 Minuten kann keiner der Männer ihr widerstehen, glücklich ergeben sie sich in ihr meistens lebenslanges Schicksal.
Süddeutsche Zeitung, 12.02.1994
Sie hatte nicht widerstehen können, sie war dumm gewesen, und jetzt war sie töricht.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 145
Ein zweites Mal hätte ich wohl nicht die Kraft, Deinen heißen Bitten zu widerstehen.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 175
Zitationshilfe
„widerstehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/widerstehen>, abgerufen am 13.12.2019.

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