widrig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung wid-rig
Wortzerlegung wider-ig
Wortbildung  mit ›widrig‹ als Erstglied: ↗Widrigkeit · ↗widrigenfalls  ·  mit ›widrig‹ als Grundform: ↗-widrig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Widerwillen erregend
  2. 2. ungünstig
eWDG

Bedeutungen

1.
Widerwillen erregend
Beispiele:
der beklemmende, widrige Dunst von Unrat, Fäulnis und kalter Feuchtigkeit [ G. Hauptm.Quint1,97]
ich ... unterschied bald Deine einzelnen Bekannten und teilte sie in solche, die mir lieb, und solche, die mir widrig waren [ St. ZweigAmok75]
2.
ungünstig
Beispiele:
das Schiff hatte mit widrigen Winden zu kämpfen
widrige Umstände
ein widriges Geschick
Bisher ergebnislose Bergungsversuche widrigen Wetters wegen abgebrochen [ UhseBertram19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
dürftig · ↗lausig · ↗nachteilig · ↗negativ · ↗schädlich · ↗ungut · ↗ungünstig · von Nachteil · widrig  ●  ↗schlecht (für)  Hauptform · zu wünschen übrig lassen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
unangebracht · ↗unangemessen · ↗unbrauchbar · ↗ungeeignet · ↗ungünstig · ↗unpassend · ↗untauglich · ↗unzweckmäßig · widrig  ●  ↗importun  geh. · ↗inadäquat  geh., lat.
Synonymgruppe
leidig · ↗lästig · ↗misslich · ↗missliebig · nicht erwünscht · nicht wünschen · nicht wünschenswert · ↗schlecht · ↗schlimm · ↗schrecklich · störend · ↗unangenehm · ↗unbequem · ↗unerfreulich · ↗unerquicklich · ↗unerwünscht · ↗ungeliebt · ↗ungut · ↗unliebsam · ↗unschön · ↗unwillkommen · wenig beneidenswert · widrig · ↗ärgerlich  ●  ↗blöd (ärgerlich)  ugs. · ↗böse (Überraschung, Erwachen ...)  ugs. · ↗dumm (ärgerlich)  ugs. · etwas Dummes  ugs. · ↗unkomfortabel  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›widrig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

BedingungBeispielsätze anzeigen BegleitumstandBeispielsätze anzeigen BodenverhältnisBeispielsätze anzeigen BranchenumfeldBeispielsätze anzeigen LebensumstandBeispielsätze anzeigen LichtverhältnisBeispielsätze anzeigen MarktbedingungBeispielsätze anzeigen MarktumfeldBeispielsätze anzeigen MarktverhältnisBeispielsätze anzeigen Naturereignis PlatzverhältnisBeispielsätze anzeigen StraßenverhältnisBeispielsätze anzeigen UmstandBeispielsätze anzeigen UmweltbedingungBeispielsätze anzeigen UmwelteinflußBeispielsätze anzeigen UmweltverhältnisBeispielsätze anzeigen WetterBeispielsätze anzeigen WetterbedingungBeispielsätze anzeigen WetterverhältnisBeispielsätze anzeigen WindbedingungBeispielsätze anzeigen WindeBeispielsätze anzeigen WindverhältnisBeispielsätze anzeigen WitterungBeispielsätze anzeigen WitterungnsbedingungBeispielsätze anzeigen WitterungnsumstandBeispielsätze anzeigen WitterungnsverhältnisBeispielsätze anzeigen WitterungseinflußBeispielsätze anzeigen Wuchsbedingung ZeitlaufBeispielsätze anzeigen ZeitumstandBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›widrig‹.

Verwendungsbeispiele für ›widrig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier ist jemand auf jede noch so widrige Situation vorbereitet!
Der Tagesspiegel, 16.07.2004
Diese fetischistische Freude an schönen Büchern an sich ist auch mir stets etwas widrig.
Die Zeit, 17.10.1997, Nr. 43
Noch den widrigsten Umständen gewinnst du, wenn auch nicht immer klingende Münzen, so doch wenigstens klingende Worte ab.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 30
Warum zeigt mir auf einmal die Welt ihre sonst verborgene scheußliche Unflätigkeit in zahllosen ekligen und widrigen Bildern?
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 45
Es war ein widriger, böser Traum, der ihn heimgesucht hatte.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 254
Zitationshilfe
„widrig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/widrig>, abgerufen am 04.05.2021.

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