wieder

GrammatikAdverb
Aussprache
Worttrennungwie-der (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wieder‹ als Erstglied: ↗Wiederanpassung · ↗Wiederbeginn · ↗Wiederbetätigung · ↗Wiedereintritt · ↗Wiedergeburt · ↗Wiederinkrafttreten · ↗Wiederinstandsetzung · ↗Wiedertäufer · ↗Wiederurbarmachung · ↗Wiedervorlage · ↗Wiederwahl
 ·  mit ›wieder‹ als Letztglied: ↗hinwieder  ·  mit ›wieder‹ als Grundform: ↗wieder-
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
drückt aus, dass etw. (nach einem gewissen Zeitraum) erneut geschieht, ein früherer Zustand, Tatbestand von neuem besteht
a)
Beispiele:
er ist wieder da
ich bin gleich wieder hier
da bin ich wieder
ich hoffe, bis dahin wieder gesund zu sein
werde bald wieder gesund!
wann kommst du wieder nach B?
umgangssprachlich wann kommst du wieder mal nach B?
abermals, noch einmal, ein zweites Mal
Beispiele:
ein so teures Geschenk sollst du mir nicht wieder schenken
so jung kommen wir nicht wieder zusammen
er klopfte, und da niemand zu hören schien, klopfte er wieder
der Antrag wurde auf der zweiten Sitzung wieder abgelehnt
das darfst du nie wieder tun
einmal und nie wieder (habe ich dir beigestanden)
b)
drückt Erstaunen, Missfallen aus   auch dieses Mal (wie schon öfter)
Beispiele:
wieder ist eine Woche vergangen
fang doch nicht wieder damit an!
umgangssprachlich, abwertend wie du wieder aussiehst!
umgangssprachlich, abwertend was hat denn das Kind da wieder angestellt?
salopp wie du wieder geschmiert hast!
wieder hatte er Glück, dass er nicht ertappt worden ist
in Verbindung mit vorangestelltem »und« zwischen denselben Wörtern
dient zur Verstärkung
Beispiele:
diese zarten Pflanzen muss man pflegen und wieder pflegen
er braucht Geld und wieder Geld
nein und wieder nein!
wieder und wieder, immer wiederimmer noch einmal
Beispiele:
er überlegte wieder und wieder, was er tun sollte
wieder und wieder las er die Mitteilung und konnte sie nicht fassen
wieder und (immer) wieder rief er an
etw. immer wieder üben, ausprobieren, versuchen
was man immer wieder hört, behält man endlich
wieder einmal
Beispiele:
sieht man dich wieder einmal?
damit hast du wieder einmal das Richtige getroffen
schon wieder
Beispiel:
er hatte gestern schon wieder einen Anfall
drückt oft den Unwillen des Sprechers aus
Beispiele:
seid ihr schon wieder da?
umgangssprachlich was gibt's schon wieder?
umgangssprachlich was willst du denn schon wieder?
umgangssprachlich da kommt er ja schon wieder
um, für, wegen nichts und wieder nichtsum, für, wegen gar nichts
Beispiele:
um nichts und wieder nichts streiten, sich sorgen, ein Kind bestrafen
er hat das für nichts und wieder nichts (= umsonst) getan
wegen nichts und wieder nichts hat das Kind geweint
hin und wiedermanchmal, zuweilen
Beispiele:
hin und wieder treffen wir uns, kommt er uns besuchen
hin und wieder muss das erneuert werden
c)
drückt eine durch Wiederholung einer ähnlichen Handlung, eines ähnlichen Tatbestandes bedingte Übereinstimmung aus   auch, ebenfalls
Beispiele:
sie hatte vier Kinder, die alle wieder vier Kinder hatten
man versuchte eine neue Therapie, die wieder ohne Erfolg blieb
drückt eine Reaktion auf eine vorausgehende gleiche Handlung aus
Beispiele:
das Mädchen gefiel ihm, und er wollte ihr wieder gefallen
sie lachte ihn an, und er hat sie wieder angelacht
er hat ihr geschrieben, und sie hat ihm wieder geantwortet
er half ihr, und sie war ihm wieder gefällig
d)
drückt eine Rückkehr aus   zurück
Beispiele:
nun ging er wieder in das Haus, aus dem er eben gekommen war
er legte das Buch wieder an die richtige Stelle
der Taucher kommt wieder an die Oberfläche
ich möchte wieder in die Stadt, in der ich so viele Jahre gelebt habe
2.
kann ausdrücken, dass nicht durch eine erneute, sondern durch eine erstmalige Handlung eine Veränderung zu einem früher bestehenden, nicht besonders ausgesprochenen Zustand herbeigeführt wird
Beispiele:
hebe den Ball wieder auf!
gehst du schon wieder weg, du bist doch eben erst gekommen?
es wird schon wieder werden
er wollte das alles bei ihm wieder gut machen
er wurde wieder in Gnaden aufgenommen
Bruno mußte erst einen Augenblick warten, bis das Herzklopfen wieder nachließ [SchnurreRechnung11]
3.
leitet von einer Handlung, einem Tatbestand zu einer anderen Handlung, einem anderen Tatbestand weiter
Beispiele:
er hatte das Problem schon als gelöst betrachtet, doch unter diesem neuen Aspekt war es wieder sehr interessant, darüber zu schreiben
man muss alle Fakten zur Beurteilung dieses Falles kennen, aber es ist wieder schwierig, sie zu erfahren
er hatte in seiner Arbeit etwas Wichtiges herausgefunden, und das gab wieder der ganzen Forschung auf diesem Gebiet einen neuen Antrieb
4.
im Übergang zur Konjunktion
setzt verschiedene (übereinstimmende) Handlungen, Tatbestände miteinander in Beziehung
Beispiele:
er half ihr, und sie wieder half ihm (= er half ihr, und sie ihrerseits half ihm)
er wieder (= seinerseits) weiß, daß ich in geistigen Dingen keine Relativität zulasse [K. KrausSprache45]
drückt einen Gegensatz, Unterschied aus   dagegen, im Gegensatz dazu
Beispiele:
einmal laut, dann wieder flüsternd
wie die tapfer gewesen war, ja frech, und dann wieder voll von unverständlicher Angst [Feuchtw.Simone163]
anders betrachtet, andererseits
Beispiele:
ich möchte daran teilnehmen und möchte es auch wieder nicht
das Fahrrad gehört mir und gehört mir auch wieder nicht
man kann das Problem als gelöst ansehen und auch wieder nicht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
abermals · aufs Neue · ein weiteres Mal · ↗erneut · ↗neuerlich · nicht zum ersten Mal · noch einmal · noch mal · nochmal · ↗nochmalig · ↗nochmals · schon wieder · von Neuem · wie gehabt · wieder · wieder einmal · ↗wiederholt · wiederkehrend · ↗wiederum · zum wiederholten Mal · zum wiederholten Male  ●  einmal mehr  geh.
Assoziationen
  • andauernd · ↗endlos · immer wieder einmal · immer wieder mal · immer wiederkehrend · in regelmäßigen Abständen · ↗laufend · ↗turnusmäßig · wieder und wieder · ↗wiederholt · wiederholte Male · zum wiederholten Male  ●  (und) täglich grüßt das Murmeltier  Spruch · immer wieder  Hauptform · (es ist) immer wieder das Gleiche  ugs. · aber und abermals  geh., veraltet · ↗dauernd  ugs. · ein(s) ums andere Mal  ugs. · ↗ewig  ugs. · immer und ewig  ugs. · immer wieder das gleiche Spiel  ugs. · ↗ständig  ugs.
  • Wiederholung  ●  ↗Neuauflage  fig.
  • (wieder) das Übliche · ewig dasselbe · immer das gleiche · immer dasselbe · immer dieselbe (alte) Leier · kennt man schon  ●  das alte Lied  ugs., fig. · die alte Leier  ugs., fig.
  • (wieder) das Übliche · das alte Lied · ewig dasselbe · immer das gleiche · immer dasselbe · immer dieselbe (alte) Leier · kennt man schon  ●  die alte Leier  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

anfangen anziehen aufbauen aufnehmen auftauchen bekommen bringen deutlich erholen finden fit frei geben gehen herstellen hören kommen lassen machen neu sitzen spielen steigen verlassen verschwinden versuchen voll zurückkehren zurückkommen öffnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wieder‹.

Zitationshilfe
„wieder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wieder>, abgerufen am 16.11.2018.

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