Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wiederkäuen

Grammatik Verb · käut wieder, käute wieder, hat wiedergekäut
Aussprache 
Worttrennung wie-der-käu-en
Wortzerlegung wieder- kauen
Wortbildung  mit ›wiederkäuen‹ als Erstglied: Wiederkäuer
eWDG

Bedeutung

Paarhufer käuen wiederPaarhufer kauen das vom Magen in das Maul zurückgelangte Futter noch einmal
Beispiele:
die Kühe, Schafe lagen auf der Weide und käuten (bedächtig, ruhig) wieder
das Gras wiederkäuen
salopp, übertragen etw. in langweiliger, unschöpferischer Form wiederholen, noch einmal sagen, behandeln
Beispiele:
in seinem Vortrag hat er nur das wiedergekäut, was der Lehrer gesagt hatte, was in dem Lehrbuch stand
eine Lektion, den Lehrstoff wiederkäuen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kauen · wiederkäuen · Wiederkäuer · Kautabak · Kaugummi
kauen Vb. ‘mit den Zähnen zerkleinern, malmen’. Die ältesten Formen des ursprünglich stark flektierten germ. Verbs sind ahd. kiuwan (8. Jh.), mhd. kiuwen, kiun, aengl. cēowan und (mit Anlautveränderung durch Dissimilation oder unter Einfluß von bedeutungsähnlichem anord. tǫgla ‘kauen, nagen’) anord. tyggja, tyggva. Neben mhd. kiuwen, das in nhd. käuen bis ins 18. Jh. lebendig bleibt, findet sich im 14. Jh. die für die heute übliche Lautgestalt vorauszusetzende Variante mhd. (md.) kūwen, die bereits (ebenso wie mnd. kouwen, mnl. cauwen, nl. kauwen, engl. to chew, schwed. tugga ‘kauen’) dem Paradigma der schwachen Verben folgt. Der Übergang zur schwachen Flexion ist bei frühnhd. käuen, kauen im 16. Jh. allgemein vollzogen. Der Vergleich mit außergerm. Entsprechungen wie serb.-kslaw. žьvati, russ. ževát’ (жевать) ‘kauen’, lit. žiáunos (Plur.) ‘Kiefer, Kiemen’, pers. ǰāvīdan ‘kauen’ führt auf die Wurzel ie. *g(i̯)eu-, *g̑(i̯)eu- ‘kauen’. Die Form käuen ist im Nhd. bis zur Gegenwart erhalten in wiederkäuen Vb. ‘nochmals kauen’ (bezogen auf bestimmte Paarhufer). Das seit dem 15. Jh. belegte Kompositum ersetzt nicht mehr verstandenes (und nur mannigfaltig entstellt in den Mundarten fortlebendes) gleichbed. ahd. itarucken (9. Jh.), mhd. it(e)rücken, aus ahd. it(a)- ‘wieder’ und germ. *rukjan ‘sich erbrechen, rülpsen’, vgl. lat. ērūgere ‘ausrülpsen’, ructāre ‘rülpsen, ausspeien’, russ. rygát’ (рыгать) ‘rülpsen, wiederkäuen’. Wiederkäuer m. ‘wiederkäuender Paarhufer’, als Nomen agentis vereinzelt schon im 16. Jh. (bei Fischart) gebildet, tritt in den 20er Jahren des 19. Jhs. an die Stelle des älteren zoologischen Fachausdrucks wiederkäuendes Tier (17. Jh.). Kautabak m. (2. Hälfte 19. Jh.), nach engl. chewing-tobacco (1835); vgl. die bereits im 18. Jh. vorkommende Fügung Tabak kauen. Kaugummi m. (20er Jahre 20. Jh.), nach amerik.-engl. chewing gum (1864).

Verwendungsbeispiele für ›wiederkäuen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eines Nachts kampieren sie in einem Stall, eine Kuh liegt da, wiederkäuend. [Süddeutsche Zeitung, 23.07.1994]
Ich zähle nicht seine Steine und wiederkäue nicht meine Worte. [Süddeutsche Zeitung, 02.05.2001]
Nur der eingefleischte Tourist – glücklich, glotzend, wiederkäuend kann ihren Pfaden noch in der Überzeugung folgen, seine Zeit nicht zu vertun. [Süddeutsche Zeitung, 27.03.1996]
Dort kommt das Heu hinein, welches die Kuh ausdauernd wiedergekäut hat. [Süddeutsche Zeitung, 18.10.2004]
Nur noch einmal wiederzukäuen, was gewesen ist, das interessiert uns nicht. [Der Tagesspiegel, 25.05.2002]
Zitationshilfe
„wiederkäuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wiederk%C3%A4uen>.

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