wiegen

GrammatikVerb · wog, hat gewogen
Aussprache
Worttrennungwie-gen
Wortbildung mit ›wiegen‹ als Letztglied: ↗abwiegen · ↗aufwiegen · ↗auswiegen · ↗einwiegen2 · ↗nachwiegen · ↗vorwiegen · ↗überwiegen
 ·  formal verwandt mit: ↗vorwiegend
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw., jmdn., sich wiegenmit einer Waage das Gewicht von etw., jmdm., sich feststellen
Beispiele:
die Zutaten für den Kuchen wiegen
die Verkäuferin wog die Äpfel, das Fleisch
sie hat (die Wurst) knapp, reichlich, genau, richtig gewogen
bei der ärztlichen Untersuchung wurden alle Kinder gewogen
sie wiegt sich jeden Morgen
etw. in der Hand wiegendas Gewicht von etw., das man auf, in der Hand hat, schätzen
Beispiel:
er wog das Päckchen, den Stein in der Hand
etw. in einem Augenblick des Überlegens, als wolle man das Gewicht schätzen, in der Hand halten
Beispiele:
Herr von Trotta wog das Schreiben in der Hand, bevor er es öffnete [J. RothRadetzkymarsch317]
Unschlüssig wog er den Band in seinen Händen [KasackStadt538]
2.
ein bestimmtes Gewicht haben
Beispiele:
das Brot wiegt ein halbes Kilo
das Paket wiegt fast, genau, über zehn Kilo
wie viel wiegst du?
die Verpackung, der Sack, Koffer wog schwer, leicht (= war schwer, leicht)
er wiegt zu viel, zu wenig (= er ist zu schwer, zu leicht)
übertragen
Beispiele:
bedenke, was ein gutes, böses Wort wiegt (= bedeutet)
Vergiß nicht, was ein Freund wiegt in der Not [SchillerJungfr. v. OrleansIII 4]
etw. wiegt schwer, viel, leicht, wenigetw. ist von großer, geringer Bedeutung
Beispiele:
etw. wiegt wenig gegenüber etw. anderem
seine Einwände, Drohungen wogen nicht schwer, viel
das Argument, die Beschuldigung, Anzeige, sein Ratschlag wog schwer
Mit einemmal fiel ihm alles ein, aber es wog leicht jetzt im hellen Tag [St. ZweigNovellen1,54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wiege · wiegen1 · Wiegendruck
Wiege f. ‘zum Schaukeln eingerichtetes, ursprünglich frei an Deckenbalken hängendes Kinderbett’, ahd. wiega (Hs. 12. Jh.), mhd. wiege, (md.) wige, mnd. wēge, mnl. wieghe, nl. wieg. Daneben stehen ablautend die gleichbed. Formen ahd. waga (9. Jh.), wiga, wega (11. Jh.), mhd. wage und (mit expressiver Konsonantendoppelung) anord. schwed. vagga, die sich an die unter ↗bewegen (s. d.) angeführte Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’ anschließen. Ahd. wiega, mhd. wiege, nhd. Wiege und seine unmittelbaren Verwandten dürften dagegen eine auf dem iterativen Charakter des Wortes (‘das sich Bewegende, das Schaukelnde’) beruhende reduplizierende Wurzelform ie. *u̯eug̑h- (germ. *weug-) voraussetzen. wiegen1 Vb. ‘ein Kind in der Wiege schaukeln’ (Ende 15. Jh.), dann auch ‘(sich) hin und her bewegen, schwanken’ (17. Jh.); vom Substantiv abgeleitet. Wiegendruck m. ‘Druck aus der Frühzeit (bis 1500) des Buchdrucks’ (1. Hälfte 19. Jh., geläufig gegen Ende 19. Jh.), zu Wiege im Sinne von ‘Ursprung, erster Anfang’, Verdeutschung von ↗Inkunabel (s. d.).

wiegen2 Vb. ‘Gewicht haben, auf die Waage legen und das Gewicht feststellen’, Neubildung mit dem Stammsilbenvokal der Präsensformen du wiegst, er wiegt des unter ↗wägen (s. d.) dargestellten Verbs, dessen Präteritalformen (wog, gewogen) jedoch beibehalten werden. Diese Entwicklung beginnt im 16. Jh. und setzt sich im 17. und 18. Jh. in der Literatursprache durch. wiegen drängt danach (nicht aber im fachsprachlichen Bereich) das ältere wägen zurück, das auf die Bedeutung ‘vorsichtig bedenken’ verengt wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
oszillieren · ↗pendeln · ↗schaukeln · ↗schwingen · wiegen
Synonymgruppe
wiegen · ↗wägen
Synonymgruppe
abwiegen · ↗auswiegen · ↗einwiegen · wiegen
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Gewicht von (... kg) haben  ●  (ein bestimmtes Gewicht) auf die Waage bringen  fig. · (soundsoviel) wiegen  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Einwand Geburt Gramm Haupt Hüfte Illusion Kg Kilo Kilogramm Kopf Körpergröße Schlaf Schwere Sicherheit Takt Tonne Vorwurf Wind Zentner abwiegen aufwiegen doppelt her hin messen missen schwer viel weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wiegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der ideelle Wert wiegt schwerer als das Angebot des Händlers.
Die Welt, 30.11.2004
Schlimmer wiegt der politische Schaden, weil die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird.
Der Tagesspiegel, 02.10.2003
Es ist nur eine Arbeit erschienen, aber sie wiegt um so schwerer.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 389
Die Decke aus Holz, die darüber gelegt ist, wiegt leicht.
Gudenrath, Eduard: Geist und Gestalt in der Baukunst, Berlin: Oestergaard 1929, S. 21
Diese wog er, und ich mußte genau achthaben, daß er nicht schwindelte; auch beim Ausrechnen des Preises, den er dafür bezahlte, hatte ich recht aufzupassen.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 17045
Zitationshilfe
„wiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wiegen#1>, abgerufen am 15.12.2018.

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wiegen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwie-gen
Wortbildung mit ›wiegen‹ als Erstglied: ↗Wiegebraten · ↗Wiegemesser  ·  mit ›wiegen‹ als Letztglied: ↗einwiegen1
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn., sich sanft und leicht schaukeln
a)
ein kleines Kind (in der Wiege) schaukeln, um es zu beruhigen oder zum Schlafen zu bringen
Beispiele:
ein Baby in der Wiege, in den Armen wiegen
die Mutter hat das Baby in den Schlaf, zur Ruhe gewiegt
bildlich
Beispiel:
[er schlief ein] von der gleichmäßigen Bewegung des Wagens gewiegt [Bergengr.Heiraten96]
b)
sich in, auf etw. wiegensich in, auf etw. hin- und herbewegen
Beispiele:
jmd. wiegt sich im Schaukelstuhl
sie wiegte sich in seinen Armen
die Vögel wiegten sich auf den Baumkronen
2.
etw., jmd. wiegt sichetw., jmd. bewegt sich in weichen, fließenden, regelmäßigen Bewegungen hin und her
Beispiele:
die Blumen, Halme, Ährenfelder, Zweige wiegten sich im Wind
sich auf den Zehenspitzen wiegen
sie wiegten sich im Tanz
die Tanzenden wiegten sich zu den Klängen der Musik, im Takt
sich beim Gehen in den Hüften wiegen
eine wiegende Bewegung des Körpers
ein wiegender Gang
eine Walzermelodie ... nach der ihr voller, weicher Körper sich zu wiegen begann [Ric. HuchConfalonieri424]
Er ging wiegend und so sicher wie ein Kapitän auf seinem guten Schiff [H. Mann9,42]
etw. wiegenetw. seitlich hin- und herbewegen
Beispiele:
die Eisbären wiegen den Kopf, wenn sie wittern
den Oberkörper wiegen
Viele fächelnde, die Hüften wiegende junge Frauen [H. Mann2,84]
den Kopf wiegenden Kopf als äußeres Zeichen einer inneren Bewegung, des Nachdenkens seitlich hin- und herbewegen
Beispiele:
den Kopf nachdenklich, sorgenvoll, wohlgefällig, zweifelnd, bedauernd, vielsagend wiegen
jmd. versinkt in Gedanken und wiegt den Kopf
mit etw. wiegensich mit etw. seitlich hin- und herbewegen
Beispiel:
voll innerer Unruhe begann er mit dem Oberkörper zu wiegen
etw. wiegt sichetw. bewegt sich auf und ab (und in eine Richtung)
Beispiele:
das Boot wiegt sich auf den Wellen, im Wind
ein Vogel, Schmetterling, Ballon, Drachen wiegt sich in der Luft
Was wissen wir vom Meer andres, als daß es sich zuzeiten wiegt und zuzeiten die Ufer einreißt [NossackSpirale103]
etw. wiegt etw.
Beispiel:
die Wellen wiegen den Kahn
3.
sich in einer Vorstellung wiegensich einer Vorstellung hingeben
Beispiele:
sich in angenehmen, eitlen Vorstellungen, in Selbstzufriedenheit, Ruhe wiegen
sich in dem (trügerischen) Glauben, in der Hoffnung wiegen, dass ...
Johannes Timpe lächelte still vergnügt vor sich hin, wie ein Mann es zu tun pflegt, der sich in rosigen Träumen wiegt [KretzerTimpe103]
sich in Sicherheit wiegensich in Sicherheit glauben
Beispiel:
er beachtete die Warnungen nicht, sondern wiegte sich in Sicherheit
jmdn. in Sicherheit wiegenbewirken, dass sich jmd. (unbegründeterweise) für sicher, ungefährdet hält
Beispiele:
jmdm. etw. Beruhigendes, Unwahres, Falsches sagen, um ihn in Sicherheit zu wiegen
er schützte eine Reise vor, um die Frau in Sicherheit zu wiegen [Wasserm.Wahnschaffe1,83]
Die Hochkonjunktur und ein bescheidener Wohlstand hatten einen gewissen Teil der Arbeiterschaft in eine trügerische Sicherheit gewiegt [Weltbühne1959]
4.
etw. mit dem Wiegemesser zerkleinern
Beispiel:
Küchenkräuter, hartgekochte Eier, Spinat (fein) wiegen
oft im Part. Prät.
Beispiele:
gewiegte Petersilie, Zwiebeln
gewiegtes Fleisch
ostmitteldeutsch Gewiegtes (= Gehacktes, Schabefleisch)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wiege · wiegen1 · Wiegendruck
Wiege f. ‘zum Schaukeln eingerichtetes, ursprünglich frei an Deckenbalken hängendes Kinderbett’, ahd. wiega (Hs. 12. Jh.), mhd. wiege, (md.) wige, mnd. wēge, mnl. wieghe, nl. wieg. Daneben stehen ablautend die gleichbed. Formen ahd. waga (9. Jh.), wiga, wega (11. Jh.), mhd. wage und (mit expressiver Konsonantendoppelung) anord. schwed. vagga, die sich an die unter ↗bewegen (s. d.) angeführte Wurzel ie. *u̯eg̑h- ‘bewegen, ziehen, fahren’ anschließen. Ahd. wiega, mhd. wiege, nhd. Wiege und seine unmittelbaren Verwandten dürften dagegen eine auf dem iterativen Charakter des Wortes (‘das sich Bewegende, das Schaukelnde’) beruhende reduplizierende Wurzelform ie. *u̯eug̑h- (germ. *weug-) voraussetzen. wiegen1 Vb. ‘ein Kind in der Wiege schaukeln’ (Ende 15. Jh.), dann auch ‘(sich) hin und her bewegen, schwanken’ (17. Jh.); vom Substantiv abgeleitet. Wiegendruck m. ‘Druck aus der Frühzeit (bis 1500) des Buchdrucks’ (1. Hälfte 19. Jh., geläufig gegen Ende 19. Jh.), zu Wiege im Sinne von ‘Ursprung, erster Anfang’, Verdeutschung von ↗Inkunabel (s. d.).

wiegen2 Vb. ‘Gewicht haben, auf die Waage legen und das Gewicht feststellen’, Neubildung mit dem Stammsilbenvokal der Präsensformen du wiegst, er wiegt des unter ↗wägen (s. d.) dargestellten Verbs, dessen Präteritalformen (wog, gewogen) jedoch beibehalten werden. Diese Entwicklung beginnt im 16. Jh. und setzt sich im 17. und 18. Jh. in der Literatursprache durch. wiegen drängt danach (nicht aber im fachsprachlichen Bereich) das ältere wägen zurück, das auf die Bedeutung ‘vorsichtig bedenken’ verengt wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
oszillieren · ↗pendeln · ↗schaukeln · ↗schwingen · wiegen
Synonymgruppe
wiegen · ↗wägen
Synonymgruppe
abwiegen · ↗auswiegen · ↗einwiegen · wiegen
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Gewicht von (... kg) haben  ●  (ein bestimmtes Gewicht) auf die Waage bringen  fig. · (soundsoviel) wiegen  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Einwand Geburt Gramm Haupt Hüfte Illusion Kg Kilo Kilogramm Kopf Körpergröße Schlaf Schwere Sicherheit Takt Tonne Vorwurf Wind Zentner abwiegen aufwiegen doppelt her hin messen missen schwer viel weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wiegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der ideelle Wert wiegt schwerer als das Angebot des Händlers.
Die Welt, 30.11.2004
Schlimmer wiegt der politische Schaden, weil die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt wird.
Der Tagesspiegel, 02.10.2003
Es ist nur eine Arbeit erschienen, aber sie wiegt um so schwerer.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1934, S. 389
Die Decke aus Holz, die darüber gelegt ist, wiegt leicht.
Gudenrath, Eduard: Geist und Gestalt in der Baukunst, Berlin: Oestergaard 1929, S. 21
Diese wog er, und ich mußte genau achthaben, daß er nicht schwindelte; auch beim Ausrechnen des Preises, den er dafür bezahlte, hatte ich recht aufzupassen.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 17045
Zitationshilfe
„wiegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wiegen#2>, abgerufen am 15.12.2018.

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