wiehern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwie-hern
Wortbildung mit ›wiehern‹ als Letztglied: ↗Gewieher · ↗anwiehern · ↗aufwiehern
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
das Pferd wiehertdas Pferd lässt seine Stimme hell und zitternd ertönen
Beispiele:
das Pferd wiehert laut, hell, vor Freude, Ungeduld
mit leisem, freudigem Wiehern begrüßt der Hengst die Stute, seinen Herrn
Und das Roß, den Stall witternd, wieherte in die Nacht [ViebigSchlafendes Heer463]
2.
salopp, übertragen sehr laut, ungehemmt und in hohen Tönen über etw. lachen
Beispiele:
bei den Vorführungen der Clowns wieherte das Publikum vor Vergnügen
über den Witz wieherte die ganze Gesellschaft, Klasse
das ist ja zum Wiehern!
sie wieherten (= kreischten) vor Lachen
er schlug sich wiehernd auf die Schenkel
ein wieherndes (= kreischendes) Gelächter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wiehern Vb. ‘Laut geben, Laute ausstoßen’, (von verschiedenen Tieren, besonders vom Pferd), übertragen ‘laut lachen’ frühnhd. wy(h)ern (15. Jh.) ist eine Iterativbildung zu gleichbed. ahd. wihōn (Hs. 12. Jh.), mhd. wihen(en), das ablautend neben ahd. (h)weiōn (8. Jh.), mhd. weien, weijen, weigen steht. Vergleichbar sind auch isl. hvía ‘wiehern’, schwed. (mundartlich) hwija ‘laut oder heftig schreien’ und s-haltige Weiterbildungen wie ↗winseln, ↗wispeln und ↗wispern (s. d.). Es handelt sich offensichtlich um schallnachahmende Verben, die sich an eine Grundform germ. *hwī̌- anschließen. Außergerm. stehen lautlich nahe kslaw. vištati, visnǫti ‘mucken, halblaut reden’, aruss. viskati ‘wiehern’, russ. vizžát’ (визжать) ‘wimmern, winseln’, aslaw. svistanịje ‘Gepfeife’, aruss. svistati, russ. svistát’ (свистать) ‘pfeifen’, aruss. svistъ, russ. svist (свист) ‘das Pfeifen, Zischen’, so daß eine Schallwurzel ie. *k̑u̯ei- ‘zischen, pfeifen, wiehern u. dgl.’ angenommen werden kann.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) (auf dem Boden) wälzen vor Lachen · ↗(sich) (beinahe) totlachen · (sich) (die) Seiten halten (müssen) vor Lachen · (sich) ausschütten vor Lachen · (sich) biegen vor Lachen · (sich) den Bauch halten vor Lachen · (sich) festhalten müssen vor Lachen · ↗(sich) kaputtlachen · (sich) kugeln (vor Lachen) · (sich) nicht / kaum noch halten können vor Lachen · Tränen lachen · Tränen weinen vor Lachen · aus vollem Halse lachen · dröhnend lachen · einen Lachanfall haben · einen Lachflash haben · ↗grölen (vor Lachen) · herausplatzen vor Lachen · hysterisch lachen · schallend lachen · wiehernd lachen  ●  (sich fast) in die Hose machen vor Lachen  ugs. · (sich) 'nen Ast lachen  ugs. · (sich) (auf dem Boden) kugeln vor Lachen  ugs. · (sich) (beinahe) wegschmeißen (vor Lachen)  ugs. · (sich) (fast) bepissen vor Lachen  derb · (sich) bekringeln (vor Lachen)  ugs. · (sich) beömmeln  ugs. · (sich) flachlegen vor Lachen  ugs. · (sich) halbtot lachen  ugs. · ↗(sich) kranklachen  ugs. · (sich) kringeln (vor Lachen)  ugs. · (sich) krumm und bucklig lachen  ugs. · (sich) krumm und schieflachen  ugs. · (sich) nicht mehr / kaum noch einkriegen vor Lachen  ugs. · (sich) scheckig lachen  ugs. · (sich) schepp lachen  ugs., variabel · ↗(sich) schieflachen  ugs. · (sich) schlapplachen  ugs. · ↗(sich) weglachen  ugs. · fast sterben vor Lachen  ugs. · ↗geiern  ugs., regional · in die Tischkante beißen vor Lachen  ugs. · ↗losgrölen  ugs. · ↗losprusten  ugs. · loswiehern  ugs. · rumgeiern  ugs. · wiehern  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Amtsschimmel Esel Gaul Hengst Lache Pferd Pony Roß Saal Stute Vergnügen auf bellen brüllen da draußen entgegen krähen lachen laut leise los prusten schnauben stampfen zu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wiehern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bocke, ich schnaube, ich wiehere, ich bäume mich auf, ich schlage aus.
Die Zeit, 13.03.1995, Nr. 11
Die Studenten waren ziemlich betrunken und wieherten über seine Aussprüche.
Nossack, Hans Erich: Nekyia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1961 [1947], S. 72
Hähne krähen, Pferde wiehern; sonst ist kein Laut zu hören.
Der Tagesspiegel, 23.08.2001
Sie hörten das Pferd im Stall wiehern und den gefangenen Waldi bellen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 217
Drei Männer und sechs Frauen gluckern, wiehern, prusten um die Wette.
Bild, 29.03.2001
Zitationshilfe
„wiehern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wiehern>, abgerufen am 06.12.2019.

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