wild

GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›wild‹ als Erstglied: ↗Wildbach · ↗Wildblume · ↗Wildente · ↗Wildesel · ↗Wildfang · ↗Wildfrucht · ↗Wildgans · ↗Wildgeflügel · ↗Wildgemüse · ↗Wildhund · ↗Wildkaninchen · ↗Wildkatze · ↗Wildling · ↗Wildpflanze · ↗Wildsau · ↗Wildschaf · ↗Wildschwein · ↗Wildtaube · ↗Wildvogel · ↗Wildwasser · ↗Wildwest · ↗wildbewegt · ↗wildblühend · ↗wildfremd · ↗wildgeworden · ↗wildheuen · ↗wildromantisch
 ·  mit ›wild‹ als Letztglied: ↗fuchsteufelswild · ↗fuchswild · ↗vogelwild
 ·  mit ›wild‹ als Grundform: ↗Wild · ↗Wildheit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nicht gezähmt, freilebend
Beispiel:
wilde Tiere, Tauben, Gänse, Bienen
nicht veredelt
Beispiele:
wilde Obstbäume, Schößlinge
wilde Früchte
diese Rosen wachsen wild, sind wild
ein wilder (= ungepflegter, verwilderter) Park, Garten
ein wilder (= struppiger, ungepflegter) Bart
wildes (= an Wunden wucherndes) Fleisch
umgangssprachlich der Wilde Westen (= der Westen der Vereinigten Staaten in der Zeit der Besiedlung im 19. Jahrhundert)
übertragen nicht genehmigt, vom Gesetz abweichend
Beispiele:
wildes Parken (= Parken an nicht genehmigten Plätzen)
eine wilde Ansiedlung
eine wilde Badestelle
ein wilder (= von der Gewerkschaft nicht beschlossener, nicht anerkannter) Streik
veraltet mit jmdm. in wilder Ehe (= in ehelicher Gemeinschaft ohne standesamtliche Trauung) leben
Wilde Fahrten warfen für die Autobesitzer beträchtlich mehr ab [M. W. SchulzStaub im Wind383]
2.
heftig, ungestüm
a)
Beispiele:
ein wilder Sturm, wildes Schneegestöber
es tobte eine wilde Schlacht, ein wilder Kampf
in wilder Flucht, Panik liefen sie davon
ein wilder Tanz
wilde Rhythmen
eine wilde Hetzjagd
wildes Herzklopfen haben
ich musste wilde Beschimpfungen über mich ergehen lassen
ein wilder Fluch
er stürzte sich mit wildem Eifer auf die Arbeit
eine wilde Freude, Lustigkeit, Heiterkeit, ein wildes Verlangen, eine wilde Sehnsucht ergriff ihn
wild mit den Händen gestikulieren
sie küssten sich wild (= leidenschaftlich)
sei nicht so wild!
wild schluchzen, auflachen
salopp mach es nur halb so wild! (= treibe es nicht zu weit!)
umgangssprachlich sie arbeiten wie wild (= besessen)
umgangssprachlich er fing wie wild zu suchen an
umgangssprachlich der Hund rasselte wie wild mit der Kette
salopp, derb vom wilden Affen gebissen sein (= den Verstand verloren haben)
b)
unbändig
Beispiele:
ein wildes Mädchen, wilder Junge
umgangssprachlich, scherzhaft eine wilde Hummel (= ein ausgelassenes, lebhaftes Mädchen)
salopp er spielt den wilden Mann (= tut übertrieben energisch)
es wild (= zügellos) treiben
er begann wie ein Wilder zu rennen
c)
erregt, scheu
Beispiele:
das Pferd wurde wild
Wenn eine Eisenbahn fährt, wird das Vieh auf der Weide wild [MoloEin Deutscher293]
d)
zornig
Beispiele:
wild sein, werden
jmdn. wild machen
Wenn ihm einer ins Gehege kommt, wird er wild [SchallückWenn man aufhören könnte10]
e)
umgangssprachlich wild auf etw. seinversessen auf etw. sein
Beispiele:
sie war ganz wild aufs Lernen
er war wild auf seine Zigarren
wild nach jmdm., auf jmdn. sein
Beispiel:
er ist ganz wild nach ihr, auf sie (= sehr verliebt in sie)
3.
gehoben wildromantisch
Beispiele:
ein wildes Tal
eine wilde Schlucht
berauschend
Beispiel:
ein wilder Duft
4.
wirr
Beispiele:
wilde Gerüchte, Behauptungen
wildes Zeug träumen
das Zimmer war in wilder Unordnung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wild · Wildnis
wild Adj. ‘nicht gezähmt, nicht veredelt, unbewohnbar, grausam, roh’, ahd. wild(i) ‘unbebaut, ungezähmt, fremd’ (8. Jh.), mhd. wilde, wilt, auch ‘unbewohnt, wüst, abgestorben, faul, irre, unstet, untreu, sittenlos’, asächs. wildi, mnd. wilde, mnl. wilt, welt, wilde, nl. wild, afries. wilde, aengl. wilde, engl. wild, anord. villr ‘irrend, wild’, got. wilþeis führen auf germ. *wilþija-. Die weitere Herkunft ist ungewiß. Am ehesten vergleicht sich noch kymr. gwyllt ‘wild, wahnsinnig, schnell’, so daß ie. *(gh)u̯eltii̯o- angesetzt werden kann. Ein Zusammenhang mit ↗Wald (s. d.) ist dagegen zweifelhaft. wild bezieht sich auf Tiere (‘ungezähmt, freilebend’), auf Pflanzen (‘nicht angebaut, nicht veredelt’) und auf Bodenflächen (‘nicht bebaut, nicht kultiviert’), steht also im Gegensatz zu zahm und kultiviert. Die kurze Form wild (gegenüber älterem wilde) setzt sich im 16. Jh. (Luther) durch. Wildnis f. ‘unbebaute, unkultivierte Gegend, üppig wuchernder Pflanzenwuchs’, mhd. wiltnisse, wiltnis, wiltnüsse, wiltnus f. n., auch ‘Wildheit, wildes Wesen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · aufgeregt · ↗ausgelassen · ↗hemmungslos · mit Überschwang · ↗orgiastisch · ↗stürmisch · ↗ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · wild · ↗zügellos · ↗übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · ↗aufgekratzt  ugs. · außer Rand und Band  ugs. · ↗hibbelig  ugs. · ↗hippelig  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
grausam · ↗hart · ↗roh · wild
Synonymgruppe
grob auftretend · ↗martialisch · mit Kampfgetöse · wild
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Nähe des Menschen meidend · ausgewildert · nicht an (den Kontakt mit) Menschen gewöhnt · ↗scheu · verwildert · wild
Assoziationen
  • herrenlos (Tier) · streunend  ●  frei schweifend  geh., auch figurativ
Antonyme
  • wild · wild
Synonymgruppe
furios · glühend · ↗heftig · ↗hitzig · ↗rasend · ↗stürmisch · ↗turbulent · ↗ungestüm · ↗unruhig · wild  ●  ↗ungezügelt  selten
Synonymgruppe
bewegt (Zeit, Jahre) · ↗turbulent · ↗unruhig · wild · ↗wildbewegt  ●  ↗stürmisch  fig.
Synonymgruppe
abenteuerlich (Spekulation o.ä.) · wild · ↗wirr · ↗wüst  ●  ↗abstrus  geh. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · ↗konfus  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausschweifend · ↗exzessiv · ↗hemmungslos · ↗orgiastisch · wild · ↗zuchtlos · ↗zügellos
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Durcheinander Eber Ehe Entschlossenheit Gerücht Haufen Horde Jagd Kaiser Kerl Mischung Müllkippe Parken Party Ritt Schießerei Spekulation Stier Streik Tanz Tier Treiben Verfolgungsjagd Wein Weste Westen gestikulieren geworden lebend wuchernd

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch schon in der nächsten Nacht geht die wilde Jagd erneut los.
Die Zeit, 10.08.2009, Nr. 32
Ruhig sitzend erzählte sie auf deutsch, wild gestikulierend auf spanisch.
Der Tagesspiegel, 14.02.2005
Dieses wilde Tier bricht dann bei einem mit der Mutter besonders verbundenem Kind durch.
Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 123
Ich mache mir aber nicht viel daraus und das macht sie wahrscheinlich so wild.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 06.09.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Alle starrten ihn gebannt an, denn von seinen Worten ging eine wilde Kraft aus.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 133
Zitationshilfe
„wild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wild>, abgerufen am 23.03.2019.

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