wildern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungwil-dern
Wortbildung mit ›wildern‹ als Erstglied: ↗Wilderei  ·  mit ›wildern‹ als Letztglied: ↗auswildern · ↗herumwildern
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
unberechtigt Wild schießen, fangen, als Wilderer jagen
Beispiele:
wildern gehen
beim Wildern ertappt werden
ein Tier wildern
Beispiele:
er hat Rehe gewildert (= unberechtigt geschossen, gefangen)
ein gewilderter Rehbock
der Hund wildert (= streunt umher und sucht sich Nahrung, indem er Wild jagt, anfällt)
ein wildernder Hund
2.
umgangssprachlich, abwertend, veraltend ein ungeordnetes, uneingeschränktes Leben führen
Beispiel:
Wenn ich dann ... mit den andern wilderte, sah mir kein Mensch was [daß ich große Sorge hatte] an [KügelgenJugenderinnerungen190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wild · Wildbret · Wilderer · Wilddieb · Wildschütz · wildern
Wild n. ‘jagdbare Tiere, das Fleisch dieser Tiere’, ahd. wild ‘freilebendes, jagdbares Tier’ (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. wilt, nl. wild, aengl. wildor (woraus die volksetymologische Verdeutlichung aengl. wilddēor) beruht auf einem alten es/os-Stamm (vgl. ahd. wildir Plur.) und entspricht (mit anderer Stammbildung) dem unter ↗wild (s. d.) dargestellten Adjektiv. Wild, ursprünglich alle freilebenden Tiere, auch die Raubtiere bezeichnend, wird seit mhd. Zeit vornehmlich als Kollektivbegriff verwendet. Im gleichen Zeitraum erfolgt die Übertragung des Ausdrucks auf das Fleisch gejagter Tiere. Wildbret n. ‘rohes oder zubereitetes Fleisch gejagter Tiere, Wildfleisch’, mhd. wiltbræte, daneben mhd. wiltbrāt, mnd. wildbrāt, zusammengesetzt mit dem a-Stamm ahd. brāt n. ‘schieres Fleisch ohne Fett und Knochen, Muskelfleisch, gebratenes Fleisch’, mhd. mnd. brāt n. bzw. dem ja-Stamm mhd. bræte n. (verwandt mit ↗Braten m., s. d.), der gekürzt und unter Verlust des auslautenden -e in der nhd. Form erhalten ist. Vgl. auch anord. villibrāð f. Wilderer m. ‘wer ohne Erlaubnis jagt, Wilddieb’ (16. Jh.), mhd. wilderære ‘Jäger’; zum alten Plural von Wild (ahd. wildir) gebildet. Wilddieb m. ‘wer ohne Erlaubnis Wild schießt oder in Fallen fängt’ (17. Jh.). Wildschütz m. ‘Jäger’ (16. Jh.), ‘Wilddieb’ (um 1700). wildern Vb. ‘ohne Berechtigung Wild schießen oder fangen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ohne Berechtigung jagen · unerlaubt jagen  ●  wildern  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›wildern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wildern‹.

Verwendungsbeispiele für ›wildern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da haben die wohl gedacht, wir wollten in ihrem Gebiet wildern oder, weil die Frau dabei war, sogar siedeln.
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2001
Er wildert im ganzen Land, auf Bergen und in Tälern, in Hütten und Palästen.
Die Zeit, 26.09.2011, Nr. 39
Mit diesen wurde manchmal gewildert, namentlich in der Reiherkolonie bei Mörtelstein am Neckar.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4805
Im Frühsommer 1947 wilderte der junge Filmkaufmann im Gehölz des Oberförsters Winter.
Loriot [d.i. Vicco von Bülow]: Sehr verehrte Damen und Herren ..., Zürich: Diogenes 1993, S. 103
Gleich wie in den Ministerien mit den Gesetzesvorlagen gewildert wird, stellt der Untertan dem Fiskus seine Fallen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 613
Zitationshilfe
„wildern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wildern>, abgerufen am 03.04.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Wilderer
Wilderei
Wildente
wildeln
Wilde
Wildesel
Wildfährte
Wildfalle
Wildfang
Wildfleisch