Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wildern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wil-dern
Wortbildung  mit ›wildern‹ als Erstglied: Wilderei  ·  mit ›wildern‹ als Letztglied: auswildern · herumwildern
eWDG

Bedeutungen

1.
unberechtigt Wild schießen, fangen, als Wilderer jagen
Beispiele:
wildern gehen
beim Wildern ertappt werden
ein Tier wildern
Beispiele:
er hat Rehe gewildert (= unberechtigt geschossen, gefangen)
ein gewilderter Rehbock
der Hund wildert (= streunt umher und sucht sich Nahrung, indem er Wild jagt, anfällt)
ein wildernder Hund
2.
umgangssprachlich, abwertend, veraltend ein ungeordnetes, uneingeschränktes Leben führen
Beispiel:
Wenn ich dann … mit den andern wilderte, sah mir kein Mensch was [daß ich große Sorge hatte] an [ KügelgenJugenderinnerungen190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wild · Wildbret · Wilderer · Wilddieb · Wildschütz · wildern
Wild n. ‘jagdbare Tiere, das Fleisch dieser Tiere’, ahd. wild ‘freilebendes, jagdbares Tier’ (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. wilt, nl. wild, aengl. wildor (woraus die volksetymologische Verdeutlichung aengl. wilddēor) beruht auf einem alten es/os-Stamm (vgl. ahd. wildir Plur.) und entspricht (mit anderer Stammbildung) dem unter wild (s. d.) dargestellten Adjektiv. Wild, ursprünglich alle freilebenden Tiere, auch die Raubtiere bezeichnend, wird seit mhd. Zeit vornehmlich als Kollektivbegriff verwendet. Im gleichen Zeitraum erfolgt die Übertragung des Ausdrucks auf das Fleisch gejagter Tiere. Wildbret n. ‘rohes oder zubereitetes Fleisch gejagter Tiere, Wildfleisch’, mhd. wiltbræte, daneben mhd. wiltbrāt, mnd. wildbrāt, zusammengesetzt mit dem a-Stamm ahd. brāt n. ‘schieres Fleisch ohne Fett und Knochen, Muskelfleisch, gebratenes Fleisch’, mhd. mnd. brāt n. bzw. dem ja-Stamm mhd. bræte n. (verwandt mit Braten m., s. d.), der gekürzt und unter Verlust des auslautenden -e in der nhd. Form erhalten ist. Vgl. auch anord. villibrāð f. Wilderer m. ‘wer ohne Erlaubnis jagt, Wilddieb’ (16. Jh.), mhd. wilderære ‘Jäger’; zum alten Plural von Wild (ahd. wildir) gebildet. Wilddieb m. ‘wer ohne Erlaubnis Wild schießt oder in Fallen fängt’ (17. Jh.). Wildschütz m. ‘Jäger’ (16. Jh.), ‘Wilddieb’ (um 1700). wildern Vb. ‘ohne Berechtigung Wild schießen oder fangen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ohne Berechtigung jagen · unerlaubt jagen  ●  wildern  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›wildern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wildern‹.

Verwendungsbeispiele für ›wildern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da haben die wohl gedacht, wir wollten in ihrem Gebiet wildern oder, weil die Frau dabei war, sogar siedeln. [Süddeutsche Zeitung, 15.09.2001]
Er wildert im ganzen Land, auf Bergen und in Tälern, in Hütten und Palästen. [Die Zeit, 26.09.2011, Nr. 39]
Zurzeit werden so viele Tiere gewildert wie schon lange nicht mehr. [Die Zeit, 06.02.2012, Nr. 06]
Dass sie in fremden Betten wildert, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. [Bild, 31.08.2001]
Um dies zu vermeiden, lässt der Scheich in den besten Ligen der Welt wildern. [Die Zeit, 05.01.2009 (online)]
Zitationshilfe
„wildern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wildern>.

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