winden

GrammatikVerb · wand, hat gewunden
Aussprache
Worttrennungwin-den (computergeneriert)
Wortbildung mit ›winden‹ als Letztglied: ↗aufwinden · ↗auswinden · ↗bewinden · ↗durchwinden · ↗emporwinden · ↗entwinden · ↗herauswinden · ↗hinaufwinden · ↗hindurchwinden · ↗hochwinden · ↗umwinden · ↗unterwinden · ↗überwinden
 ·  mit ›winden‹ als Grundform: ↗Gewinde · ↗Winde · ↗Winden
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. mit der Winde irgendwohin bewegen, befördern
Beispiele:
Lasten in die Höhe winden
Netze ans Land winden
2.
mehrere geschmeidige Gebilde, meist Blumen, Zweige, durch Drehen zu etw. Festem, Einheitlichem zusammenfügen
Beispiele:
Blumen zum Kranz, Zweige zu einer Girlande winden
Wir winden dir den Jungfernkranz [C. M. v. WeberFreischützIII 4]
3.
gehoben etw. um etw. windenetw. um etw. herumlegen, herumwickeln
Beispiele:
ein Band um die Stirn winden
die Flechten kranzförmig um den Kopf winden
4.
gehoben jmdm. etw. aus der Hand windenjmdm. etw. durch drehende Bewegung aus der Hand reißen, gewaltsam nehmen, wegnehmen
Beispiele:
jmdm. die Waffe aus der Hand winden
sie wand ihre Hand ... aus der seinen [FrenssenBaas323]
bildlich
Beispiel:
jmdm. das Heft (= die Führung, Leitung) aus der Hand winden
5.
sich in einer Schlangenlinie gleitend fortbewegen
Beispiele:
der Wurm, die Schlange windet sich
ein Fischotter windet sich im Wasser
sich winden wie ein Aal (= einer peinlichen, schwierigen Lage zu entschlüpfen suchen)
sich (in schlangenförmiger Bewegung) krümmen
Beispiele:
sie windet sich vor Schmerzen, in Krämpfen
das Kind windet sich vor Weinen und Schluchzen
er wand sich vor Lachen, Verlegenheit
bildlich
Beispiele:
sich in tausend Ängsten winden
der Angeklagte wand sich beim Verhör (= machte Ausflüchte)
übertragen
Beispiel:
er antwortete in einer gewundenen (= gekünstelten) Rede
6.
etw. windet sich um etw.etw. rankt sich um etw.
Beispiele:
der Efeu windet sich um den Stamm
die Bohnenranken winden sich um die Stangen
7.
jmd., etw. windet sich durch etw.jmd., etw. schlängelt sich durch etw.
Beispiele:
wir wanden uns durch das Dickicht
ich wand mich durch die Menge
der Bach windet sich durch ein tiefes Tal
oft im Part. Prät.
gewundenin Windungen verlaufend
Beispiele:
der gewundene Lauf eines Flusses
eine gewundene Straße, Treppe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

winden · Winde · umwinden · unumwunden
winden Vb. ‘drehen, (um)wickeln, schlingen, flechten’, reflexiv ‘ranken, sich krümmen, sich schlängeln’. Das stark flektierende gemeingerm. Verb ahd. wintan (8. Jh.), mhd. winden, winten ‘(sich) drehen, um-, einwickeln, sich umdrehen, angreifen’, asächs. windan ‘sich wenden, bewegen’, mnd. mnl. nl. winden, afries. winda, aengl. windan, engl. to wind, anord. schwed. vinda ‘winden, drehen’, got. biwindan ‘umwinden’ (germ. *windan) führt mit aind. vandhúram ‘Wagenkorb’, griech. áthras (ἄθρας, aus *ϝαθ-) ‘Wagen’ auf ie. *u̯endh- ‘drehen, winden, flechten’ (wozu auch ↗Wand, ↗wandeln, ↗wandern, ↗wenden, ↗Windel, ↗windschief, s. d.). Winde f. ‘Hebegerät mit einer Kurbel zum Aufwickeln eines Seils’, ahd. waʒʒarwinta ‘Vorrichtung zum Wasserschöpfen’ (10. Jh.), mhd. winde. Zugleich Pflanzenname (Acker)winde, mit sich um eine Stütze windendem Stengel, ahd. winda (11. Jh.), mhd. winde. umwinden Vb. ‘herumschlingen, mit etw. umwickeln’ (15. Jh.). unumwunden Part.adj. ‘ungezwungen, deutlich, offen’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) krümmen · ↗(sich) schlängeln · (sich) winden
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
beriechen · ↗beschnuppern · ↗beschnüffeln · ↗riechen (an) · ↗schnuppern · ↗schnüffeln · ↗wittern  ●  winden  Jägersprache · ↗beschnobern  ugs. · ↗flehmen  fachspr. · ↗schnobern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
binden · ↗flechten · winden
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) schlängeln · (sich) winden · in Serpentinen (verlaufen) · über Serpentinen (irgendwohin) führen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aal Girlande Jungfernkranz Krampf Kranz Menschenschlange Schlange Schlucht Serpentine Spirale Wurm abwinden aufwinden durchwinden emporwinden entlang entlangwinden herauswinden herumwinden hinab hinauf hinaufwinden hindurchwinden hineinwinden hinunter hochwinden krümmen spiralförmig umeinander vorbei

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›winden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Irgendwann wanden sich die Sätze, die andere an sie richteten, nur noch schwerfällig durch ihr Bewusstsein.
Die Welt, 16.05.2002
Zu den Füßen des schwebenden Mannes wand sich so etwas wie eine Straße nach hinten weg.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 58
Da kann ich mich jetzt nicht plötzlich winden wie ein Aal.
Süddeutsche Zeitung, 13.12.1996
Die Männer wanden mir die Granate aus den Händen, ich wehrte mich nicht.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 276
Zweimal windet sich die Straße, dann beginnt wieder der Wald.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 234
Zitationshilfe
„winden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/winden>, abgerufen am 18.02.2019.

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