wirken

Grammatik Verb · wirkt, wirkte, hat gewirkt
Aussprache 
Worttrennung wir-ken
Wortbildung  mit ›wirken‹ als Erstglied: Wirkbereich · Wirkfaktor · Wirkkraft · Wirkleistung · Wirkmechanismus · Wirkprinzip · Wirkstoff · Wirksubstanz · Wirkung · Wirkweise · wirksam
 ·  mit ›wirken‹ als Letztglied: auswirken1 · bewirken · dagegenwirken · einwirken1 · entgegenwirken · erwirken · fortwirken · hineinwirken · hinwirken · mitwirken · nachwirken · rückwirken · wechselwirken · weiterwirken · zurückwirken · zusammenwirken
 ·  mit ›wirken‹ als Binnenglied: sicher wirkend · sicherwirkend  ·  mit ›wirken‹ als Grundform: verwirken
eWDG

Bedeutungen

1.
in einem bestimmten (beruflichen) Bereich tätig sein, arbeiten
Beispiele:
er hat lange Zeit als Arzt, Lehrer, Schauspieler in dieser Stadt gewirkt
wir besuchten das Haus, in dem der berühmte Gelehrte gelebt und gewirkt hatte
er hat mit Wort und Tat für den Erfolg dieses Planes gewirkt
durch sein schriftstellerisches Wirken war er weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt geworden
2.
etw. erreichen, hervorbringen, vollbringen
Beispiele:
etw. Gutes für sein Vaterland, die Menschheit wirken
die Aussprache mit ihm hat Wunder gewirkt (= großen Erfolg gehabt)
die Arznei schien Wunder zu wirken (= schien rasch und sicher zu helfen)
was für Wunder sie [die Ärzte] wirken können, Herzen können sie vernähen [ St. ZweigUngeduld107]
oft im Leben entscheidet nicht, was einer gewirkt und geleistet hat, sondern wie gut oder wie emsig er seine Leistung darzustellen weiß [ St. ZweigBalzac340]
3.
etw. wirktetw. übt aufgrund seiner Beschaffenheit eine Wirkung aus
Beispiele:
die Naturgesetze wirken unabhängig vom Tun oder Wollen der Menschen
wo die Sonne ungehindert hatte wirken können, war schon aller Schnee geschmolzen
der Sturm hatte verheerend gewirkt
die Arznei wirkt (gut, schnell)
dieses Mittel wirkt gut gegen Kreislaufstörungen
dieses Präparat wirkt über einen langen, genau bestimmbaren Zeitraum
die Spritze scheint schon zu wirken
Kaffee, Tee wirkt anregend, belebend
Alkohol wirkt berauschend
ein stark wirkendes Gift, Medikament
man hatte ihm eine strenge Strafe angedroht, wenn er sich nicht besserte, und das hatte schließlich gewirkt (= hatte Erfolg)
das Theaterstück hat sehr stark auf mich gewirkt (= hat mich sehr stark beeindruckt)
er ließ die Musik, das Gedicht immer wieder auf sich wirken
die Enthüllungen wirkten niederschmetternd auf uns
seine neue Lehrmethode, Arbeitsweise wirkte beispielgebend, revolutionierend
umgangssprachlicher wirkt wie das rote Tuch auf mich
4.
jmd., etw. wirktvon jmdm., etw. geht eine bestimmte Wirkung aus
a)
jmd., etw. ruft einen bestimmten Eindruck hervor, erscheint in bestimmter Weise
Beispiele:
der Vortragende wirkte nervös und zerfahren, unbeholfen, gehemmt
sein aufdringliches Verhalten, seine Hässlichkeit wirkte abstoßend
sein Spiel wirkte nicht überzeugend
der Vortrag wirkte ermüdend
trotz seines jugendlichen Alters wirkte er schon sehr vernünftig
jmd. wirkt erschöpft, natürlich, müde, stattlich
die Ortschaft mit ihren leeren Straßen wirkte ausgestorben
er wollte um alles in der Welt männlich wirken
beim Schein der Lampe wirkte sein Gesicht blass und schlaff
neben seinem besonders großen Bruder wirkte er wie ein Zwerg
er wirkte so matt, als habe er gerade erst eine schwere Krankheit überstanden
ein sympathisch wirkender Mensch
b)
etw., jmd. kommt (bei jmdm.) vorteilhaft, mit Erfolg zur Geltung, findet Anklang
Beispiele:
dem Regisseur war es vor allem entscheidend, dass das neue Stück auf der Bühne wirkte
die Einstudierung muss modern sein, wenn sie wirken soll
bei Ihnen wirkt er vielleicht noch, wir hören schon gar nicht mehr hin, wenn er spricht
er wirkte vor allem durch die Art seines Auftretens, weniger durch Argumente
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken
wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

Typische Verbindungen zu ›wirken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wirken‹.

Verwendungsbeispiele für ›wirken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wirkte freundlichgelassen, auf eine angenehme Art fast angelsächsisch zurückhaltend. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 147]
Die Schrift – die Type bleibt jedem überlassen – sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223]
Die katholische Kirche kann Priestern das Recht entziehen, als Priester zu wirken. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 31]
Sie schienen seltsame Kräfte zu besitzen, so wirkten sie aufs Volk. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 410]
Als sie 1934 gegründet wurde, wirkte sie wie eine linksradikale Organisation. [Der Spiegel, 20.11.2000]
Zitationshilfe
„wirken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wirken#1>.

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wirken

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wir-ken
Wortbildung  mit ›wirken‹ als Erstglied: Wirkerei · Wirkmaschine · Wirkteppich · Wirkware
 ·  mit ›wirken‹ als Letztglied: Gewirk · Gewirke · auswirken2 · durchwirken · einwirken2

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Wirkwaren herstellen
  2. 2. [Kochkunst] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
Wirkwaren herstellen
Beispiele:
Pullover, Strickkleider, Strümpfe, Unterwäsche wirken
das Gewebe glänzte, als sei es aus Goldfäden gewirkt
gewirkte Handschuhe, Teppiche
2.
Kochkunst
Beispiel:
den Teig wirken (= den Teig durchkneten)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken
wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

Typische Verbindungen zu ›wirken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wirken‹.

Verwendungsbeispiele für ›wirken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wirkte freundlichgelassen, auf eine angenehme Art fast angelsächsisch zurückhaltend. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 147]
Die Schrift – die Type bleibt jedem überlassen – sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223]
Die katholische Kirche kann Priestern das Recht entziehen, als Priester zu wirken. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 31]
Sie schienen seltsame Kräfte zu besitzen, so wirkten sie aufs Volk. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 410]
Als sie 1934 gegründet wurde, wirkte sie wie eine linksradikale Organisation. [Der Spiegel, 20.11.2000]
Zitationshilfe
„wirken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wirken#2>.

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