wirr

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›wirr‹ als Erstglied: Wirrkopf · Wirrnis · wirrig
 ·  mit ›wirr‹ als Letztglied: Gewirr · Gewirre  ·  mit ›wirr‹ als Grundform: Wirrheit · Wirrsal · entwirren
eWDG

Bedeutungen

1.
ungeordnet, keine Ordnung aufweisend
Beispiele:
auf seinem Schreibtisch lagen im wirr Durcheinander Papiere und Zeitungen
mühsam suchten wir uns einen Weg durch das wirre Geäst des Buschwerks
wirrer Lärm schlug uns vom Rummelplatz entgegen
sein Haar stand ihm wie gewöhnlich wirr um den Kopf
seine Briefschaften lagen wirr in der Schublade umher
die Menschen standen wirr durcheinander
2.
unklar, verworren
Beispiele:
bring erst einmal Ordnung in deine wirren Gedanken, Vorstellungen, Gefühle
sein wirres Gerede ging uns auf die Nerven
ein wirrer Brief, Traum
umgangssprachlich wirres Zeug reden
mit wirren (= unruhigen, unsteten) Augen umherblicken
er war noch ganz wirr (= konfus) von dem Lärm, vom Schlaf
mir ist es ganz wirr im Kopf (= ich kann keinen klaren Gedanken fassen)
lasst euch nicht wirr machen! (= verwirren!)
seit er den Schlag auf den Kopf erhalten hat, ist er ziemlich wirr (= geistig etwas gestört)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirr · Wirrsal · Wirrkopf · Wirrwarr
wirr Adj. ‘ungeordnet, zusammenhangslos, unklar’ (17. Jh.), rückgebildet aus dem schwach flektierenden Verb wirren ‘durcheinanderbringen’ (zuerst belegt in mhd. verwirren), das mit dem Stammsilbenvokal i (in Analogie zu irren entstanden?) altes, stark flektierendes werren (mit starker Flexion bis ins 18. Jh.; vgl. noch heute verworren) beeinflußt, so daß sich nach Umbildung des Vokals auch schwache Formen durchsetzen. Dieses nur im Dt. und Nl. belegte Verb (mit -rr- aus germ. -rs-) nhd. werren, ahd. werran (Part. Prät. giworran) ‘durcheinanderbringen, in Aufruhr bringen, stören’ (8. Jh.), mhd. werren, asächs. werran, mnd. mnl. werren, nl. warren sowie das Substantiv ahd. werra (11. Jh.), mhd. werre ‘Ärgernis, Zank, Streit, Verwicklung, Schaden, Not’ haben keine sicheren Anknüpfungsmöglichkeiten. Wenn nach Walde/Hofmann ³2, 761 eine Verbindung zu lat. verrere ‘schleifen, am Boden schleppen, fegen’ besteht, kann von ie. *u̯ers- ‘am Boden schleifen’ ausgegangen werden. Sollte besser ein onomatopoetischer Ansatz anzunehmen sein? Wirrsal n. f. ‘Durcheinander, Chaos, Verwicklung’, geläufig seit 19. Jh.; doch vgl. ahd. werrisal ‘Widerstand’ (9. Jh.), frühnhd. wirresal ‘Streit, Unruhe, Unordnung’. Wirrkopf m. ‘verworrener, konfuser Mensch’ (17. Jh.), auch ‘Mensch mit ungeordneter Frisur’ (19. Jh.). Wirrwarr m. n. ‘Durcheinander, Wust’ (15. Jh.), mhd. wirrewarren n., ablautende, alliterierende Bildung (wie Mischmasch u. ä.).

Thesaurus

Synonymgruppe
chaotisch · durcheinander · konfus · unübersichtlich · wirr  ●  verworren  Hauptform · verwickelt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(bunt) durcheinandergewürfelt · (bunt) zusammengewürfelt · buntgewürfelt · chaotisch · kunterbunt · ohne Plan · ohne Struktur · ohne System · planlos · strukturlos · unaufgeräumt · unordentlich · wild durcheinander · wirr  ●  durcheinander  Hauptform · drunter und drüber  ugs. · kreuz und quer  ugs. · schlampig  ugs., abwertend · wie Kraut und Rüben (durcheinander)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
chaotisch · einfach drauflos · konfus · konzeptionslos · kopflos · unkontrolliert · unkoordiniert · unüberlegt · wahllos · wirr · ziellos
Assoziationen
Synonymgruppe
abenteuerlich (Spekulation o.ä.) · wild · wirr · wüst  ●  abstrus  geh. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · konfus  geh.
Synonymgruppe
ohne Plan · ohne Struktur · unruhig · wirr · zerfahren · zusammenhanglos  ●  ohne Linie  fig. · ohne roten Faden  fig.
Synonymgruppe
unfrisiert · ungekämmt · verstrubbelt · verwuschelt · windzerzaust · wirr (Haare) · zauselig  ●  zerzaust  Hauptform · strubbelig  ugs. · strubblig  ugs. · struwwelig  ugs. · wusch(e)lig  ugs., regional
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›wirr‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wirr‹.

Verwendungsbeispiele für ›wirr‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Haar stand ihm wirr vom Kopf ab wie immer. [Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 339]
Und die Tat hatte durchaus eine, wenn auch wirre Logik. [Die Zeit, 04.02.1999, Nr. 6]
Und nicht um einen wirren jungen Mann, der erst dann weiß, was er will, wenn er es getan hat. [konkret, 1996]
Die Schule entließ uns äußerlich völlig unvorbereitet für das bunte wirre Leben; leicht wird es manchem nicht geworden sein. [Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7567]
Das wenige Haar, das er noch hat, steht wirr in alle Richtungen. [Die Zeit, 07.02.2012 (online)]
Zitationshilfe
„wirr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wirr>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
wirkungsästhetisch
wirkungsvoll
wirkungsstark
wirkungsreich
wirkungsorientiert
wirren
wirrig
wirrköpfig
wirsch
wirtelig