wirr

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›wirr‹ als Erstglied: ↗Wirrkopf · ↗wirrig  ·  mit ›wirr‹ als Grundform: ↗Gewirr · ↗Gewirre · ↗Wirrheit · ↗Wirrnis · ↗Wirrsal · ↗entwirren · ↗verwirren
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
ungeordnet, keine Ordnung aufweisend
Beispiele:
auf seinem Schreibtisch lagen im wirr Durcheinander Papiere und Zeitungen
mühsam suchten wir uns einen Weg durch das wirre Geäst des Buschwerks
wirrer Lärm schlug uns vom Rummelplatz entgegen
sein Haar stand ihm wie gewöhnlich wirr um den Kopf
seine Briefschaften lagen wirr in der Schublade umher
die Menschen standen wirr durcheinander
2.
unklar, verworren
Beispiele:
bring erst einmal Ordnung in deine wirren Gedanken, Vorstellungen, Gefühle
sein wirres Gerede ging uns auf die Nerven
ein wirrer Brief, Traum
umgangssprachlich wirres Zeug reden
mit wirren (= unruhigen, unsteten) Augen umherblicken
er war noch ganz wirr (= konfus) von dem Lärm, vom Schlaf
mir ist es ganz wirr im Kopf (= ich kann keinen klaren Gedanken fassen)
lasst euch nicht wirr machen! (= verwirren!)
seit er den Schlag auf den Kopf erhalten hat, ist er ziemlich wirr (= geistig etwas gestört)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wirr · Wirrsal · Wirrkopf · Wirrwarr
wirr Adj. ‘ungeordnet, zusammenhangslos, unklar’ (17. Jh.), rückgebildet aus dem schwach flektierenden Verb wirren ‘durcheinanderbringen’ (zuerst belegt in mhd. verwirren), das mit dem Stammsilbenvokal i (in Analogie zu irren entstanden?) altes, stark flektierendes werren (mit starker Flexion bis ins 18. Jh.; vgl. noch heute verworren) beeinflußt, so daß sich nach Umbildung des Vokals auch schwache Formen durchsetzen. Dieses nur im Dt. und Nl. belegte Verb (mit -rr- aus germ. -rs-) nhd. werren, ahd. werran (Part. Prät. giworran) ‘durcheinanderbringen, in Aufruhr bringen, stören’ (8. Jh.), mhd. werren, asächs. werran, mnd. mnl. werren, nl. warren sowie das Substantiv ahd. werra (11. Jh.), mhd. werre ‘Ärgernis, Zank, Streit, Verwicklung, Schaden, Not’ haben keine sicheren Anknüpfungsmöglichkeiten. Wenn nach Walde/Hofmann ³2, 761 eine Verbindung zu lat. verrere ‘schleifen, am Boden schleppen, fegen’ besteht, kann von ie. *u̯ers- ‘am Boden schleifen’ ausgegangen werden. Sollte besser ein onomatopoetischer Ansatz anzunehmen sein? Wirrsal n. f. ‘Durcheinander, Chaos, Verwicklung’, geläufig seit 19. Jh.; doch vgl. ahd. werrisal ‘Widerstand’ (9. Jh.), frühnhd. wirresal ‘Streit, Unruhe, Unordnung’. Wirrkopf m. ‘verworrener, konfuser Mensch’ (17. Jh.), auch ‘Mensch mit ungeordneter Frisur’ (19. Jh.). Wirrwarr m. n. ‘Durcheinander, Wust’ (15. Jh.), mhd. wirrewarren n., ablautende, alliterierende Bildung (wie Mischmasch u. ä.).

Thesaurus

Synonymgruppe
chaotisch · ↗durcheinander · ↗konfus · ↗unübersichtlich · wirr  ●  ↗verworren  Hauptform · ↗verwickelt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(bunt) durcheinandergewürfelt · ↗(bunt) zusammengewürfelt · ↗chaotisch · ↗kunterbunt · ohne Plan · ohne Struktur · ohne System · ↗unaufgeräumt · ↗unordentlich · wild durcheinander · wirr  ●  ↗durcheinander  Hauptform · drunter und drüber  ugs. · kreuz und quer  ugs. · ↗schlampig  ugs., abwertend · wie Kraut und Rüben (durcheinander)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
chaotisch · einfach drauflos · ↗hektisch · ↗konfus · ↗konzeptionslos · ↗kopflos · ↗nicht organisiert · ↗planlos · ↗unkontrolliert · ↗unkoordiniert · ↗unreflektiert · ↗unsystematisch · ↗unüberlegt · wirr · ↗ziellos  ●  ohne roten Faden  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
abenteuerlich (Spekulation o.ä.) · ↗wild · wirr · ↗wüst  ●  ↗abstrus  geh. · an den Haaren herbeigezogen  ugs., fig. · ↗konfus  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ohne Plan · ohne Struktur · ↗unruhig · wirr · ↗zerfahren · ↗zusammenhanglos  ●  ohne Linie  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Durcheinander Frisur Gefasel Geflecht Gemisch Gestammel Gestrüpp Haar Haarkranz Haarschopf Haufen Kauderwelsch Knäuel Konglomerat Locke Monolog Mähne Sammelsurium Schopf Story Verschwörungstheorie Zeitlauf Zeug abstehen durcheinandergehen durcheinanderliegen irre unzusammenhängend wüst zusammenhanglos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wirr‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Texte waren total wirr und wir waren völlig ratlos.
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2001
Tonlos verliest er ein wirres Pamphlet und kehrt kommentarlos in sein Programm zurück.
Die Zeit, 22.10.1982, Nr. 43
Das Haar stand ihm wirr vom Kopf ab wie immer.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 339
Die Schule entließ uns äußerlich völlig unvorbereitet für das bunte wirre Leben; leicht wird es manchem nicht geworden sein.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7567
Nur solange der Nebel täuschte, erschien sie weit und wirr.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 181
Zitationshilfe
„wirr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wirr>, abgerufen am 19.10.2018.

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