wirtschaften

GrammatikVerb · wirtschaftete, hat gewirtschaftet
Aussprache
Worttrennungwirt-schaf-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wirtschaften‹ als Letztglied: ↗abwirtschaften · ↗draufloswirtschaften · ↗herauswirtschaften · ↗herumwirtschaften · ↗herunterwirtschaften · ↗hinauswirtschaften · ↗runterwirtschaften · ↗weiterwirtschaften
 ·  mit ›wirtschaften‹ als Grundform: ↗bewirtschaften · ↗erwirtschaften · ↗verwirtschaften
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
bei der Leitung und Durchführung der Tätigkeit in einem bestimmten (wirtschaftlichen) Bereich mit den gegebenen Mitteln und Möglichkeiten in einer Art und Weise umgehen, dass bei möglichst geringem Einsatz von Investitionsmitteln, Arbeitskraft und Zeit ein möglichst großer Nutzen erzielt wird
Beispiele:
intensiv, rationell, rentabel, sparsam wirtschaften
die Vorzüge sozialistischen Wirtschaftens
mit Gewinn, Verlust wirtschaften
in diesem Betrieb ist schlecht gewirtschaftet worden
nachdem er geheiratet hatte, ließ er seine Frau wirtschaften (= den Haushalt führen) und kümmerte sich nur noch um seinen Beruf
zu einem Privathaushalt gehören alle Personen, die zusammen wohnen und gemeinsam wirtschaften
wenn du weiter so verschwenderisch wirtschaftest (= mit deinem Geld umgehst), wirst du bald Schulden machen müssen
umgangssprachlich aus dem Vollen wirtschaften
umgangssprachlich etw. in Grund und Boden, zugrunde wirtschaften (= völlig herunterwirtschaften)
umgangssprachlich in die eigene Tasche (= betrügerisch zum eigenen Vorteil) wirtschaften
Ich nannte Frankreich ohne Finanzen, weil es mit Papiergeld wirtschaftete [Dahlm.Franz. Revolution434]
Mit dem Eintritt in die LPG haben die Bauern natürlich nicht sofort ihre alten Denk- und Lebensgewohnheiten als bisher einzeln wirtschaftende Bauern abgelegt [Neue Justiz1960]
mit etw. wirtschaften
Beispiele:
sparsam mit Investitionsmitteln, einem Vermögen, seinen Kräften wirtschaften (= sparsam mit etw., einem Vorrat umgehen, sodass man möglichst lange und viel davon hat)
umgangssprachlich in dieser Bäckerei wurde mit Eiern und Zucker gewirtschaftet (= wurde verschwenderisch mit Eiern und Zucker umgegangen), dass es einem den Atem verschlagen konnte
2.
tätig, beschäftigt sein, arbeiten
Beispiele:
die Köchin wirtschaftete mit großem Eifer in der Küche, am Herd, mit Tiegeln und Töpfen
er hörte den Bauern im Stall wirtschaften
wir sahen zu, wie er mit der Leiter wirtschaftete
die Mutter ging wirtschaftend (= eifrig sich betätigend) hin und her
er bleibt zu Hause und wirtschaftet unmutig in den leeren Zimmern [WerfelVerdi356]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wirtschaft · wirtschaften · wirtschaftlich
Wirtschaft f. ‘kleine Gaststätte, Haushalt(sführung), Gesamtheit der ökonomischen Prozesse und Verhältnisse eines Landes, einer Gesellschaftsordnung’, ahd. wirtscaft ‘Gastfreundschaft, Bewirtung, Mahl, Speisen’ (10. Jh.), mhd. wirtschaft ‘Tätigkeit des Hausherrn, Gastgebers, Gastwirts, Bewirtung, Gastmahl, Fest’, asächs. werdskepi ‘Bewirtung, Gastmahl’, mnd. wer(t)schap ‘Bewirtung, Gastmahl, Festlichkeit’, mnl. wertscap ‘Tätigkeit des Wirtes, Gastmahl’, nl. waardschap ‘Besuch, Gastmahl’, mit dem unter ↗-schaft (s. d.) behandelten Kompositionssuffix gebildet zu dem unter ↗Wirt (s. d.) dargestellten Substantiv. Zu den alten Bedeutungen ‘Tätigkeit des Hausherrn, Gastgebers, Bewirtung, Mahl’ treten hinzu ‘Gaststätte’ (16. Jh.), ‘Haushalt, Haushaltsführung’ (17. Jh.), ‘Unordnung’ (18. Jh.), ‘das Umgehen mit wirtschaftlichen Mitteln’ (im 15. Jh. beginnend). Als Begriff der Ökonomie wird Wirtschaft im 19. Jh. üblich. wirtschaften Vb. ‘für Haus und Besitz sorgen, Geld und Gut verwalten’, ahd. wirtscaften (Hs. 12. Jh.), anfrk. wirdscapon (9. Jh.), mhd. wirtschaften, wirtscheften ‘schmausen, ein Gastmahl ausrichten oder abhalten’. wirtschaftlich Adj. ‘ökonomisch, die Wirtschaft betreffend, haushälterisch, sparsam’ (18. Jh.), ‘festlich, gesellschaftlich’ (Ende 16. Jh., vereinzelt).

Thesaurus

Synonymgruppe
Haus halten · ↗haushalten · ↗sparen · wirtschaften
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Existenzminimum Ruin Tasche Volle abwirtschaften effektiv effizient eigenständig eigenverantwortlich ertragreich herauswirtschaften herumwirtschaften herunterwirtschaften kostendeckend kostengünstig nachhaltig profitabel rationell rentabel selbstständig selbständig solide sparsam umweltfreundlich umweltschonend umweltverträglich unsolide vernünftig weiterwirtschaften ökologisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wirtschaften‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie hätte bislang falsch gewirtschaftet, wenn sie jetzt sagen könnte, dies wäre auch nur annähernd möglich.
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2004
Von den derzeit weltweit rund 40 Herstellern wirtschafteten nur zehn auch gewinnbringend.
Der Tagesspiegel, 11.01.1999
Und so kam es, daß zunächst einmal überhaupt gewirtschaftet werden mußte aus dem Nichts in das Nichts.
o. A.: Einhundertelfter Tag. Donnerstag, 18. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14843
Auf diese Weise wirtschafteten wir einige Nächte lang, ohne von einem nennenswerten Erfolge sprechen zu können.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 1016
Es kam nicht nur darauf an, gut zu wirtschaften und gute Filme zu machen.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 113
Zitationshilfe
„wirtschaften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wirtschaften>, abgerufen am 23.10.2019.

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