Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wittern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wit-tern
Wortbildung  mit ›wittern‹ als Letztglied: umwittern
Mehrwortausdrücke  Morgenluft wittern
eWDG

Bedeutung

ein Tier, Hund wittert etw.ein Tier, Hund nimmt den Geruch, der von Menschen, Tieren, Gegenständen ausgeht, wahr
Beispiele:
der Hund wittert die Spur, das Wild
das Pferd geriet in Trab, als es den Stall witterte
als der Hund den Einbrecher gewittert hatte, schlug er bellend an
umgangssprachlich, übertragen etw. spüren, merken, ahnen
Beispiele:
eine Gefahr, ein Geschäft, seine Chance, seinen Vorteil wittern
gelegentlich scherzhaftjmd. wittert Morgenluft (= hält seine große Chance für gekommen)
Sie wittern etwas, das ist klar, aber sie wissen nichts Bestimmtes [ ApitzNackt74]
Wir wittern, daß etwas nicht stimmt, aber wir wissen nicht, was los ist [ WeyrauchDialog27]
Er wittert überall Verrat (= Er vermutet, fürchtet überall Verrat) [ FontaneStechlinI 5,150]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wittern · Witterung
wittern Vb. ‘regnen, blitzen und donnern’, in der Jägersprache ‘riechen’, übertragen ‘ahnen, vermuten’, mhd. witeren, wit(t)ern ‘irgendeine Art Wetter sein oder werden, Wetter machen’, jägersprachlich ‘als Geruch in die Nase bekommen’ (vgl. anord. viðra ‘Wetter sein, schnuppern, riechen’) ist von dem unter Wetter (s. d.) dargestellten Substantiv abgeleitet (vgl. aengl. wederian ‘schlechtes oder gutes Wetter sein’). Das i der Stammsilbe erklärt sich wohl aus dem Einfluß von Bildungen wie ahd. giwiteri, mhd. gewitter(e) (s. Gewitter), mhd. unwiter, oder es beruht auf der Wirkung des j-haltigen Suffixes des nach der Art von jan-Verben gebildeten Wortes. Jägersprachlicher Gebrauch ‘mit Hilfe der Witterung, der wehenden Luft riechen’ gilt zunächst von Tieren, dann auch von Menschen ‘mit dem Geruchssinn wahrnehmen’ und übertragen ‘ahnen, vermuten’ (18. Jh.). Witterung f. ‘das Wetter über einen längeren Zeitraum’ (16. Jh.), in der Jägersprache ‘Wahrnehmungsfähigkeit der Tiere mit dem Geruchssinn’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Nase haben für · (etwas) sagt jemandem sein Bauchgefühl · (irgend)etwas sagt(e) ihm / ihr / ihnen · Lunte riechen · spüren · wittern  ●  (einen) Riecher haben (für)  fig. · den Braten riechen  fig. · im Urin haben  fig.
Assoziationen
  • (jemandem ist / wird) mulmig (bei) · (jemandem ist etwas) nicht ganz geheuer · (jemandem ist) unbehaglich (bei) · (jemandem ist) ungemütlich (bei) · (jemandem ist) unwohl (bei)  ●  (jemandem ist) nicht ganz wohl (bei)  ugs.
  • (ein) ungutes Gefühl haben (bei) · (jemandem) nicht geheuer sein · (jemandem) nichts Gutes schwanen
  • (die) Intuition haben · den siebten Sinn haben · intuitiv wissen
  • (die) Zeit gekommen sehen · Hoffnung schöpfen · seine Chance für gekommen halten  ●  Morgenluft wittern  fig.
Synonymgruppe
beriechen · beschnuppern · beschnüffeln · riechen (an) · schnuppern · schnüffeln · wittern  ●  winden  Jägersprache · beschnobern  ugs. · flehmen  fachspr. · schnobern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Notiz nehmen von · merken · mitbekommen · registrieren · wittern  ●  gewahr werden  geh. · mitkriegen  ugs.
Synonymgruppe
(eine) dunkle Ahnung haben · (etwas) ahnen · (jemandem) schwanen · Vorahnung(en) haben · erahnen · erwarten · kommen sehen · vorausahnen · voraussehen · vorhersehen · wittern
Assoziationen
Synonymgruppe
(den) richtigen Riecher haben · (ein) Gespür haben (für) · (ein) Näschen haben (für) · (eine) Nase haben (für) · (etwas) wittern  ●  (einen) Riecher haben (für)  Hauptform
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›wittern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wittern‹.

Verwendungsbeispiele für ›wittern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die eigensinnigen Würmer witterten schnell eine andere Stelle, wo sie besser saugen können. [Die Zeit, 26.01.1996, Nr. 5]
Und ich witterte darin die Chance, ihn dadurch endlich häufiger sehen zu können. [Die Zeit, 28.01.2013, Nr. 04]
Sie wittern die Chance, nach vielen Jahren die Champions League zu gewinnen. [Die Zeit, 26.04.2012 (online)]
Dann wittern seine Männer die Chance, die feindlichen Regimenter zu umzingeln. [Die Zeit, 05.07.2010, Nr. 27]
Wo liegt das Ziel, das sie wittert, ohne es zu sehen? [Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 199]
Zitationshilfe
„wittern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wittern>.

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