wo

Aussprache
Wortbildung mit ›wo‹ als Erstglied: ↗woanders · ↗woandershin · ↗wobei · ↗wodurch · ↗wofern · ↗wofür · ↗wogegen · ↗woher · ↗wohin · ↗wohingegen · ↗womit · ↗womöglich · ↗wonach · ↗woneben · ↗woran · ↗worauf · ↗woraufhin · ↗woraus · ↗worein · ↗worin · ↗worum · ↗worunter · ↗worüber · ↗woselbst · ↗wovon · ↗wovor · ↗wozu · ↗wozwischen
 ·  mit ›wo‹ als Letztglied: ↗allwo · ↗anderswo · ↗irgendwo · ↗nirgendwo
eWDG, 1977

Bedeutungen

I.
adverbiell
1.
interrogativ leitet einen direkten oder indirekten Fragesatz ein
an welchem Ort, an welcher Stelle
Beispiele:
wo wohnt er?
wo bist du gestern gewesen?
von wo aus sehe ich den Turm am besten?
umgangssprachlich wo denkst du hin! (= da irrst du dich!)
ich weiß nicht, wo er wohnt
er fragte, wo er ihn treffen könne, von wo er käme
ich entsann mich nicht mehr, wo ich das gelesen hatte
umgangssprachlich er ist wer weiß wo (= er ist irgendwo)
2.
relativ
a)
räumlich
Beispiele:
hier ist der Ort, wo (= an dem) er geboren wurde
er blieb (dort, in B), wo er studiert hatte
überall, wo er auftrat, wurde er begeistert begrüßt
wo immer wir (auch) hinreisen, wir nehmen die Kinder stets mit
salopp bleib, wo der Pfeffer wächst!
Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn [GoetheLehrjahre7,167]
b)
zeitlich
Beispiele:
an dem Tag, wo (= an dem) am meisten zu tun war, wurde er krank
jetzt, wo ich alles noch einmal lese, kommen mir Bedenken
würde es das letzte Mal sein, wo sie ihn wiedersehen konnte?
in diesem Augenblick, wo sie so sehr eines Schutzes bedurfte, war das Kind nicht da [TralowKepler35]
c)
für relatives, auf eine Person bezogenes »der«, »die«, »das«
landschaftlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) schweizerisch, umgangssprachlich
Beispiele:
In Pilsen hat sich ein junger Mensch für eine Witwe, wo sogar schon nicht mehr ganz jung war, am Scheunenbalken aufgehängt [BrechtSchweyk1]
»Der mit seinem Geldhaufen, wo überhaupt nichts gespürt hat vom Krieg?« [O. M. GrafUnruhe53]
3.
indefinit
umgangssprachlich irgendwo
Beispiele:
er hat seinen Schirm wo stehenlassen
wenn wo Waffen vergraben sind, dann ist das hier bei uns [FalladaWolf2,13]
Immer mußt du die Finger wo haben [SeghersRettung3,123]
II.
konjunktional
1.
konditional
veraltend wo nichtwenn nicht
Beispiele:
er wird sich für lange Zeit, wo nicht für immer, schonen müssen
es wurde wo nicht eine Lösung, so doch ein gangbarer Weg in dieser Frage gefunden
Die Völker waren die Träger wo nicht ihrer Schicksale, so doch ihrer politischen Vorstellungswelt geworden [RathenauKommende Dinge237]
wo möglichwenn möglich
Beispiel:
kommen Sie bald, wo möglich, schon morgen!
2.
kausal
umgangssprachlich wo ... dochweil
Beispiele:
du solltest nicht spazierengehen, wo es doch so regnet
ich will dich gern unterstützen, wo du mir doch auch so oft geholfen hast
ich war traurig, daß Hanni mir nicht Bescheid gesagt hatte, wo ich doch auch mein Fahrrad mit hatte [SchnurreRechnung10]
hat auch konzessive, adversative Funktion   obwohl, während
Synonym zu da2 (Lesart III)
Beispiele:
warum gerade dieser Zeuge mich anzeigt / wo ich ihm doch einmal geholfen habe / als er Sabotage betrieben hatte [P. WeissErmittlung24]
dazu singt sie ein kleines Liedchen, einfach herzig! Wo sie doch früher nicht ans Klavier gegangen wäre [KästnerLottchen89]
III.
salopp ach wo!, i wo!aber nein!, keineswegs!
Beispiel:
»bist du mir böse?« »Ach wo
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wo Adv. Konj. Das Ortsadverb ahd. (h)wār ‘wo, woher’ (8. Jh.), mhd. , , wār, asächs. hwā̌r, mnd. wār, wōr, wūr, mnl. waer, wāre, nl. waar, afries. hwēr, aengl. hwǣr, hwā̌r, engl. where, germ. *hwēr, daneben (mit eindeutig kurzem Vokal) anord. hvar, schwed. var, got. ƕar, germ. *hwar ‘wo’ und aind. kárhi ‘wann’, lat. cūr ‘warum, weshalb, weil’ (alat. quōr), lit. kur̃ ‘wo, wohin’ führen als Bildungen mit r-Formans mit aslaw. kъde, russ. gde (где) ‘wo’ auf unterschiedliche Ablautstufen des Pronominalstamms ie. *ku̯o-, *ku̯e-. Auslautendes r fällt im Dt. bei einsilbigen Partikeln seit dem 11. Jh. ab, Verdumpfung von ā zu ō (beeinflußt durch vorangehendes w) ist (hd.) seit der 2. Hälfte des 13. Jhs. belegt. Der alte Lautstand ist erhalten in der Zusammensetzung ↗warum (s. d.). Konjunktionales wo entwickelt sich aus ahd. sō (h)wār sō über sō wār (9. Jh.), mhd. swō (1330), (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
also · ↗da · da ja · da obendrein · ↗denn · ↗ergo · ↗indem · ↗insofern · ↗mithin · ↗nachdem · ↗nämlich · wo  ●  ↗weil  Hauptform · ↗alldieweil  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
an welchem Ort · wo
Assoziationen
Synonymgruppe
an irgendeinem Ort · ↗irgendwo · wo

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Über das WANN und WO sollte nicht mehr gestritten werden, dafür um so heftiger über das WIE.
Die Welt, 01.09.2003
WIE, WO und WANN dürfen wir in Berlin eigentlich WAS einkaufen?
Bild, 02.06.1999
WO DIE POLITIK anfängt, ist schwer zu entscheiden: 1991 hatte Karlsruhe über den Einigungsvertrag zu urteilen.
Süddeutsche Zeitung, 10.01.1998
DORT, WO WARSCHAU alt erscheint, ist es eine Kopie voriger Jahrhunderte.
Süddeutsche Zeitung, 09.08.1994
Der Patentantrag WO 99/21415 umfasst laut Greenpeace auch die Eigentumsrechte an manipulierten Embryonen von Menschen, Schweinen, Kühen und Schafen.
Die Welt, 06.10.2000
Zitationshilfe
„wo“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wo>, abgerufen am 21.10.2018.

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