wohlweislich

Grammatik Adverb · ohne Steigerung
Aussprache [ˈvoːlvaɪ̯slɪç] · [voːl'vaɪ̯slɪç]
Worttrennung wohl-weis-lich
Wortzerlegung wohlweislich
eWDG, 1977

Bedeutung

aus gutem Grund, nach gründlicher Überlegung
Beispiele:
jmd. schweigt wohlweislich
sich etw. wohlweislich überlegen
er vermied es wohlweislich, seine Bedenken laut werden zu lassen
er behielt seine Meinung wohlweislich für sich
er hütete sich wohlweislich, seinen Verdacht zu äußern
wohlweislich verriet er seine Absicht nicht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weise · Weisheit · Weisheitszahn · weismachen · weislich · wohlweislich
weise Adj. ‘wissend, lebenserfahren, klug’, ahd. wīs und die Weiterbildung (ja-Stamm) wīsi (8. Jh.), mhd. wīs, wīse ‘verständig, erfahren, klug, kundig, gelehrt’, asächs. mnd. aengl. wīs, mnl. nl. wijs, engl. wise, anord. vīss, schwed. vis, got. -weis (z. B. unweis ‘unwissend’), germ. *weis(s)a- gehören zu der unter ↗wissen (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯eid-. Dabei ist entweder von einer Partizipialform ie. *u̯eidto- auszugehen oder aber von ie. *u̯eidso-, das sich als adjektivische Weiterbildung eines alten s-Stammes *u̯eides- (z. B. in aind. vḗdas- ‘Kenntnis, Einsicht’) erklären läßt. Die Ausgangsbedeutung des Adjektivs ist ‘wissend’, zunächst ‘im Hinblick auf eine Sache kundig, erfahren’, dann auch ‘klug, intelligent, verstandesmäßig begabt’, heute ‘durch Erfahrung und Bemühung verständig, einsichtig, den Zusammenhang verstehend, maßvoll’, vornehmlich als Merkmal eines alten Menschen geltend (vgl. mhd. die wīsen, die getageten und die grīsen). Weisheit f. ‘(im Laufe eines Lebens gewonnenes) Wissen, Erfahrung, Einsicht’, eigentlich ‘Zustand des Weiseseins’, ahd. (9. Jh.), mhd. wīsheit. Weisheitszahn m. hinterster Backenzahn, meist im Plur. Weisheitszähne, Übersetzung (17. Jh., zuvor zehne der vernunft und weisheit, 16. Jh.) von medizin.-lat. dentes intellectus bzw. dentes sapientiae, nach griech. sōphronistḗres (σωφρονιστῆρες), zu griech. sṓphrōn (σώφρων) ‘besonnen, weise, klug’. Die Zähne entwickeln sich erst im Erwachsenenalter, wenn der Mensch weise ist. weismachen Vb. ‘jmdm. etw. Unwahres (als Wahrheit) sagen, jmdn. anführen, ihn zum Narren halten’ (16. Jh.), mhd. wīs machen ‘wissend machen, belehren, kundtun, beibringen’ (in diesem Sinne noch im 18. Jh.). weislich Adj. ‘weise, klug, wissend’, ahd. wīslīh (8. Jh.), mhd. wīslich; noch geläufig in wohlweislich Adv. ‘aus gutem Grund, bewußt, in berechnender Absicht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemand) hat sich etwas dabei überlegt · (schon) seinen Grund haben · aus gutem Grund · nicht ohne Grund · nicht von ungefähr (kommen) · nicht zufällig · wohlweislich  ●  (dabei) hat sich jemand etwas gedacht  ugs. · (der) tiefere Sinn  ugs.
Assoziationen
  • absichtlich · ↗bewusst · ↗gezielt · in voller Absicht · mit Absicht · mit voller Absicht · ↗mutwillig · ↗willentlich · ↗wissentlich  ●  mit Vorsatz  juristisch · ↗vorsätzlich  juristisch · ↗extra  ugs. · ↗geflissentlich  geh.
  • (eine) Bewandtnis haben · (etwas) auf sich haben (mit) · nicht von ungefähr kommen · was ist mit (...) · zu etwas da sein  ●  schon seinen Grund haben  ugs. · was soll das (mit) (...)?  ugs. · zu etwas gut sein  ugs.
  • (darin) steckt ein Körnchen Wahrheit · (der) Wahrheitskern (ist) · (ein) Körnchen Wahrheit (enthalten) · (etwas) könnte teilweise stimmen · daran ist etwas Wahres · nicht ganz falsch (sein) · nicht völlig abwegig (sein) · wahr daran ist (dass)  ●  nicht völlig aus der Luft gegriffen sein  fig. · (an einer Sache) ist etwas Wahres dran  ugs. · (da) ist was dran  ugs.
  • etwas hat seine Bewandtnis · etwas hat seinen Grund · ich habe meine Gründe
  • (mit etwas) die Absicht verfolgen (dass) · (nur) dazu dienen, dass · jemand will (mit etwas) erreichen, dass  ●  (nur ein) Mittel zum Zweck (sein)  Hauptform · bloßes Mittel zum Zweck (sein)  Hauptform
Synonymgruppe
mit Bedacht · vorausschauenderweise · ↗vorsorglich · wohlweislich · zur Vorsorge  ●  ↗in weiser Voraussicht  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›wohlweislich‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wohlweislich‹.

Verwendungsbeispiele für ›wohlweislich‹

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Dass hier ganz überwiegend die Länder zuständig sind, verschweigt er wohlweislich.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.1999
Und bei der Interpretation seines Werkes hält man sich vorläufig wohlweislich zurück.
Die Zeit, 27.02.1995, Nr. 09
Ich weiß in jeder Blüte den Honig zu finden und lasse das Gift wohlweislich darin.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Von Paul zu Pedro. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 10969
Auf deutsche Cracks, die derzeit in Nordamerika ihr Geld verdienen, verzichtete der Trainer wohlweislich.
Die Welt, 12.04.1999
Wer die Schwäche des Landes dann nutzte und dabei den wirtschaftlichen Ruin mindestens billigend in Kauf nahm, haben unsere freien Medien wohlweislich verschwiegen.
konkret, 1999
Zitationshilfe
„wohlweislich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wohlweislich>, abgerufen am 18.09.2020.

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