Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wuchern

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈvuːχɐn]
Worttrennung wu-chern
Wortbildung  mit ›wuchern‹ als Erstglied: Wucherblume · Wucherei · Wucherer · Wucherin
 ·  mit ›wuchern‹ als Letztglied: Gewucher · bewuchern · durchwuchern · fortwuchern · umwuchern · überwuchern
 ·  formal verwandt mit: wild wuchernd · wildwuchernd
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
sich im Wachstum übermäßig stark ausbreiten, vermehren
2.
mit etw. Wucher treiben
3.
Gewinn bringen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wucher · Wucherer · wuchern · Wucherung
Wucher m. ‘aus verliehenem Geld erzielter unverhältnismäßig hoher Gewinn’, ahd. wuohhar ‘Frucht, Ernte, Ertrag, Gewinn, Lohn, Erfolg’ (8. Jh.), mhd. wuocher, (md.) wūcher, wōcher, auch ‘Kind, Zuchtvieh, übermäßige und unerlaubte Zinsen’, mnd. wōker, wūker ‘Ertrag von ausgeliehenem Geld, Zins’, mnl. nl. woeker, aengl. wōcor ‘Nachkommenschaft, Zins’, got. wōkrs ‘Zins’, eigentlich ‘Ertrag, Frucht’ (anord. okr ‘Zinsen, Wucher’ aus dem Mnd.), germ. *wōkra- m. ist mit dem Suffix für maskuline oder neutrale Konkreta germ. -ra- (ie. -ro-) zur Dehnstufe ie. *u̯ōg- der unter wachsen2 (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *(a)u̯eg-, *aug- ‘vermehren, zunehmen’ gebildet, wozu die verwandten unter auch (s. d.) angeführten Formen. Ausgangsbedeutung ist ‘Frucht, Nachkommenschaft’, an die sich der übertragene (und zunächst wertneutrale) Gebrauch ‘Frucht, Ertrag des Kapitals, Gewinn, Zins(en)’ anschließt. Da die Kirche Geldverleih gegen Zinsen verurteilt, entwickelt das Wort in mhd. Zeit abschätzigen Sinn. Als im 16./17. Jh. die Gesetzgebung, Zinsen (bis zu 5%) erlaubt, steht Wucher nur noch für die Erzielung überhöhter Zinsen bzw. Geschäftsgewinne. Wucherer m. ‘wer Geld zu übermäßig hohen Zinsen ausleiht’, ahd. wuohharāri ‘Geldverleiher’ (um 1100), mhd. wuocherære ‘wer Wucher treibt’. wuchern Vb. ‘Wucher treiben, sich sehr vermehren, üppig machen’, ahd. wuohharōn (um 1000), mhd. wuochern ‘Frucht bringen, wachsen, gewinnen, Wucher treiben’. Wucherung f. ‘üppiges Wachstum, Geschwulst, Auswuchs’ (19. Jh.), zuvor (besonders frühnhd.) ‘Wucher, Wucherei’, ahd. wuohharunga (um 1000), mhd. wuocherunge ‘Wachstum, Wucher’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) stark ausbreiten · (sich) stark vermehren · auswuchern · immer neue Triebe bilden · zuwachsen · zuwuchern · zügellos wachsen · überwuchern  ●  wuchern  Hauptform
Assoziationen
  • (sich) explosionsartig vermehren · ausufern · immer mehr werden · überhandnehmen · überproportional zunehmen

Typische Verbindungen zu ›wuchern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wuchern‹.

Verwendungsbeispiele für ›wuchern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist symbolisches Kapital, da muss man dranbleiben, damit muss man wuchern. [Die Zeit, 08.07.2002, Nr. 27]
Und wie überall auf der Welt wuchern die Aggressionen gegen die Immigranten. [Die Zeit, 09.01.1995, Nr. 02]
Sie wuchern um verrostende Container herum, die irgend jemand irgendwann einmal aufgestellt hat. [Die Zeit, 12.08.1994, Nr. 33]
Vom Hals des Mannes neben ihr war nämlich gar nichts zu sehen; die Haare wucherten über seinen Kragen und an seinem Kinn war es genauso. [Die Zeit, 02.12.1988, Nr. 49]
Dann, nur dann wäre es wirklich so, daß ich mit Berechnung und List dich gewonnen habe, um mit diesem Besitz zu wuchern. [Kafka, Franz: Das Schloß. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922], S. 10401]
Zitationshilfe
„wuchern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wuchern>.

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