wundern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung wun-dern
GrundformWunder
Wortbildung  mit ›wundern‹ als Erstglied: Wunderling · wunderbar · wunderlich
 ·  mit ›wundern‹ als Letztglied: bewundern · verwundern
eWDG

Bedeutungen

1.
sich wundernin Staunen, Verwunderung geraten
Beispiele:
wir wunderten uns, dass er nicht kam
sich nicht wenig, über alle Maßen wundern
umgangssprachlich, scherzhaftda staunt der Laie und der Fachmann wundert sich (= wird gesagt, wenn jmd. verdutzt, verwundert ist)
umgangssprachlich, spöttischdu wirst dich noch einmal wundern (= es wird noch ganz anders kommen, als du denkst)
ich erlaube mir noch mehr, du wirst dich wundern (= das wirst du nicht für möglich halten)
ich muss mich doch sehr wundern! (= dass du das tust, hätte ich nicht für möglich gehalten!)
sich über jmdn., etw. wundern
Beispiele:
wir haben uns über ihn sehr gewundert
er wundert sich über gar nichts mehr
2.
etw. wundert jmdn.etw. setzt jmdn. in Staunen, Verwunderung
Beispiele:
sein Verhalten hat uns sehr gewundert
das wundert ihn gar nicht weiter, nicht im Geringsten
Es sollte mich doch wundern, wenn ich nicht alles klar herausbrächte [ FalladaWolf1,190]
schweizerisch etw. macht jmdn. neugierig
Beispiel:
es wundert ihn, was sie wohl sagen wird
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wunder · wunderbar · wunderlich · wundern · verwundern
Wunder n. ‘Erstaunen verursachendes, ungewöhnliches Ereignis’, ahd. wuntar (um 800), mhd. wunder ‘Verwunderung, Erstaunen, Erstaunen hervorrufendes Geschehen, Gegenstand des Erstaunens’, asächs. wundar, mnd. wunder, mnl. nl. wonder, aengl. wundor, engl. wonder, anord. undr, schwed. under (germ. *wundra-). Herkunft unbekannt. Alle bisherigen Anknüpfungsversuche sind unbefriedigend; vgl. H. Adolf in: JEGP 46 (1947) 395 ff. Wunder bezeichnet zu Beginn seiner Bezeugung ‘Erstaunen’ und ‘was Erstaunen hervorruft’, wird aber in neuerer Zeit mehr und mehr durch konkurrierendes Verwunderung und Erstaunen auf ‘was Erstaunen, Verwunderung hervorruft’ eingeengt; aber vgl. noch das, es nimmt jmdn. wunder ‘es versetzt jmdn. in Erstaunen’, mhd. mich nimt es wunder. wunderbar Adj. ‘außerordentlich, großartig, sehr schön’ (16. Jh.), in älterer Sprache ‘einem Wunder entsprechend, übernatürlich’, mhd. wunderbære; dann auch ‘sonderbar, seltsam, wunderlich’ (16. Jh.) und in der literarischen Erörterung des 18. Jhs. ‘in der Phantasie verwurzelt’ (nicht der menschlichen Erfahrung angehörend). wunderlich Adj. ‘seltsam, sonderbar, befremdend’ (seit etwa 1700 vorherrschend), eigentlich ‘Verwunderung, Erstaunen erregend’, seltener ‘verwundert, erstaunt’ (bis ins 19. Jh.), ahd. wuntarlīh ‘wunderbar, außerordentlich, erstaunlich, befremdend’ (8. Jh.), mhd. wunderlich ‘wunderbar, sonderbar, seltsam, sich leicht verwundernd, reizbar, erstaunlich’. wundern Vb. ‘in Erstaunen versetzen’, reflexiv ‘erstaunt sein’, ahd. wuntarōn (8. Jh.), mhd. wundern, auch ‘Wunder vollbringen’. verwundern Vb. ‘in Erstaunen versetzen’, reflexiv ‘staunen’, mhd. verwundern ‘sich ganz wundervoll zeigen, staunen, bewundern, in Erstaunen versetzen’, auch ‘aufhören, sich zu wundern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) (verwundert) die Augen reiben · (sich) wundern · (ungläubig) den Kopf schütteln · erstaunt sein (über) · verdutzt sein  ●  (jemanden) mit großen Augen anschauen  ugs., variabel · (jemanden) ungläubig anschauen  ugs. · mit den Ohren schlackern  ugs. · verdattert sein  ugs. · vonne Socken sein  ugs., ruhrdt.
Synonymgruppe
(sich) fragen · (sich) wundern · gern wissen wollen · hinterfragen
Synonymgruppe
erstaunen · frappieren · für Überraschung sorgen (journal.) · in Erstaunen setzen · verblüffen · verdutzen · verwundern · überraschen  ●  (jemanden) wundern  ugs.
Synonymgruppe
(erst einmal) nichts zu sagen wissen · (jemanden) groß ansehen · (sehr) erstaunt sein · (sich) wundern · Stielaugen bekommen · angaffen · aus dem Staunen nicht mehr herauskommen · bestaunen · bewundern · kaum glauben wollen (was man sieht) · kaum glauben wollen (was man zu hören bekommt) · mit großen Augen ansehen · mit offenem Mund dastehen · seinen Augen nicht trauen (wollen) · seinen Ohren nicht trauen (wollen) · staunen · verwundert anstarren  ●  nicht schlecht staunen  Verstärkung · (den) Mund nicht mehr zubekommen  ugs. · (jemanden) anstarren wie ein Wesen vom anderen Stern  ugs., variabel · (jemanden) anstarren wie einen Marsmenschen  ugs. · Bauklötze staunen  ugs., Verstärkung · Glotzaugen machen  ugs. · Kulleraugen machen  ugs. · doof gucken  ugs. · große Augen machen  ugs. · gucken wie ein Auto  ugs., veraltend · wer beschreibt mein Erstaunen (als)  geh., literarisch, variabel, veraltend, floskelhaft
Assoziationen
  • außer Fassung · entgeistert · fassungslos · geschockt · ratlos · schockiert · verständnislos · wie vom Schlag getroffen  ●  (ganz) durcheinander  ugs., fig. · (ganz) von den Socken  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemanden) trifft der Schlag  ugs., fig. · dazu fällt jemandem nichts mehr ein  ugs. · die Welt nicht mehr verstehen  ugs. · erstaunten Auges  geh., altertümelnd, scherzhaft · konsterniert  geh. · verdattert  ugs. · wie vor den Kopf geschlagen  ugs.
  • (sich) (verwundert) die Augen reiben · (sich) wundern · (ungläubig) den Kopf schütteln · erstaunt sein (über) · verdutzt sein  ●  (jemanden) mit großen Augen anschauen  ugs., variabel · (jemanden) ungläubig anschauen  ugs. · mit den Ohren schlackern  ugs. · verdattert sein  ugs. · vonne Socken sein  ugs., ruhrdt.
  • (etwas) nicht fassen können · (etwas) nicht glauben wollen · nicht bedacht haben · nicht eingestellt (gewesen) sein (auf) · nicht gerechnet haben (mit) · nicht vorbereitet (gewesen) sein (auf) · überrascht werden (von)  ●  (völlig) überrascht (sein)  Hauptform · (für jemanden / jemandem) sehr plötzlich kommen  ugs. · (jemandem) bleibt die Spucke weg  ugs., fig. · (jemandem) fällt die Kinnlade herunter  ugs., salopp · (jemandem) klappt die Kinnlade herunter  ugs., salopp · aus allen Wolken fallen  ugs., fig. · kalt erwischt werden  ugs. · mit etwas überhaupt nicht gerechnet haben  ugs. · nicht auf dem Schirm (gehabt) haben  ugs., fig.
  • erstaunt · perplex · platt · sprachlos · verblüfft · verdattert · verdutzt · verwundert  ●  baff  ugs. · bass erstaunt  geh., veraltend, Verstärkung · geplättet  ugs., fig. · platt wie 'ne Flunder  ugs., Verstärkung · platt wie eine Briefmarke  ugs.
  • Neugieriger · Schaulustiger · Umstehender · Zaungast  ●  Gaffer  ugs. · Maulaffe  ugs., abwertend

Typische Verbindungen zu ›wundern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wundern‹.

Verwendungsbeispiele für ›wundern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und Ihr glaubtet noch dabei wunder wie großherzig zu handeln! [Penzoldt, Ernst: Die Powenzbande, Darmstadt: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1960 [1930], S. 193]
Wundert Euch nicht, wenn es eine Zeitlang dauert, denn ich habe beschlossen, mein Schicksal in meine eigenen Hände zu nehmen. [Brief von Unbekannt an Unbekannt, Stalingrad Winter 1942/43. In: Letzte Briefe aus Stalingrad, Gütersloh: Bertelsmann 1954 [1943]]
Das wird niemanden wundern, der die letzten Jahrzehnte athenischer Geschichte studiert hat. [Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3554]
Wer so redet, darf sich nicht über die politischen Folgen wundern. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Doch dann stößt man auf die Übersetzung des griechisch‑lateinischen Begriffs und wundert sich. [Die Zeit, 22.12.1999, Nr. 52]
Zitationshilfe
„wundern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wundern>.

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