Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

wurstig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung wurs-tig
Wortbildung  mit ›wurstig‹ als Erstglied: Wurstigkeit
eWDG

Bedeutung

salopp gleichgültig
Beispiele:
ein wurstiger Mensch
wurstig sein
Die Krämerin sieht wurstig vor sich hin [ StrittmatterOchsenkutscher66]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wurst · wursteln · wurstig
Wurst f. ‘in Därme gefüllte, gewürzte Fleischspeise’, ein dt. und nl. Wort, ahd. (11. Jh.), mhd. wurst (md. auch worst), asächs. wurst, mnd. mnl. nl. worst. Herkunft ungewiß. Am besten ist wohl Anschluß (ausgehend von ie. *u̯ṛtsti-) im Sinne von ‘Gedrehtes’ an ie. *u̯ert- ‘drehen, wenden’ (s. werden, -wärts), Dentalerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’. Möglich ist ferner die Auffassung des Substantivs als ‘Durcheinandergemengtes, Gemengsel’ und Zusammenhang mit wirr (s. d.), das (wenngleich unsicher) zu ie. *u̯ers- gestellt werden kann. In jedem Fall handelt es sich bei germ. *wursti- um eine schwundstufige Bildung mit (s)ti-Suffix. Redensartlich mit der Wurst nach dem Schinken werfen (18. Jh.), älter mit einer Wurst eine Speckseite abwerfen (Anfang 17. Jh.) ‘mit geringem Einsatz etw. Großes zu erreichen suchen’; es geht um die Wurst ‘es geht um die Entscheidung, kommt darauf an’ (19. Jh.); das ist mir Wurst (umgangssprachlich Wurscht) ‘gleichgültig’ (Anfang 19. Jh., aus der Studentensprache), im Hinblick auf die beiden sich einander gleichenden Enden der Wurst. wursteln Vb. ‘langsam, im alten Trott leben, arbeiten, wirtschaften’, auch ‘nicht ordentlich arbeiten’, meist (umgangssprachlich) wurschteln, Iterativbildung (Anfang 19. Jh.) zu wursten ‘Wurst machen’ (15. Jh.), ‘unordentlich, ungeschickt drehen, durcheinanderbringen, verwirren’ (17. Jh.), mnd. worstelen ‘ringen’. wurstig Adj. ‘gleichgültig’ (1. Hälfte 19. Jh., Studentensprache), älter ‘dick wie eine Wurst’ (18. Jh.), zuvor wursticht (vgl. würstet, 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
freudlos · gelangweilt · lieblos · nicht mit dem Herzen dabei · nicht mit ganzem Herzen dabei · ohne Begeisterung · ohne Einsatz · ohne Engagement · ohne Freude dabei · ohne sich Mühe zu geben · ohne sich anzustrengen · unengagiert  ●  lustlos  Hauptform · wurschtig  ugs. · wurstig  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›wurstig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie umschlang mich mit ihren wurstigen Armen, stolperte neben mir her und sah stolz zu mir auf. [Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 180]
Dagegen fallen die Beschreibungen der eigentlichen Reiseziele bisweilen recht wurstig aus. [Süddeutsche Zeitung, 07.04.1998]
Wurstig verläuft leider auch die immer wieder komisch auflodernde Liebesgeschichte. [Der Tagesspiegel, 08.05.1998]
Da lacht er und legt das Kinn in wurstige Falten. [Die Zeit, 12.07.1991, Nr. 29]
Über der Versammlung liegt der Flor wurstiger Melancholie oder auch ratloser Resignation. [Süddeutsche Zeitung, 02.05.2000]
Zitationshilfe
„wurstig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wurstig>.

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