Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

zäh

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [ˈʦɛː]
Wortbildung  mit ›zäh‹ als Erstglied: zähfaserig · zähfasrig · zähflüssig · zählebig
 ·  mit ›zäh‹ als Grundform: Zähe · Zähheit
eWDG

Bedeutungen

1.
schwerflüssig, zähflüssig
Beispiele:
zäher Sirup, Honig, Schleim, Teig, Morast
sie stapften durch den zähen Lehm des Ackers
[dunkelflüssiges Harz] das in zähem Rinnsal aus der zerklüfteten Borke sickert [ ViebigWeiberdorf88]
Die braune Flüssigkeit kroch zäh über die Tischdecke [ RauchfußSchles. Himmelreich254]
bildlich
Beispiele:
ihre zähe (= schwerfällig eintönige) Redeweise
Wie zäh ist die Zeit zwischen zwei Abenteuern! [ SeghersTransit5,172]
übertragen langwierig
Beispiel:
zähe Verhandlungen
2.
schwer dehnbar und fest
Beispiele:
der Rinderbraten war zäh wie Leder
mühsam würgte er das zähe Fleisch mit ein paar Kartoffeln hinunter
zähe Weidengerten
3.
ausdauernd
a)
widerstandsfähig, harten Lebensbedingungen, schweren Belastungen physisch gewachsen
Beispiele:
ein zäher Schwimmer, Bergsteiger
er war von zäher Gesundheit, Rüstigkeit
er besaß eine zähe Lebenskraft, Natur
diese Tiere haben ein zähes Leben
die Großeltern beiderseits waren zäh und langlebig gewesen
sie war zäh wie eine Katze
Wer gedachte noch jener kleinen, zähen Zypresse hoch am Berge [ HesseSteppenw.4,219]
b)
beharrlich, hartnäckig
Beispiele:
in mühsamer, zäher Kleinarbeit war das Werk entstanden
die Krankheit hatte ihn zwar zurückgeworfen, aber mit zähem Fleiß hatte er bald alles nachgeholt
ein zäher Kampf, ein zähes Ringen, ein zäher Widerstand
um diesen Erfolg hatten sie zäh kämpfen, ringen, arbeiten müssen
Die Idee eines dem Volke gewidmeten Fest‑Theaters … lebt zäh in ihm [Richard Wagner] fort [ Th. Mann11,626]
Schwer ist und nützlich die tägliche Kleinarbeit / Zähes und heimliches Knüpfen / Des Netzes der Partei vor den / Gewehrläufen der Unternehmer [ BrechtGedichte247]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zäh · zach · Zähigkeit · Zäheit
zäh Adj. ‘dickflüssig, klebrig, weich und dabei fest zusammenhaltend, schwer zu zerkleinern’, übertragen (seit dem 16. Jh., von Personen) ‘ausdauernd, widerstandsfähig, beharrlich’, ahd. zāhi (auch zāh?, 9. Jh.), mhd. zæh(e), zæch, mnd. tēge, , tei(g)e, mnl. taey, tay, nl. taai, daneben (auf Grund anderer Stammbildung ohne Umlaut) mhd. zāch, mnd. , aengl. tōh, engl. tough. Auszugehen ist von germ. *tanhi- bzw. *tanhu-, das vielleicht, wenn man grammatischen Wechsel annimmt, mit ahd. gizengi Adj., gizango Adv. ‘etw. erreichend, wohin dringend’ (beide 9. Jh.), asächs. bitengi ‘haftend, verbunden, drückend, bedrängend’, aengl. getenge ‘nahe bei, ruhend auf, (be)drückend, lästig’, getang ‘in Verbindung mit’ in Zusammenhang steht. Der (formal mögliche) weitere Anschluß an die bei Zange (s. d.) dargestellte Wortgruppe bleibt fraglich. Die heutige literatursprachliche Form zäh setzt sich im 17. Jh. durch, nur noch landschaftlich gilt umlautloses zach Adj. (mit gekürztem Vokal), besonders in übertragenen Verwendungen wie (md.) ‘knauserig, geizig’ (vgl. schon mhd. zæhe, spätmhd. zāch in diesem Sinne) und (nordd.) ‘schüchtern, übermäßig zurückhaltend, zaghaft’. Zähigkeit f. ‘Widerstandsfähigkeit, Ausdauer, Beharrlichkeit’, auch ‘Festigkeit, Klebrigkeit, Zusammenhalt’ (17. Jh.), in bezug auf konkrete Materialien und Gegenstände jetzt meist Zäheit f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dickflüssig · klebrig · schwerflüssig · zäh · zähflüssig  ●  pappig  ugs. · pastos  fachspr. · pastös  fachspr. · viskos  fachspr. · viskös  fachspr., selten
Assoziationen
Synonymgruppe
belastbar · bestandskräftig · ehern · fest · haltbar · kräftig · robust · solide · stabil · stark · stattlich · tragfähig · zäh  ●  resilient  fachspr. · taff  ugs.
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
abgehärtet · belastbar · erschütterungsfest · gefestigt · leistungsfähig · sicher · stabil · zäh · zählebig  ●  hart im Nehmen  ugs.
Synonymgruppe
(nur) schwer zu drehen · eingerostet · schwer zu bedienen · schwer zu bewegen · umständlich (zu bedienen)  ●  schwergängig  Hauptform · zäh  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›zäh‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zäh‹.

Verwendungsbeispiele für ›zäh‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der zähe Nebel, der morgens über der Stellung hing, wich oft bis zum späten Mittag nicht. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 162]
Er war weich, liebenswürdig, doch zäh, und wenn es um seine Interessen ging, in den Mitteln nicht bedenklich. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 322]
Mit zäher Kraft hielt er die Tradition der Kapelle wach. [Nick, Edmund: Strauß (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 21109]
Ich spüre förmlich, wie die Luft im virtuellen Raum schwer wird, zäher. [C't, 2000, Nr. 26]
Ein Match zieht sich über Stunden, die Zeit fließt zäh dahin. [Die Zeit, 02.06.1999, Nr. 23]
Zitationshilfe
„zäh“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/z%C3%A4h>.

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