zäh

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›zäh‹ als Erstglied: ↗zähfaserig · ↗zähfasrig · ↗zähflüssig · ↗zählebig
 ·  mit ›zäh‹ als Grundform: ↗Zähheit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
schwerflüssig, zähflüssig
Beispiele:
zäher Sirup, Honig, Schleim, Teig, Morast
sie stapften durch den zähen Lehm des Ackers
[dunkelflüssiges Harz] das in zähem Rinnsal aus der zerklüfteten Borke sickert [ViebigWeiberdorf88]
Die braune Flüssigkeit kroch zäh über die Tischdecke [RauchfußSchles. Himmelreich254]
bildlich
Beispiele:
ihre zähe (= schwerfällig eintönige) Redeweise
Wie zäh ist die Zeit zwischen zwei Abenteuern! [SeghersTransit5,172]
übertragen langwierig
Beispiel:
zähe Verhandlungen
2.
schwer dehnbar und fest
Beispiele:
der Rinderbraten war zäh wie Leder
mühsam würgte er das zähe Fleisch mit ein paar Kartoffeln hinunter
zähe Weidengerten
3.
ausdauernd
a)
widerstandsfähig, harten Lebensbedingungen, schweren Belastungen physisch gewachsen
Beispiele:
ein zäher Schwimmer, Bergsteiger
er war von zäher Gesundheit, Rüstigkeit
er besaß eine zähe Lebenskraft, Natur
diese Tiere haben ein zähes Leben
die Großeltern beiderseits waren zäh und langlebig gewesen
sie war zäh wie eine Katze
Wer gedachte noch jener kleinen, zähen Zypresse hoch am Berge [HesseSteppenw.4,219]
b)
beharrlich, hartnäckig
Beispiele:
in mühsamer, zäher Kleinarbeit war das Werk entstanden
die Krankheit hatte ihn zwar zurückgeworfen, aber mit zähem Fleiß hatte er bald alles nachgeholt
ein zäher Kampf, ein zähes Ringen, ein zäher Widerstand
um diesen Erfolg hatten sie zäh kämpfen, ringen, arbeiten müssen
Die Idee eines dem Volke gewidmeten Fest-Theaters ... lebt zäh in ihm [Richard Wagner] fort [Th. Mann11,626]
Schwer ist und nützlich die tägliche Kleinarbeit / Zähes und heimliches Knüpfen / Des Netzes der Partei vor den / Gewehrläufen der Unternehmer [BrechtGedichte247]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zäh · zach · Zähigkeit · Zäheit
zäh Adj. ‘dickflüssig, klebrig, weich und dabei fest zusammenhaltend, schwer zu zerkleinern’, übertragen (seit dem 16. Jh., von Personen) ‘ausdauernd, widerstandsfähig, beharrlich’, ahd. zāhi (auch zāh?, 9. Jh.), mhd. zæh(e), zæch, mnd. tēge, , tei(g)e, mnl. taey, tay, nl. taai, daneben (auf Grund anderer Stammbildung ohne Umlaut) mhd. zāch, mnd. , aengl. tōh, engl. tough. Auszugehen ist von germ. *tanhi- bzw. *tanhu-, das vielleicht, wenn man grammatischen Wechsel annimmt, mit ahd. gizengi Adj., gizango Adv. ‘etw. erreichend, wohin dringend’ (beide 9. Jh.), asächs. bitengi ‘haftend, verbunden, drückend, bedrängend’, aengl. getenge ‘nahe bei, ruhend auf, (be)drückend, lästig’, getang ‘in Verbindung mit’ in Zusammenhang steht. Der (formal mögliche) weitere Anschluß an die bei ↗Zange (s. d.) dargestellte Wortgruppe bleibt fraglich. Die heutige literatursprachliche Form zäh setzt sich im 17. Jh. durch, nur noch landschaftlich gilt umlautloses zach Adj. (mit gekürztem Vokal), besonders in übertragenen Verwendungen wie (md.) ‘knauserig, geizig’ (vgl. schon mhd. zæhe, spätmhd. zāch in diesem Sinne) und (nordd.) ‘schüchtern, übermäßig zurückhaltend, zaghaft’. Zähigkeit f. ‘Widerstandsfähigkeit, Ausdauer, Beharrlichkeit’, auch ‘Festigkeit, Klebrigkeit, Zusammenhalt’ (17. Jh.), in bezug auf konkrete Materialien und Gegenstände jetzt meist Zäheit f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dickflüssig · ↗klebrig · zäh · ↗zähflüssig  ●  ↗pappig  ugs. · ↗viskos  fachspr.
Synonymgruppe
belastbar · ↗ehern · ↗fest · ↗haltbar · ↗kräftig · ↗robust · ↗solide · ↗stabil · ↗stark · ↗stattlich · ↗tragfähig · zäh  ●  ↗resilient  fachspr. · ↗taff  ugs.
Synonymgruppe
ausdauernd · ↗robust · ↗strapazierfähig · ↗widerstandsfähig · zäh
Unterbegriffe
Assoziationen
  • auf Dauer · auf lange Sicht · für (eine) lange Zeit · für (eine) längere Zeit · für einen langen Zeitraum · für einen längeren Zeitraum · ↗langfristig · ↗längerfristig · ↗nachhaltig · nicht nur für (ein paar Tage)  ●  für länger  ugs.
  • (den) Mut nicht sinken lassen · (die) Hoffnung nicht aufgeben · (die) Stellung behaupten · ↗(sich) behaupten · (sich) nicht ins Bockshorn jagen lassen · nicht den Mut verlieren  ●  (den) Kopf oben behalten  fig. · (sich) senkrecht halten  fig. · ↗kämpfen  fig. · (die) Ohren steif halten  ugs. · (sich) nicht kleinkriegen lassen  ugs. · (sich) nicht unterkriegen lassen  ugs.
  • (sich) nicht geschlagen geben · nicht aufgeben · ↗weiterkämpfen
Synonymgruppe
abgehärtet · ↗belastbar · ↗erschütterungsfest · ↗gefestigt · ↗leistungsfähig · ↗sicher · ↗stabil · zäh · ↗zählebig  ●  hart im Nehmen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausdauer Beharrlichkeit Brei Bursche Feilschen Festhalten Fleiß Flüssigkeit Kampf Kleinarbeit Kleinkrieg Masse Nebel Ringen Schlamm Schleim Verhandeln Verhandlung Verhandlungspartner Widerstand ausdauernd beharrlich dahinschleppen geduldig klebrig langwierig verbissen verlaufen verteidigt äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zäh‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wo das Stück unerbittlich sein möchte, wirkt es zäh.
Der Tagesspiegel, 09.06.1998
Die geplante Diskussion mit den Bürgern kam allerdings nur recht zäh in Gang.
Süddeutsche Zeitung, 09.02.1998
Mit zäher Kraft hielt er die Tradition der Kapelle wach.
Nick, Edmund: Strauß (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 21109
Der zähe Nebel, der morgens über der Stellung hing, wich oft bis zum späten Mittag nicht.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 162
Mit zähem Kampfe rang ich sie ihrer Herrin ab, die sie vertragswidrig festhalten wollte.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4852
Zitationshilfe
„zäh“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zäh>, abgerufen am 24.05.2019.

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