züchten

Grammatik Verb · züchtet, züchtete, hat gezüchtet
Aussprache 
Worttrennung züch-ten
Wortbildung  mit ›züchten‹ als Erstglied: Züchter · Züchtung  ·  mit ›züchten‹ als Letztglied: anzüchten · aufzüchten · durchzüchten · heranzüchten · herauszüchten · hochzüchten · überzüchten
 ·  mit ›züchten‹ als Grundform: Gezücht
eWDG

Bedeutungen

1.
Tiere, Pflanzen züchtenbei Tieren Pflanzen durch Auslese, Kreuzung, Paarung von Exemplaren mit besonderen Eigenschaften die Art verbessern, neue Arten, Rassen entwickeln, hervorbringen und aufziehen
Beispiele:
winterfeste Weizensorten, neue Apfelsorten, Kirschsorten züchten
durch Pfropfungen wird versucht, neue Arten zu züchten
schnell reifende Obstsorten züchten
Heilpflanzen in Kulturen züchten
Schafe, Bienen, Rosen züchten
Bakterien auf einem geeigneten künstlichen Nährboden züchten (= heranziehen)
abwertend, übertragen etw. erzeugen, hervorrufen, wachrufen
Beispiele:
mit ihrer Klatschsucht hat sie allenthalben nur Abneigung gegen sich gezüchtet
daß die Bourgeoisie, je reicher sie wurde, ein desto zahlreicheres Proletariat züchtete [ MehringDt. Geschichte155]
2.
Zoologie von Tieren   sich paaren, fortpflanzen
Beispiele:
Luchse haben in Tiergärten auch hin und wieder gezüchtet [ GrzimekWildes Tier75]
Davidshirsche, die … vor dem Aussterben bewahrt wurden, leben und züchten jetzt in aller Welt [ Urania1961]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zucht · züchten · Züchter · züchtig · Gezücht · züchtigen · Unzucht · unzüchtig · Zuchthaus · Zuchtwahl
Zucht f. ‘das Aufziehen, Züchten (von Tieren und Pflanzen) und dessen Ergebnis, (strenge) Erziehung, Gehorsamkeit, Disziplin’, ahd. zuht ‘Unterhalt, Nahrung, Erziehung, Belehrung, Sprößling, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. zuht ‘das Ziehen, Zug, Richtung, Weg, Erziehung, Bildung, Strafe, feine Sitte und Lebensart, Ernährung, Unterhalt, Abstammung, das Aufgezogene’, asächs. tuht, mnd. tucht ‘Zug, Ziehen, Aufschub, Verzug, Frist, Erziehung, Bildung, das Aufgezogene’ (besonders vom Vieh), mnl. tocht, tucht ‘das Ziehen, Erziehung, Nutznießung, Höflichkeit’, nl. tocht, aengl. tyht ‘Lauf, Bewegung, Unterweisung’, anord. (wohl aus dem Mnd.) tykt ‘Zucht, Strafe’ sowie got. ustaúhts ‘Vollendung, Erfüllung’ sind ablautende Abstrakta mit ti-Suffix (germ. *tuhti-) zu dem unter ziehen (s. d.) behandelten Verb. Sie bezeichnen zunächst ‘das Ziehen’ als Beihilfe bei der Geburt von Haustieren, danach die Ernährung und Pflege der Jungtiere sowie das Aufziehen von Pflanzen und (jungen) Menschen und (im menschlichen Bereich) Erziehung und Bildung. Mhd. zuht gehört im Sinne von ‘feine Sitte und höfische Lebensart’ zu den Kernbegriffen der mittelalterlich-höfischen Ethik. züchten Vb. ‘planmäßig und auswählend Pflanzen oder Tiere heranziehen’, ahd. zuhten (8. Jh.), mhd. zühten ‘nähren, aufziehen’. Züchter m. ‘wer planmäßig, auswählend, veredelnd Tiere und Pflanzen heranzieht’ (wohl erst 19. Jh.), zuvor frühnhd. ‘Lehrer, Erzieher’; vgl. ahd. zuhtāri ‘Ernährer, Erzieher’ (9. Jh.; zuhtāra f. ‘Ernährerin’, auch ‘Nachkommenschaft’, 8. Jh.), mhd. zühter ‘Vogeljunges’, auch ‘wer junge Tiere aufzieht’. züchtig Adj. ‘brav, anständig’, ahd. zuhtīg ‘geschult, maßvoll, zur Zucht fähig’ (10. Jh.), mhd. zühtec, zühtic ‘züchtigend, wohlgezogen, artig, höflich, gedeihlich, fruchtbringend’. Gezücht n. ‘Heran-, Aufgezogenes’, oft geringschätzig ‘Brut, Gesindel, Geschmeiß’, mhd. gezüchte; Kollektivum zu Zucht. Vgl. Otterngezüchte (Luther, Mt. 3,7). züchtigen Vb. ‘(körperlich) strafen’, mhd. zühtegen, zühtigen ‘durch Zucht erziehen, strafen, sich ziehen, bilden’; vgl. ahd. afterzuhtīg ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugend’ und (zweifelhaft) afterzuhtīgen ‘(nach dem Werfen der Lämmer) säugen’. Unzucht f. ‘unsittliche Handlung’, ahd. unzuht (10. Jh.), mhd. unzuht ‘Ungehörigkeit, Ungesittetheit, Roheit, Gewalttätigkeit, Unsittlichkeit’. unzüchtig Adj. ‘unsittlich’, ahd. unzuhtīg (10. Jh.), mhd. unzühtec, unzühtic ‘zuchtlos, unsittlich’. Zuchthaus n. ‘Strafanstalt’ (17. Jh.), ‘Wohngemeinschaft, Internat, Erziehungs-, Besserungsanstalt’ (16. Jh.). Zuchtwahl f. s. Selektion.

Thesaurus

Botanik
Synonymgruppe
groß ziehen · züchten

Typische Verbindungen zu ›züchten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›züchten‹.

Verwendungsbeispiele für ›züchten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das will er nebenbei auch weiter, bis er altert, dann, ab Achtzig, Rosen züchten. [Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 24]
Auf solche Weise konnten in 23 Monaten 742 Generationen gezüchtet werden. [Hesse, Richard: Der Tierkörper als selbständiger Organismus, Leipzig u. a.: B. G. Teubner 1910, S. 931]
Man sollte reine Untertanen züchten – bald wird es keine mehr geben. [Tucholsky, Kurt: Schnipsel. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 3777]
Wer will da um jeden Preis via nackter Repression Terroristen züchten nach seinem Bilde? [konkret, 1981]
Sie züchteten eine Sorte mit einer besonders hohen Konzentration davon. [Die Zeit, 03.01.2011, Nr. 01]
Zitationshilfe
„züchten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/z%C3%BCchten>.

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