zügeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzü-geln
Wortbildung mit ›zügeln‹ als Erstglied: ↗Zügelung
eWDG, 1977

Bedeutung

bei einem Reittier, Zugtier die Zügel anziehen, um es zurückzuhalten, zum Stehen zu bringen
Beispiele:
er musste seine Pferde zügeln, damit die Umherstehenden nicht zu Schaden kamen
die Wagenpferde, von den Kutschern mühsam gezügelt, wurden ungeduldig [J. RothRadetzkymarsch347]
übertragen
Beispiele:
seine Gefühle, Begeisterung, Leidenschaft, Neugierde, Ungeduld, Wut, seinen Tatendrang, Zorn zügeln (= zurückhalten, beherrschen)
seine Zunge zügeln (= nichts Unbedachtes äußern)
sich zügeln (= sich zurückhalten, beherrschen)
jmdn. zügeln (= jmdn. dazu bringen, sich zurückzuhalten, sich zu beherrschen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zügel · zügeln · zügellos
Zügel m. ‘Lenkriemen der Reit- und Zugpferde’, ahd. zuhil (um 800), zugil (10. Jh.), mhd. zügel ‘Zügel, Riemen, Strich, Band’, mnd. tōgel, mnl. tōghel, teugel, nl. teugel, aengl. tygel, anord. tygill, schwed. tygel führen auf germ. *tugila-, gebildet mit dem Suffix für maskuline Gerätebezeichnungen germ. -ila- und grammatischem Wechsel von h und g zur Tiefstufe des unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verbs. Ausgangsbedeutung ist ‘Gerät zum Ziehen’. zügeln Vb. ‘im Zaum halten’ (Mitte 18. Jh.), ‘halftern’ (15. Jh., vereinzelt). zügellos Adj. ‘ohne Zügel, uneingeschränkt, undiszipliniert’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(irgendwohin) gehen · den Wohnort wechseln · den Wohnsitz wechseln · eine neue Bleibe bekommen (Behörde o.ä.) · ↗umsiedeln · ↗umziehen · ↗übersiedeln  ●  ↗dislozieren  schweiz. · zügeln  schweiz.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) zur Besinnung bringen · (jemanden) zur Vernunft bringen · ↗drosseln · ↗mäßigen · mäßigend einwirken (auf jemanden) · zur Räson bringen · zügeln  ●  dafür sorgen, dass jemand (wieder) Vernunft annimmt  variabel
Assoziationen
  • (jemandem) die Flausen austreiben  ●  (jemandem) den Kopf zurechtrücken  fig. · (jemandem) den Kopf zurechtsetzen  fig.
  • (einen) Dämpfer verpassen · (jemandem) die Flausen im Kopf austreiben · ↗(jemanden) bremsen · (jemanden) in seinem Überschwang dämpfen · auf den Boden der Tatsachen (zurück)holen  ●  (die) Flügel stutzen  fig. · (jemanden) (wieder) auf Normalmaß bringen  fig., variabel
  • (jemanden) bremsen · ↗(jemanden) stoppen · ↗(jemanden) zurückpfeifen
  • (sich) besinnen · (wieder) Verstand annehmen · Vernunft annehmen · einsichtig werden · zur Besinnung kommen · zur Räson kommen · zur Vernunft kommen  ●  (wieder) vernünftig werden  ugs.
  • gefügig machen · gefügsam machen · unter (seine) Kontrolle bringen · ↗zähmen  ●  an die Kandare nehmen  ugs.
Synonymgruppe
(die) Kontrolle behalten (über) · im Zaum halten · in Schach halten · in Zaum halten · ↗mäßigen · unter Kontrolle halten · zügeln
Assoziationen
  • (die) Contenance wahren · ↗(sich) beherrschen · (sich) im Griff haben · (sich) im Zaum halten · ↗(sich) mäßigen · (sich) nicht gehen lassen · (sich) unter Kontrolle haben · ↗(sich) zusammennehmen · ↗(sich) zusammenreißen · (sich) zügeln · an sich halten · nicht die Selbstbeherrschung verlieren · seinen Emotionen (Temperamenten o.ä.) nicht freien Lauf lassen  ●  (dreimal) tief schlucken  ugs. · (seine) Zunge hüten  geh., veraltend, literarisch · den Ball flach halten  ugs., fig. · den Ball flachhalten  ugs., fig. · nicht ausklinken  ugs. · nicht ausrasten  ugs.
Synonymgruppe
bändigen · zügeln

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aggressor Angriffslust Appetit Begierde Drang Durst Ehrgeiz Eifer Eifersucht Emotion Erregung Expansionsdrang Gier Neugier Neugierde Radikale Risikoappetit Spieltrieb Tatendrang Temperament Trieb Ungeduld Wettrüsten Wut Zorn Zunge bändigen Öldurst Übermut Überschwang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zügeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist keine geringe Kunst, seinen Zorn zu zügeln, wenn man eigentlich wortreich lospoltern wollte.
Süddeutsche Zeitung, 01.03.1999
Schließlich konnte ich das Drängen des Blutes nicht mehr zügeln.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8709
Wie aus einem antiken Fries gehoben, so zügelt er sie und treibt sie an.
Kolb, Annette: Die Schaukel, Frankfurt a. M.: Fischer 1960 [1934], S. 54
Das langsame Vorgehen hat mein Temperament gezügelt und mich für den Stein sensibilisiert.
Die Welt, 19.04.2002
Das Wort »unfair« traf mich zutiefst, und ich bemühte mich fortan, im Rahmen des Möglichen mein Temperament zu zügeln.
Maltzan, Maria von: Schlage die Trommel und fürchte dich nicht, Berlin: Ullstein 1998 [1986], S. 38
Zitationshilfe
„zügeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zügeln>, abgerufen am 17.02.2019.

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