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zügeln

Grammatik Verb · zügelt, zügelte, hat gezügelt
Aussprache 
Worttrennung zü-geln
GrundformZügel
Wortbildung  mit ›zügeln‹ als Erstglied: Zügelung  ·  mit ›zügeln‹ als Binnenglied: Appetitzügler
eWDG

Bedeutung

bei einem Reittier, Zugtier die Zügel anziehen, um es zurückzuhalten, zum Stehen zu bringen
Beispiele:
er musste seine Pferde zügeln, damit die Umherstehenden nicht zu Schaden kamen
die Wagenpferde, von den Kutschern mühsam gezügelt, wurden ungeduldig [ J. RothRadetzkymarsch347]
übertragen
Beispiele:
seine Gefühle, Begeisterung, Leidenschaft, Neugierde, Ungeduld, Wut, seinen Tatendrang, Zorn zügeln (= zurückhalten, beherrschen)
seine Zunge zügeln (= nichts Unbedachtes äußern)
sich zügeln (= sich zurückhalten, beherrschen)
jmdn. zügeln (= jmdn. dazu bringen, sich zurückzuhalten, sich zu beherrschen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zügel · zügeln · zügellos
Zügel m. ‘Lenkriemen der Reit- und Zugpferde’, ahd. zuhil (um 800), zugil (10. Jh.), mhd. zügel ‘Zügel, Riemen, Strich, Band’, mnd. tōgel, mnl. tōghel, teugel, nl. teugel, aengl. tygel, anord. tygill, schwed. tygel führen auf germ. *tugila-, gebildet mit dem Suffix für maskuline Gerätebezeichnungen germ. -ila- und grammatischem Wechsel von h und g zur Tiefstufe des unter ziehen (s. d.) behandelten Verbs. Ausgangsbedeutung ist ‘Gerät zum Ziehen’. – zügeln Vb. ‘im Zaum halten’ (Mitte 18. Jh.), ‘halftern’ (15. Jh., vereinzelt). zügellos Adj. ‘ohne Zügel, uneingeschränkt, undiszipliniert’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(irgendwohin) gehen · den Wohnort wechseln · den Wohnsitz wechseln · eine neue Bleibe bekommen (Behörde o.ä.) · umsiedeln · umziehen · übersiedeln  ●  dislozieren  schweiz. · zügeln  schweiz.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) zur Besinnung bringen · (jemanden) zur Vernunft bringen · drosseln · mäßigen · mäßigend einwirken (auf jemanden) · zur Räson bringen · zügeln  ●  dafür sorgen, dass jemand (wieder) Vernunft annimmt  ugs., variabel
Assoziationen
  • (jemandem) die Flausen austreiben  ●  (jemandem) den Kopf zurechtrücken  fig. · (jemandem) den Kopf zurechtsetzen  fig.
  • (einen) Dämpfer verpassen · (jemandem) die Flausen im Kopf austreiben · (jemanden) bremsen · (jemanden) in seinem Überschwang dämpfen · auf den Boden der Tatsachen (zurück)holen  ●  (die) Flügel stutzen  fig. · (jemanden) (wieder) auf Normalmaß bringen  fig., variabel
  • (den) Abbruch (einer Aktion) befehlen · (jemanden) bremsen · (jemanden) stoppen · (jemanden) zurückpfeifen
  • (sich) besinnen · (wieder) Verstand annehmen · Vernunft annehmen · einsichtig werden · zur Besinnung kommen · zur Räson kommen · zur Vernunft kommen  ●  (wieder) vernünftig werden  ugs.
  • gefügig machen · gefügsam machen · unter (seine) Kontrolle bringen · zähmen  ●  an die Kandare nehmen  ugs.
Synonymgruppe
(die) Kontrolle behalten (über) · im Zaum halten · in Zaum halten · mäßigen · unter Kontrolle halten · zügeln  ●  in Schach halten  fig.
Assoziationen
  • (sich) im Griff haben · (sich) im Zaum halten · (sich) mäßigen · (sich) nicht gehen lassen · (sich) unter Kontrolle haben · (sich) zusammennehmen · (sich) zusammenreißen · (sich) zügeln · an sich halten · nicht die Selbstbeherrschung verlieren · seinen Emotionen (Temperamenten o.ä.) nicht freien Lauf lassen  ●  (sich) beherrschen  Hauptform · (dreimal) tief schlucken  ugs. · (seine) Zunge hüten  geh., veraltend, literarisch · den Ball flach halten  ugs., fig. · den Ball flachhalten  ugs., fig. · nicht ausklinken  ugs. · nicht ausrasten  ugs.

Typische Verbindungen zu ›zügeln‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zügeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›zügeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich konnte ich das Drängen des Blutes nicht mehr zügeln. [Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8709]
Doch erst gesundheitliche Probleme zwangen ihn dazu, sich zu zügeln. [Die Zeit, 25.05.2009, Nr. 21]
Der Mann mit der ruhigen Hand – damals zügelte er die Zeit. [Die Zeit, 07.07.2005, Nr. 28]
Das Sterben der Mutter zügelt das literarische Temperament des Autors. [Die Zeit, 05.10.1990, Nr. 41]
Es sei unerläßlich, die Entwicklung so schnell wie möglich zu zügeln. [Die Zeit, 16.12.1960, Nr. 51]
Zitationshilfe
„zügeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/z%C3%BCgeln>.

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