Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

zünftig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung zünf-tig
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich ordentlich, tüchtig (in seinem Fach, auf seinem Gebiet)
Beispiele:
dieses Buch ist eine Fundgrube für den zünftigen Angler, Briefmarkensammler, Kleingärtner
ein zünftiger Motorradfahrer trägt einen Sturzhelm
dieses Institut hat sogar ein zünftiges Blasorchester, eine zünftige Handballmannschaft
sein Vater meinte, er sollte erst einmal ein zünftiges (= richtiges) Handwerk lernen
zweckmäßig, fachmännisch
Beispiele:
eine zünftige Skiausrüstung
er trug eine zünftige Jägeruniform
die zünftige weiße Mütze des Kochs
gehörig, wie es sein soll
Beispiele:
ein zünftiger Skatabend
eine zünftige Silvesterfeier mit Karpfen und Punsch
zu einem zünftigen Katerfrühstück gehört ein saurer Hering
zünftig Fasching feiern
wir wollen heute Abend ein zünftiges (= gutes) Bier trinken
sie gab ihm eine zünftige (= kräftige) Ohrfeige
2.
historisch dem Zunftwesen entsprechend, auf dem Zunftwesen beruhend
Beispiel:
Der zünftige Gewerbebetrieb der Städte produzierte schon für weitere Kreise und für entlegenere Märkte [ MehringDt. Geschichte37]
einer Zunft angehörend
Beispiel:
ein zünftiger Meister, Geselle
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zunft · zünftig
Zunft f. ‘Zusammenschluß von Handwerkern zur gemeinsamen Interessenwahrung, Innung’, ahd. zumft, gizumft, -zunft ‘Gemeinschaft, Zusammenkunft, Übereinkunft, Vertrag’ (9. Jh.), mhd. zunft, zumft ‘Regel, Schicklichkeit, Würde, nach bestimmten Regeln eingerichtete Gesellschaft, Verein’, mit Wandel von m zu n (s. Kunft und kommen) schwundstufiges ti-Abstraktum zu dem unter ziemen (s. d.) behandelten Verb. Von der alten Verbalbedeutung ‘passen, sich gehören, angemessen sein, gebühren’ und daher ‘innerlich und äußerlich übereinstimmen’ ausgehend, steht das Substantiv zunächst für ‘Vertrag, Regel, nach der eine Gemeinschaft lebt’, danach für ‘Vereinigung (von Handwerkern)’. Zunft ist ein obd. Wort (13. Jh. Basel, bald auch Ulm, Würzburg), begegnet im 14. Jh. am Mittelrhein und wandert weiter nach Osten. Lange Zeit wird es mit bedeutungsverwandten Wörtern verbunden, vgl. Bruoderschaft und Zunft (15. Jh.), Zunft oder Gilde (16. Jh.), Compagnien, Zünfte, Innungen (17. Jh.). zünftig Adj. ‘zur Zunft gehörend, sie betreffend’, in neuerer Sprache ‘tüchtig, gehörig, ordentlich’, ahd. zumftīg ‘friedlich, ruhig’ (um 900; gizumftīg ‘übereinstimmend’, 9. Jh.), spätmhd. zünftic ‘einer Zunft angehörend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bodenständig · gehörig · kernig · rustikal · urig · urwüchsig · zünftig  ●  waschecht  ugs.

Typische Verbindungen zu ›zünftig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zünftig‹.

Verwendungsbeispiele für ›zünftig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die zünftige Kritik hatte mit dem Bild nicht viel anzufangen gewußt. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 376]
Die brachte die zünftige Bedienung auch, nur war es nicht unsere. [Süddeutsche Zeitung, 28.07.1997]
Abends kann man dann im Tal zünftig sein bayerisches Bier trinken. [Der Tagesspiegel, 08.12.2001]
Die Männer treten angemessen zünftig auf und sprechen breiten Dialekt. [Die Zeit, 02.08.2013 (online)]
Man geht „zünftig“, meist teuer doch zweckmäßig gekleidet, in die Berge. [Die Zeit, 17.09.1976, Nr. 39]
Zitationshilfe
„zünftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/z%C3%BCnftig>.

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