züngeln

GrammatikVerb · züngelt, züngelte, hat/ist gezüngelt
Aussprache
Worttrennungzün-geln
Wortbildung mit ›züngeln‹ als Letztglied: ↗aufzüngeln · ↗emporzüngeln · ↗hochzüngeln · ↗umzüngeln
 ·  mit ›züngeln‹ als Grundform: ↗Gezüngel
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
von Schlangen   wiederholt die Zunge herausstrecken, sie vor- und zurückschnellen lassen und wieder zurückziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
eine Schlange züngelt
nach einer Sache, jmdm. züngeln
Beispiele:
die Kreuzotter züngelte nach der Beute, nach mir
züngelnde Nattern
2.
mit der Zunge wiederholt schnell über die Lippen fahren
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’, mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiel:
blitzschnell züngelte ihre schmale Zunge über die Lippen – ha, schmeckte das zuckersüß [ViebigTägl. Brot316]
etw. wiederholt mit der Zunge betasten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Der Wirt ... lutscht und züngelt an seiner neue Plombe im Unterkiefer [DöblinAlexanderpl.86]
3.
Flammen züngelnFlammen bewegen sich (wiederholt) schnell, unruhig (hin und her, auf und ab)
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Flammen züngeln zwischen den Kohlen
züngelnde Flammen
bildlich
Beispiel:
gehobenfeine Staubfäden züngeln aus dem leuchtenden Blütenkelch
irgendwohin züngeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Blitze züngelten über den Himmel
eine Stichflamme ist gen Himmel, in die Höhe gezüngelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zunge · züngeln
Zunge f. Organ zum Sprechen und Schmecken, ahd. zunga ‘Zunge, Rede, Sprache’ (8. Jh.), mhd. zunge, auch ‘Volk, Land, Heimat’, asächs. tunga, mnd. tunge, tonge, mnl. tonghe, tunghe, nl. tong, aengl. tunge, engl. tongue, anord. schwed. tunga, got. tuggō. Zugrundeliegendes germ. *tungōn läßt sich vergleichen mit alat. dingua ‘Zunge, Sprache’, woraus (durch Anschluß an lat. lingere ‘lecken’) lat. lingua. Als Grundwort kann man ie. *dṇg̑hu̯ā ‘Zunge’ ansetzen bzw. (für das Awest., Lit. und Slaw.) einen maskulinen ū-Stamm *dṇg̑hū. Weitere Formen lassen sich nur heranziehen, wenn von lautlichen Umstellungen bzw. tabuistischen Veränderungen ausgegangen wird, z. B. aind. jihvā́, awest. hizvā- ‘Zunge’ (aus *g̑ig̑hu̯ā, und dieses mit i von aind. lih-, lḗḍhi ‘leckt’ oder jihmáḥ ‘schräg, schief’ aus *dag̑hu̯ā), awest. hizū- ‘Zunge’, air. teng, tengae ‘Zunge’ (mit t- nach tongid ‘schwört’), lit. liežùvis ‘Zunge, Sprache’ (angeglichen an lit. liẽžti ‘lecken’), mit k-Erweiterung aslaw. językъ ‘Zunge, Sprache, Volk’, russ. jazýk (язык) ‘Zunge, Sprache’. züngeln Vb. ‘die Zunge schnell hin und her bewegen’ von Tieren, besonders Schlangen (17. Jh.), übertragen auch von Flammen (18. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dach Fenster Feuer Flamme Himmel Rand Schlange Stichflamme Wand Zunge an auf emporzüngeln entgegen gierig hervor hervorzüngeln hoch lodern plötzlich zischen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›züngeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es züngelt im Haus mit dem Roten Dach an ganz anderen Stellen.
Süddeutsche Zeitung, 19.10.1998
Sie lauern auf ihren Tellern, sie züngeln aus ihren Vasen und Schalen, sie schwellen, sie ergießen sich.
Die Zeit, 10.07.1992, Nr. 29
Sie faßten ihn ins Auge, züngelten erregt, ließen ihr gereiztes Klappern vernehmen und wandten ihm den Vorderkörper stoßbereit entgegen.
Bücherl, Wolfgang: Das Haus der Gifte, Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung 1963, S. 63
Die ersten Flammen züngelten schon zum flachen Dach des Anbaus hinüber.
Röhrig, Tilman: In dreihundert Jahren vielleicht, Würzburg: Arena 1984 [1983], S. 126
Er hielt ein Feuerzeug an eine Ecke des Briefes und ließ die Flammen über das Blatt züngeln.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 30
Zitationshilfe
„züngeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/züngeln>, abgerufen am 17.11.2019.

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