zart

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›zart‹ als Erstglied: ↗Zartgefühl · ↗Zartmacher · ↗Zartsinn · ↗Zärtling · ↗zartbesaitet · ↗zartbitter · ↗zartblau · ↗zartfarbig · ↗zartfühlend · ↗zartgliedrig · ↗zartgrün
 ·  mit ›zart‹ als Letztglied: ↗hauchzart · ↗spinnwebenzart · ↗unzart
 ·  mit ›zart‹ als Grundform: ↗Zartheit · ↗verzärteln
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
fein, weich, dünn
Beispiele:
zarte Spitze, Seide
zartes Gewebe aus Chemiefasern
sie briet saftig zarte Steaks
Toastscheiben mit zartem Schinken
zarte, gepflegte Hände
zarte Wangen
ihr Gesicht war zart
zarte Glieder, Schultern, Füße
sie ist von zarter Gestalt
ein zarter Wuchs, Gliederbau
noch nicht voll entfaltet, jung
Beispiele:
die zarten Pflänzchen sind im Gewächshaus vor Nachtfrösten geschützt
diese Erbsen sind ganz zart
wenn der Rhabarber noch zart ist, braucht man ihn nicht zu schälen
für diese Diät kommt nur zartes (= junges und leicht verdauliches) Gemüse in Frage
ein Zweig mit zarten Blütenknospen
2.
leicht reagierend, empfindsam
a)
schwächlich, nicht widerstandsfähig, leicht verletzbar
Beispiele:
ein zartes, häufig kränkelndes Kind
dieser Belastung sind ihre zarten Nerven nicht gewachsen
seine zarte Gesundheit nötigte ihn zu langen Ruhepausen
ich bin zu zart besaitet, um bei diesem Lärm geistig arbeiten zu können
umgangssprachlich, scherzhaft das zarte (= weibliche) Geschlecht
im zarten Alterim kindlichen, jugendlichen Alter der Schwäche und Schutzbedürftigkeit
Beispiele:
im zarten Alter von 5 Jahren galt er als Wunderkind
seine Mutter verlor er in zartester Jugend [CsokorinÖsterr. Erzähler1,439]
b)
sensibel, feinfühlig, subtil
Beispiele:
dieser Film ist nichts für zarte Seelen, zarte Gemüter
in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit für jeden zeigte sich ihr zartes Gewissen
[die Grabreliefs zeigen die Helenen] von Seiten ... ihres zarten Sinns für Familienglück und eheliche Treue [E. CurtiusAltertum1,29]
das Zarteste, das in den Wenigen lebende Gewissen, ist noch beseelt [RathenauBriefe1,293]
Aber dem zarter empfindenden Menschen widersteht es, zu stören [Th. MannFaustus6,385]
3.
angenehm, mild, sanft auf die Sinne wirkend
Beispiele:
ihr blasses Gesicht überzog sich mit einer zarten Röte
sie sahen die zarten Konturen der fernen Berge
Kerzen verbreiteten ein zartes, gedämpftes Licht
im Schnee begannen die Meisen zart zu piepsen
eine zarte Stimme
die Luft war an diesem Tage mild und zart
der Himmel färbte sich ins zarte Rosa einer Pelikanschwinge [U. BecherMänner228]
Über Merwinsk lag der zarte Glanz jenes Mainachmittags [A. ZweigGrischa104]
Er roch eine zarte Welle Parfüm, vorbei war sie und schon verweht [J. RothRadetzkymarsch139]
4.
behutsam, rücksichtsvoll, liebevoll
Beispiele:
zarte Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme, Schonung
er betreute die alte Dame mit der zartesten Fürsorge
sie wurden nicht gerade zart angefasst
Ich muß zartere Saiten aufziehen für den Anfang! [G. KellerLiebesbriefe6,382]
Sollten auch Sie zarteren Gefühlen zugänglich sein? [BrechtGuter Mensch9]
zärtlich
Beispiele:
zwischen den beiden besteht eine zarte Beziehung
gehoben die zarte Bande der Liebe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zart · zärtlich · Zärtlichkeit · verzärteln
zart Adj. ‘fein, zerbrechlich, verletzlich, behutsam’, ahd. zart (Hs. 12. Jh.; vgl. zarto Adv., 9. Jh.), mhd. zart ‘lieb, wert, vertraut, lieblich, schön, fein, weich, schwächlich’; dazu die Verben ahd. zartōn ‘liebkosen, schmeicheln’ (um 1000), firzerten ‘zart oder üppig sein’ (nur Part. Prät., 8. Jh.). Herkunft nicht sicher geklärt. Als nächste Verwandte außerhalb des Hd. kommen in Betracht mnd. tertel ‘zart, zierlich’, derten, darten ‘verwöhnt, verzärtelt’, tertelīk, tartelīk ‘zärtlich, fein’, dertelīken ‘verzärtelt’ (mit affektisch bedingtem Anlautwechsel von t und d), dän. tærtet ‘zimperlich’, vielleicht auch norw. (mundartlich) tert, tart ‘kleiner Lachs’ und wohl pers. dard ‘Schmerz, Leiden, Qual, Pein’. Man kann die Wortgruppe an die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ anschließen (s. ↗zehren, ↗zerren und auch ↗Trotz), wenn man von zart als einer partizipialen to-Bildung mit der Bedeutung ‘zerfasert’ ausgeht, die sich zu ‘dünn’, daher ‘verletzlich’, dann zu ‘behutsam, empfindlich’ weiterentwickelt. zärtlich Adj. ‘liebkosend, liebevoll, fürsorglich’, ahd. zartlīh (10. Jh.; zartlīhho Adv., um 900), mhd. zartlich, zertlich ‘anmutig, lieblich, liebevoll, wohlwollend, weich, sanft, milde’; Zärtlichkeit f. ‘Liebkosung, Zuneigung, Fürsorglichkeit’, spätmhd. zertlīcheit ‘Lieblichkeit, Anmut’. verzärteln Vb. ‘verweichlichen’ (16. Jh.); vgl. gleichbed. mhd. verzerten, ahd. firzerten (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
anmutig · ↗edel · ↗elegant · ↗geschmeidig · ↗grazil · ↗graziös · voller Anmut · zart · ↗zierlich  ●  ↗gazellenhaft  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
dünn · ↗fragil · ↗mürbe · zart · ↗zerbrechlich
Assoziationen
Synonymgruppe
behutsam · ↗einfühlsam · ↗lieb · ↗liebevoll · ↗sacht · ↗sanft · zart · ↗zärtlich
Assoziationen
Synonymgruppe
empfindlich · ↗feinfühlend · ↗feinfühlig · ↗weich · zart · ↗zartfühlend
Assoziationen
Synonymgruppe
empfindlich · ↗fein · ↗filigran · ↗fragil · ↗grazil · ↗hauchfein · ↗sachte · zart  ●  wie gehaucht  geh.
Synonymgruppe
spärlich · ↗winzig · zart
Synonymgruppe
feingliedrig · ↗schlankgliedrig · von zartem Körperbau · von zierlichem Körperbau · zart (aufwertend) · zart gebaut · ↗zartgliedrig (aufwertend)  ●  ↗zierlich  Hauptform
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alter Andeutung Aquarell Berührung Blüte Duft Flaum Fleisch Gemüt Geschöpf Grün Hauch Haut Kindesalter Kuß Liebesgeschichte Pastellfarbe Pastellton Pflanze Pianissimo Rosa Schleier Schmelz Seele Trieb Versuchung besaitet saftig weich zerbrechlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zart‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einen solchen Moment vergißt man nie, nicht im zarten Alter von fünfzehn Jahren.
Bild, 18.07.2005
Deshalb hört sie im zarten Alter von 20 Jahren auf.
Der Tagesspiegel, 15.01.2001
Sie sind so zart gebaut, daß sie nur an windstillen Tagen auf die Jagd gehen können.
o. A.: Lexikon der Kunst - M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 11457
Sie konnten es dadurch sogar roh essen, so zart war es.
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 193
Die zarte Haut hat gelitten, die kalte Umgebung berührt unangenehm, das neu zu lernende Atmen beängstigt und strengt an.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 5558
Zitationshilfe
„zart“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zart>, abgerufen am 16.10.2019.

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