zechen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungze-chen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zechen‹ als Erstglied: ↗Zechbruder · ↗Zecherei · ↗Zechgelage · ↗Zechgenosse · ↗Zechkumpan · ↗Zechtour · ↗zechfreudig
 ·  mit ›zechen‹ als Letztglied: ↗durchzechen · ↗mitzechen · ↗weiterzechen
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich meist mit anderen zusammen (in großen Mengen) Alkohol trinken
Beispiele:
sie hatten die ganze Nacht hindurch, den ganzen Abend gezecht
er zechte mit seinem Freund bis zum frühen Morgen
jmdn. zum Zechen einladen
einige Herrengesellschaften, die teils Karten spielten, teils zechten [G. KellerAmrain6,164]
Es gab ... ein Schmausen und Zechen, wie Mynherr es so oft auch außerhalb des Berghofs ins Werk setzte [Th. MannZauberb.2,839]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeche · zechen · Zecher · Zechbruder · Zechgenosse · bezecht
Zeche f. ‘Rechnung für genossene Speisen und Getränke in einer Gaststätte, Bergwerk’, ahd. zehha ‘gemeinsamer Beitrag’ (9. Jh.), mhd. zech(e), mnd. teche ‘reihumgehende Verrichtung, Reihenfolge, Anordnung, Einrichtung, Vereinigung zu gemeinsamen Zwecken (Trinkgesellschaft, Zunft, Bergwerksgenossenschaft und deren Grube), Ort der Zusammenkunft, Geldbeitrag zu gemeinsamem Verzehr’, spätmhd. auch ‘Wirtsrechnung für Gelage und Schmaus’; vgl. dazu ahd. zehōn ‘ausrüsten, in Ordnung bringen, instand setzen, besudeln, färben, verfälschen’ (8. Jh.), mhd. zechen ‘anordnen, verfügen, veranstalten, zustande bringen’, auch ahd. gizeh ‘geordnet’ (10. Jh.), mhd. gezech. Weiterhin sind vergleichbar aengl. teoh m. f. ‘Geschlecht, Trupp, Schar, Bande, Gesellschaft’, (ge)teohhian ‘bestimmen, meinen, beabsichtigen, vorschlagen, betrachten, denken, urteilen’, wohl auch anord. (aus *tehwa) ‘Erlaubnis’. Eine Weiterbildung (mit dem Suffix germ. -sman-) ist mhd. zesem, zesen ‘ununterbrochene Reihe’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *dek̑-, doch außergerm. Beziehungen sind ganz unsicher. Formal könnten herangezogen werden aind. daśasyáti ‘tut Dienste, ist gefällig, unterstützt’, griech. déchesthai (δέχεσθαι) ‘annehmen, aufnehmen, erwarten, scheinen’, lat. decēre ‘zieren, kleiden, sich ziemen, sich schicken’, air. dech ‘der beste’, die ebenfalls eine Wurzel ie. *dek̑- ‘nehmen, aufnehmen’, auch ‘gut passend, geeignet, sich schicken, ziemen’ voraussetzen. Zeche geht sehr wahrscheinlich von der Bedeutung ‘Ordnung, Reihenfolge’ aus, vgl. umzech(ig) Adv. ‘der Reihe nach, abwechselnd, umschichtig’ (15. bis 19. Jh.). zechen Vb. ‘gemeinsam mit anderen trinken, schmausen, ein Gelage halten’, spätmhd. zechen, zu mhd. zeche in der Bedeutung ‘gemeinsames Mahl, Gelage’. Zecher m. ‘wer gern und oft zecht’ (16. Jh.), mhd. zechære ‘(An)ordner’. Zechbruder m. ‘Zechgeselle, Saufkumpan’ (16. Jh.), spätmhd. zechbruoder ‘Vereinsgenosse, Zunftbruder’. Zechgenosse m. ‘wer mit anderen gemeinsam trinkt und schmaust’ (18. Jh.), älter ‘Genosse einer Zunft, Gilde’ (Anfang 17. Jh.). bezecht Part.adj. ‘betrunken’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) betrinken · (sich) sinnlos betrinken · ↗(viel Alkohol) trinken  ●  ↗feiern  jugendsprachlich, verhüllend · ↗(einen) verlöten  ugs., regional · (einen) über den Durst trinken  ugs., variabel · ↗(sich einen) ballern  ugs. · ↗(sich etwas) genehmigen  ugs. · ↗(sich) abschießen  ugs. · ↗(sich) besaufen  ugs. · (sich) die Hucke vollsaufen  ugs. · (sich) die Kante geben  ugs. · (sich) einen auf die Lampe gießen  ugs., fig. · (sich) einen hinter die Binde kippen  ugs., fig. · (sich) einen zur Brust nehmen  ugs. · (sich) volllaufen lassen  ugs. · (sich) zulaufen lassen  ugs. · (sich) zusaufen  ugs. · ↗(sich) zuschütten  ugs. · ↗bechern  ugs. · bürsteln  ugs., österr. · ins Glas schauen  ugs. · ↗saufen  ugs. · ↗süppeln  ugs. · tschechern  ugs., salopp, ostösterreichisch · zechen  ugs.
Oberbegriffe
  • (sich) einen (...) genehmigen · Alkohol trinken  ●  (eine Flasche Wein o.ä.) verpitschen  ugs., ruhrdt. · (sich) (die) Kehle anfeuchten  ugs. · (sich) (die) Kehle ölen  ugs. · (sich) (einen) hinter die Binde kippen  ugs. · einen heben  ugs.
Assoziationen
  • trinken  ●  (nasser) Alkoholiker (sein)  variabel · ↗alkoholabhängig (sein)  variabel · zur Flasche greifen  fig. · ↗saufen  derb
  • (bei alkoholischen Getränken) nicht nein sagen · ↗(dem Alkohol) zugetan · (sich) gerne (schon mal) einen trinken · gerne dem Alkohol zusprechen · mit dabei sein wenn es was zu trinken gibt  ●  gerne Alkohol trinken  Hauptform · dem Trunke hold (sein)  geh. · nicht ins Glas spucken  ugs.
  • Vatertag  ●  ↗Herrentag  ugs., regional · ↗Männertag  ugs., regional
  • Alkohol · Teufel Alkohol  ●  ↗Alk  ugs.
  • Trinkhalm · ↗Trinkröhrchen  ●  Plastikstrohhalm  ugs. · ↗Strohhalm  ugs.
  • Alkoholvergiftung  ●  ↗Alkoholintoxikation  fachspr. · C2-Abusus  fachspr. · C₂-Abusus  fachspr.
  • Teufel Alkohol · alkoholhaltiges Getränk  ●  ↗Alkoholika  Plural · alkoholisches Getränk  Hauptform · ↗Alk  ugs., salopp · ↗Alkohol  ugs.
  • (jemanden) benebeln · ↗(jemanden) beschwipsen · ↗berauschen  ●  betrunken machen (aufgrund des Alkoholgehalts)  Hauptform · ↗knallen  ugs.
  • (ein) wüstes Zechgelage veranstalten · (sich) hemmungslos besaufen
  • (stark) alkoholisiert · betrunken, wie er war · im Rausch · in angetrunkenem Zustand · unter Alkoholeinfluss (stehen)  ●  im Suff  ugs. · im Tran  ugs. · in seinem besoffenen Zustand  ugs. · unter Alkohol  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abend Bekannter Freund Kneipe Knirps Kumpel Lokal Morgen Nacht Straße Täter Uhr Wohnung Zollverein durch einst essen feiern fröhlich lachen schmausen singen tafeln tanzen weiterzechen zusammen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zuvor hatte er zusammen mit drei Männern und zwei Frauen gezecht.
Bild, 18.06.1998
Es enthält zwar keinen Wein, aber man kann dort fröhlich zechen und schmausen.
Süddeutsche Zeitung, 19.03.1996
Wir hatten ihn auf den Konventen oft gesehen und manche Nacht mit ihm beim Spiel gesessen und gezecht.
Jünger, Ernst: Auf den Marmorklippen, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1939], S. 21
Die waren gar wohl aufgeputzt mit Kleidung, trugen den Hut voll Reiherfedern, ließen sich vom Wirt selbst auftragen und zechten sich die Haut voll.
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 43
Bei den Geschützen wurde auf diesen Glücksfall hin gewürfelt und gezecht.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 201
Zitationshilfe
„zechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zechen>, abgerufen am 21.02.2019.

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