zehren

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzeh-ren
Wortbildung mit ›zehren‹ als Erstglied: ↗Zehrgeld · ↗Zehrpfennig  ·  mit ›zehren‹ als Letztglied: ↗abzehren · ↗aufzehren · ↗auszehren
 ·  mit ›zehren‹ als Grundform: ↗verzehren
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
Beispiele:
Seeluft zehrt (= vermindert das Körpergewicht)
Medizin zehrende Krankheiten (= Krankheiten, für die eine Verminderung des Körpergewichts charakteristisch ist)
gehoben, übertragen
Beispiele:
eine zehrende (= starke, verzehrende) Leidenschaft, Sehnsucht
von einer Wehmut, die tiefer und zehrender brennen kann als alle jähe Leidenschaftlichkeit [Th. MannKröger9,208/209]
etw. zehrt an jmdm., etw.etw. schwächt, verzehrt jmdn., etw.
Beispiel:
das Fieber, die Krankheit zehrt an ihm, seinen Kräften
übertragen
Beispiel:
der Kummer, das Leid zehrt an ihr, an ihrem Herzen
2.
von etw. zehrensich von etw. ernähren
Beispiele:
der Bär zehrt während des Winterschlafes vom eigenen Fett
die Eichhörnchen zehren von ihren Wintervorräten
bildlich
Beispiel:
Von dem Geld konnte man höchstens ein paar Tage zehren (= seinen Lebensunterhalt bestreiten) [MarchwitzaUnter uns173]
gehoben, übertragen etw. Schönes, Erhebendes lange in sich bewahren und sich daran erfreuen, aufrichten
Beispiele:
von seinen Erinnerungen, Eindrücken zehren
wir werden noch lange davon, von unserer Reise, unseren Erlebnissen zehren können
Ein herrliches Fest! Jahrelang wird man davon zehren [G. Hauptm.SonnenuntergangI]
Jeder Hanseat zehrte von dem Ruhm und Glanz seiner mächtigen Bundesstadt [BredelVitalienbrüder33]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zehren · verzehren · Verzehr · Zehrung · Wegzehrung · auszehren · Auszehrung
zehren Vb. ‘von etw. leben, sich von etw. ernähren, die (körperlichen) Kräfte verbrauchen, schwächen’. Das nur im Dt. und Nl. begegnende Verb mhd. zer(e)n ‘für die Ernährung Aufwand treiben, leben, essen, sich nähren von, verbrauchen’, auch ‘zerreißen, vernichten’ (s. das nachfolgend genannte starke Verb), asächs. terian ‘verzehren’, mnd. mnl. tēren ‘(ver)zehren’, nl. teren ‘zehren, sich ernähren’ gehört als jüngere (kausative?) j-Bildung (germ. *tarjan) zu dem in mhd. Zeit untergegangenen starken Verb ahd. zeran ‘streiten’ (8. Jh.), ‘einen Kampf beenden’ (um 1000), mhd. zerzern ‘zerreißen’, aengl. teran, engl. to tear, got. distaíran ‘zerreißen’, gataíran ‘zerreißen, zerstören’ (germ. *teran). Außergerm. sind verwandt aind. (mit Nasalpräsens) dṛṇā́ti ‘birst, macht bersten, sprengt, zerreißt’, griech. dérein (δέρειν) ‘abhäuten, schinden, mißhandeln, prügeln’, kymr. darn ‘Stück, Teil’, lit. dir̃ti ‘(zer)reißen, prügeln, schinden, die Haut abziehen’, aslaw. dьrati ‘schinden, reißen, schlagen’, russ. drat’ (драть) ‘reißen, zerren, laufen, flüchten’. Alle Formen lassen sich auf die Wurzel ie. *der(ə)-, *drē- ‘schinden, (ab)spalten’ zurückführen (s. auch ↗zerren sowie ↗Torf, ↗trennen, ↗Troddel, ↗Trotz, ↗Zorn). Als Ausgangsbedeutung für zehren ist ‘(Fleisch) beim Essen zerreißen’ anzunehmen. verzehren Vb. ‘essen (und trinken), bis nichts mehr übrig ist, aufbrauchen’, reflexiv ‘sich abhärmen’, mhd. verzer(e)n; dazu die Rückbildung Verzehr m. (18. Jh.), vgl. älteres Zehr m. ‘Mahlzeit, Gelage, Essen und Trinken’ (um 1600) und Zehre f. (bis 17. Jh.), mhd. zer(e) f. Zehrung f. ‘was man verzehrt oder zum Unterhalt braucht’, mhd. zerunge; Wegzehrung f. (16. Jh.). auszehren Vb. ‘körperlich sehr schwächen, entkräften’, älter auch ‘verzehren, alles aufessen, aufbrauchen, aufhören zu verzehren’ (15. Jh.); Auszehrung f. ‘krankhafte Abmagerung, Schwindsucht’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
schwächen · zehren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auftragsbestand Auftragspolster Aura Bonus Erbe Ertrag Fettreserve Fundus Glanz Mythos Nerv Nerve Nerven Nimbus Polster Popularität Prestige Renommee Reserve Ruf Ruhm Rücklage Substanz Ungewißheit Vorrat Weile aufzehren auszehren davon lange

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zehren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das geht runter wie Öl, und ich zehre noch davon.
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003
Denn auch das Fernsehen zehrt von ihr auf allen Gebieten.
Die Zeit, 25.12.1964, Nr. 52
An diesen Tag, an die glückseligen Stunden denke ich heute und ich zehre davon.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 10.05.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
An seinen Plänen und seinem Gedankengute zehrt noch Karl IV.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1928, S. 1020
Alles wäre so still und zehre nur von dem Einst.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 201
Zitationshilfe
„zehren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zehren>, abgerufen am 21.07.2019.

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