zeihen

Grammatik Verb · zeiht, zieh, hat geziehen
Aussprache 
Worttrennung zei-hen
eWDG

Bedeutung

gehoben, veraltend jmdn. einer Tat zeihenjmdn. einer Tat beschuldigen, bezichtigen
Beispiele:
man zieh ihn der Lüge, Unaufrichtigkeit, Heuchelei, Undankbarkeit, Untreue, Feigheit
er hat ihn des Mordes, Diebstahls, Meineids, eines Verbrechens, des Verrats geziehen
Sie schwor ... daß sie jener fürchterlichen Sünde, der man sie zeihe, der Blutschande nämlich, niemals verfallen wäre [ G. Hauptm.Ketzer4,107]
Er zieh sich der Ungeduld und des Kleinmuts [ Kellerm.Totentanz409]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zeihen · verzeihen · Verzeihung
zeihen Vb. ‘beschuldigen, bezichtigen’, ahd. zīhan (9. Jh.), mhd. zīhen ‘an-, beschuldigen’, asächs. in aftīhan ‘versagen’, mnd. tīen, (mit grammatischem Wechsel von h und g) tīgen, mnl. tīen (vgl. nl. aantijgen ‘anklagen, beschuldigen’), aengl. tēon ‘anklagen, beschuldigen’, got. gateihan ‘anzeigen, verkünden’ führen mit außergerm. Verwandten wie aind. diśáti ‘zeigt, führt vor, legt dar’, griech. deiknýnai (δεικνύναι) ‘zeigen’, lat. dīcere ‘sprechen, sagen’, dicāre ‘feierlich verkünden, weihen, widmen’, osk. deíkum ‘sprechen’ auf eine Wurzel ie. *deik̑- ‘zeigen’ (s. auch Zeichen, zeigen, Zehe), im Germ. besonders rechtssprachlich ‘auf jmdn. als den Täter hinweisen, beschuldigen’. verzeihen Vb. ‘jmdm. ein Vergehen vergeben, entschuldigen’, ahd. firzīhan ‘versagen, verweigern’ (9. Jh.), mhd. verzī(h)en ‘versagen, abschlagen, sich lossagen, aufgeben, verlassen’, reflexiv ‘verzichten’. Die heutige Bedeutung entsteht (im 15. Jh. sich anbahnend) aus der rechtssprachlichen Verwendung sich (seines Rechtsanspruchs auf Wiedergutmachung) verzeihen ‘darauf verzichten’, woraus ‘dem Schuldigen vergeben’. Verzeihung f. mhd. verzīhunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) zur Last legen · (jemanden eines Fehlverhaltens) bezichtigen · (jemanden) anklagen · (jemanden) anschuldigen  ●  (jemanden) beschuldigen  Hauptform · (jemanden einer Sache) zeihen  geh., veraltet · (jemanden) inkriminieren  geh., selten
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›zeihen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

BetrachtBeispielsätze anzeigen BilanzBeispielsätze anzeigen ErwägungBeispielsätze anzeigen FadenBeispielsätze anzeigen FeldBeispielsätze anzeigen HutBeispielsätze anzeigen KonsequenzBeispielsätze anzeigen NutzenBeispielsätze anzeigen SchlußBeispielsätze anzeigen StrangBeispielsätze anzeigen WolkeBeispielsätze anzeigen abzeihenBeispielsätze anzeigen anzeihenBeispielsätze anzeigen aufzeihenBeispielsätze anzeigen auszeihenBeispielsätze anzeigen darausBeispielsätze anzeigen durchzeihenBeispielsätze anzeigen einzeihenBeispielsätze anzeigen heranzeihenBeispielsätze anzeigen hinzeihenBeispielsätze anzeigen mitzeihenBeispielsätze anzeigen nachzeihenBeispielsätze anzeigen umzeihenBeispielsätze anzeigen vorbeizeihenBeispielsätze anzeigen vorzeihenBeispielsätze anzeigen vorüberzeihenBeispielsätze anzeigen wegzeihenBeispielsätze anzeigen weiterzeihenBeispielsätze anzeigen zurückzeihenBeispielsätze anzeigen zusammenzeihenBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zeihen‹.

Verwendungsbeispiele für ›zeihen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sicher ist der Mann unberechenbar, und ein Premier kann es sich nicht bieten lassen, der Lüge geziehen zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 10.09.1994
Ich weiß, niemand würde, außer mir, auf die Idee kommen, sie einer Lüge zu zeihen.
Bachmann, Ingeborg: Das dreißigste Jahr, München: R. Piper & Co. Verlag 1961, S. 202
Dabei zeiht man ihn und seine neue Magd eines "liederlichen Lebenswandels".
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 902
Von der nationalistischen Agitation wird sie daher der »Erfüllungspolitik« geziehen.
o. A.: 1921. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1982], S. 6329
Die bildungsphiliströsen Kulturverwalter brachten es fertig, selbst dieses rasend betuliche Zeug der »Nervenaufpeitschung« zu zeihen.
konkret, 1997
Zitationshilfe
„zeihen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zeihen>, abgerufen am 16.10.2021.

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