zementieren

GrammatikVerb · zementiert, zementierte, hat zementiert
Aussprache
Worttrennungze-men-tie-ren
HerkunftLatein
WortzerlegungZement-ieren
Wortbildung mit ›zementieren‹ als Erstglied: ↗Zementation · ↗Zementierer · ↗Zementierung
 ·  mit ›zementieren‹ als Letztglied: ↗auszementieren · ↗einzementieren
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutungen

1.
jmd. zementiert etw.mit Zement, Beton versehen und dadurch einen festen Untergrund für etw. schaffen
Beispiele:
Die schweren Eisentüren [der Gefängniszellen] sind schalldicht, die karge Möblierung ist aus Beton und Stahl und fest in den Boden zementiert. [Der Spiegel, 19.03.2007, Nr. 12]
Sportkletterer sichern sich an sogenannten Bohrhaken, diese werden in die [Fels-]Wand zementiert. [Spiegel, 31.10.2014 (online)]
bildlich Schalke nutzte […] die Ergebnis-Vorlagen der schwächelnden Konkurrenz, zementierte den vierten Tabellenplatz mit 49 Zählern und baute seinen Vorsprung auf den Fünften Eintracht Frankfurt auf drei Punkte aus. [Die Zeit, 28.04.2013 (online)]
Doch seit der Präsident der Akademie der Künste [deren Neubau nicht vorankommt] mit ansehen muß, daß am Pariser Platz die Bagger ein Loch nach dem anderen buddeln und links und rechts vom Brandenburger Tor schon Fundamente für neue Geschäftshäuser, Botschaften und Banken zementiert werden, ist er verdrießlich. [die tageszeitung, 26.08.1996]
Der Kellerfußboden ist meistens zementiert. Gut bewährt sich auch Ziegelfußboden. [Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 55]
2.
bildungssprachlich jmd. zementiert etw.(etw., was als nicht günstig angesehen wird) festigen, unverrückbar und endgültig machen
Beispiele:
Anders als Christentum, Islam und Judentum kennt der Hinduismus […] auch Göttinnen, doch propagiert und zementiert auch er in vielen seiner Schriften die Vormachtstellung des Mannes. [Der Standard, 16.02.2016]
Am 13. August 1961 hatte die kommunistische SED-Führung unter Walter Ulbricht mit dem Mauerbau die deutsch-deutsche Teilung zementiert. [Spiegel, 10.08.2014 (online)]
Offene Rechnungen zwischen Kuhhirten wurden mit dem Colt beglichen – dieses Wild-West-Klischee hat Hollywood zementiert. [o. A. [huw]: Colt. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1999]]
Warum zementiert dann die Regierung noch veraltete Wirtschaftsstrukturen mit Milliardensubventionen, während die Mittel für den Ausbau der Zukunft fehlen? [Der Spiegel, 04.11.1968, Nr. 45]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. endgültig zementieren
mit Akkusativobjekt: die Machtverhältnisse, Teilung, Ungleichheit, Vorherrschaft, den Status-quo, ein überholtes Familienbild, eine traditionelle Rollenverteilung zementieren
hat Präpositionalgruppe/-objekt: etw. auf Dauer, Jahrzehnte, für die Ewigkeit zementieren
3.
Metallbearbeitung jmd. zementiert etw.(Stahl) durch Glühen unter Zusatz von Kohlenstoff härten
Synonym zu aufkohlen
Beispiele:
Das von Huntsman entwickelte Verfahren bestand darin, einen reinen schwedischen Stahl […] erst in einem Brennofen mit Kohlenstoff anzureichern (zu »zementieren«) und dann in einem feuerfesten Tiegel aus Ton in einem koksgefeuerten Schachtofen einzuschmelzen[…]. [Gall, Lothar: Krupp, Berlin: Siedler 2000, S. 19]
Stahl hatte man bis gegen 1800 […] in kleinen Quantitäten aus den feinsten Erzen hergestellt; dann hatte man Schmiedeeisen durch Kohlenzusatz in Stahl verwandelt (zementiert), endlich ihn auch durch Puddelverfahren hergestellt. [Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 220]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zement · zementieren · Zementierer
Zement m. aus Kalkstein und Ton gewonnenes, pulverförmiges Bindemittel zur Mörtel- und Betonherstellung, mhd. zīment(e), cīmente n. m., frühnhd. Cement (16. Jh., daneben i-Schreibung noch bis ins 19. Jh.), entlehnt aus gleichbed. afrz. ciment, cement m. (frz. ciment), das auf mlat. caementum, cementum, cimentum n. ‘Kalkmörtel, (gelöschter) Kalk’ beruht. Voraus geht lat. caementum (spätlat. auch cīmentum) ‘Bruchstein zum Mauern’, dann ‘zerstoßener Stein, der beim Bauen der Bindemasse beigemischt wird’ (vgl. lat. caementa marmorea ‘beim Bearbeiten des Marmors abspringende Marmorstücke als Zusatz zum Mörtel’), daher spätlat. ‘Bindemasse, Mörtel’ (zu lat. caedere ‘ab-, heraushauen, schlagen, stoßen’). Ende des 14. Jhs. erscheint ferner spätmhd. cēment, zīment n. m. in der bis ins ältere Nhd. geläufigen Bedeutung ‘Substanz zum Reinigen, Läutern, Prüfen, Veredeln von Metallen’ (entweder als Zusatz zu metallhaltigen Lösungen, um aus diesen das edlere Metall auszufällen, oder als pulverförmige Masse, die das Metall beim Brennen umgibt, vgl. Zementation für entsprechende Verfahren noch in der modernen Metallurgie), wohl in unmittelbarem Anschluß an gleichbed. mlat. caementum, cementum der Alchimistensprache (vgl. jüngeres frz. cément ‘kohlenstoffhaltiges Material, das dem Stahl beim Erhitzen Kohlenstoff zuführt und dessen Oberfläche härtet, Zementierpulver’). Die Zahnmedizin verwendet Zement n. in neuerer Zeit (seit Mitte 19. Jh.) für ‘die Zahnwurzel überziehende Schicht aus Knochengewebe, Wurzelrinde, Zahnkitt’ (vgl. gleichbed. frz. cément). zementieren Vb. ‘mit Zement(mörtel), Beton befestigen, dauerhaft machen, mit Zement (aus)füllen, dicht machen’ (2. Hälfte 18. Jh., vgl. frühnhd. sementen ‘mit Mörtel versehen, befestigen’, Anfang 15. Jh.), zuvor schon fachsprachlich in der Bedeutung ‘Metall durch chemische Veränderung veredeln, beizen, läutern’ (2. Hälfte 15. Jh., auch cimentieren, vgl. spätmhd. zīmenten ‘beizen, scheiden, reinigen’, Ende 14. Jh.), dazu Zementierer m. ‘Metallscheider’ (2. Hälfte 16. Jh., vgl. frühnhd. Zymenter, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(für lange Zeit) unveränderlich machen · ↗einbetonieren · ↗festschreiben · in Stein meißeln · zum Gesetz erheben · zur Regel machen  ●  ↗betonieren  fig. · zementieren  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
beständig machen · ↗bewahren · ↗konservieren · ↗stabilisieren · ↗verfestigen · ↗verstetigen  ●  ↗festklopfen  fig. · ↗perpetuieren  geh. · zementieren  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Besitzstand Ewigkeit Familienbild Hierarchie Ineffizienz Kräfteverhältnis Machtbasis Machtposition Machtstellung Machtverhältnis Marktmacht Marktstruktur Massenarbeitslosigkeit Monopol Monopolstellung Ortsnetz Rollenverteilung Schuldenlast Schulsystem Spaltung Status quo Subventionsstaat Teilung Ungerechtigkeit Ungleichgewicht Ungleichheit Vorherrschaft Vormacht Vormachtstellung einzementieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zementieren‹.

Zitationshilfe
„zementieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zementieren>, abgerufen am 26.04.2019.

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